Reiseinformationen - Gift: Nesseltiere und Schwämme


Nesseltiere und Schwämme

Für die meisten Menschen ist Urlaub eng mit Strand und Badespaß verbunden. Auch das Schnorcheln und Tauchen gehört für viele zu den besonderen Vergnügungen im Urlaub. Damit diese Freude möglichst ungetrübt bleibt, sollten Sie einige Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor giftigen Meeresbewohnern wie z.B. Quallen, Seeigel, Stechrochen, Kegelschnecken und Petermännchen einhalten.

Vorsichtsmaßnahmen
Vermeiden Sie es, an unbekannten menschenleeren Stränden ins Wasser zu gehen. Achten Sie auf Hinweise von Einheimischen zu den möglichen Gefahren. Gehen Sie nicht ins Wasser, wenn Quallen angeschwemmt wurden.
Tragen Sie Bade- oder Turnschuhe, wenn Sie über Riffplattformen oder in seichtem Wasser mit felsigem Untergrund gehen, um nicht durch die Stacheln von Seeigeln oder Fischen verletzt zu werden. Seeigel sind nachtaktiv, so dass Sie beim nächtlichen Baden besonders vorsichtig ins Wasser gehen sollten.
Beim Schnorcheln und Tauchen ist es ratsam, nichts anzufassen, was man nicht genau kennt und nicht in Höhlen hineinzugreifen. Schwimmen Sie nicht direkt über dem Meeresboden, da dort Stechrochen eingegraben sein können. Bei aller Faszination der Unterwasserwelt sollten Sie beim Auftauchen nach oben blicken, um eine schmerzhafte Begegnung mit Nesseltieren zu vermeiden, auch wenn Taucher durch Neoprenanzüge relativ gut geschützt sind.

Wie bei den Gifttieren des Landes hat ihr Gift auch für die Meeresbewohner entweder die Funktion eines Beuteerwerbs oder dient der Verteidigung gegen Fresstiere oder Parasiten.
Verletzungen des Menschen durch giftige Meerestiere sind selten und geschehen meist dadurch, dass man in seichtem Wasser auf die Tiere tritt oder in die mit Nesselzellen versehene Tentakel von Quallen hinein schwimmt.
Erste Hilfe Maßnahmen sind ähnlich wie bei den Vergiftungen durch Landtiere die sofortige Sicherung des Verletzten und das Ruhigstellen der betroffenen Körperteile. Zu vermeiden sind auch hier Einschnitte in die Wunde und das Anlegen einer Staubinde. Im Rahmen der Vergiftung mit Meerestieren wird häufig die Behandlung der verletzten Stelle mit heißem Wasser empfohlen. Diese Methode soll das Gift deaktivieren und der Schmerzbekämpfung dienen. Die Praxis hat aber gezeigt, dass sie eher zu zusätzlichen Schädigungen durch Verbrühungen führt, so dass man lieber auf sie verzichten sollte.
Spezielle Hilfeleistungen richten sich nach der Schwere der Vergiftung und dem Tier, das sie verursachte.
 

Schwämme

Einige in der Karibik und im Pazifikraum vorkommende Schwammarten können bei Kontakt unangenehme Hautreizungen hervorrufen. Sie verfügen über mikroskopisch kleine Kieselsäurenadeln, die in die Haut dringen und abbrechen können. Auch getrocknete Schwämme behalten diese Eigenschaften, sobald sie erneut mit Wasser in Berührung kommen. Sollten Sie Schwämme sammeln wollen, benutzen Sie bitte Handschuhe. Symptome nach einem Hautkontakt sind brennender Schmerz, Juckreiz und Schwellung der betroffenen Hautregion. Die Hautstellen sollten mit Wasser oder einer dünnen Seifenlauge abgespült werden und die in der Haut verbliebenen Kieselsäurenadeln können mithilfe von Klebestreifen vorsichtig entfernt werden.

Nesseltiere

Der Kontakt mit Nesseltieren wie Quallen und festsitzenden Polypen wie Seeanemonen und Korallen gehört zu den häufigeren Begegnungen der Menschen mit Meeresgifttieren. Nesseltiere verfügen über Nesselkapseln, die meist an den Tentakeln sitzen. Bei Reizung durch Kontakt oder chemische Auslöser reißen die Kapseln auf. Mithilfe eines herausgeschleuderten winzigkleinen Dorns bohren sie sich in die Haut und injizieren dort den giftigen Inhalt der Nesselkapsel. Dieser Mechanismus ist auch nach dem Tod der Tiere noch aktiv, so dass Sie auch am Strand liegende, halb vertrocknete Nesseltiere nicht anfassen sollten. Für den Betroffenen hat der Kontakt mit giftigen Seeanemonen, Korallen und den meisten Quallen zwar unangenehme, mit brennenden Schmerzen verbundene Folgen, die aber in der Regel, sofern man nicht zu allergischen Reaktionen neigt, ungefährlich sind.
Besonders schmerzhaft ist der Kontakt mit den nesselnden Tentakeln der Feuerqualle, Leuchtqualle und Kompassqualle. Die Verbreitungsgebiete der Feuerqualle liegen im Atlantik, Pazifik, Ärmelkanal, in Nord- und Ostsee und um Australien, die der Leuchtqualle um die Britischen Inseln, das Mittelmeer und im Atlantik. Die Kompassquelle ist ebenfalls im Atlantik und Pazifik verbreitet. Bei allen dreien sollte man die noch auf der Haut klebenden Tentakeln mit einer Pinzette entfernen und die Hautstelle mit Sand bestreuen. Der Sand saugt das Gift der noch nicht geplatzten Nesselkapseln auf und kann anschließend mit einem Spatel abgeschabt werden. Auf keinen Fall sollte man die Hautstellen mit Alkohol oder Süßwasser abspülen, da dadurch intakte Kapseln erst zum Platzen gebracht werden. Selbst Meerwasser kann diese Reaktion hervorrufen.

Lebensgefährlich kann die Begegnung mit der Portugiesischen Galeere und der Würfelqualle sein.
Die Portugiesische Galeere schwimmt mithilfe einer gasgefüllten, bläulichen Blase an der Wasseroberfläche und ist - oft in Massen auftretend- im Pazifik, vor den Kanaren und Portugal, sowie in der Karibik und selten im Mittelmeer und vor der niederländischen Küste zu finden. Sie hat lange Fangfäden, die dicht mit Nesselkapseln bedeckt sind. Diese Fäden hinterlassen nach Hautkontakt ein perlenkettenartiges Muster. Je nach Umfang der Vernesselung kommt es zu starken Schmerzen, Hautausschlag und Blasenbildung, aber auch zu schweren Vergiftungssymptomen wie Erbrechen, Fieber, Bewusstseinstrübung, Durchblutungsstörungen und Herz-Kreislauf-Versagen. Durch die starken Schmerzen und eine mögliche Bewusstlosigkeit besteht akute Gefahr zu ertrinken, so dass schnelle Hilfe nötig ist. An Land sollte die betroffene Hautpartie mit Sand bestreut und die Tentakeln vorsichtig entfernt werden. Das Begießen mit Haushalts-Weinessig, See- oder Süßwasser und auch das Abreiben
mit einem Handtuch kann die Entladung der Nesselzellen provozieren und sollte daher trotz häufiger Empfehlung unterlassen werden. Die betroffenen Person sollte vor allem bei umfangreicher Verletzung umgehend in ärztliche Behandlung gebracht werden.

Das gefährlichste Nesseltier ist die an der australischen Küste und im tropischen Pazifik verbreitete Würfelqualle. Sie schwimmt in Küstennähe im seichten Wasser, hat eine bläuliche Färbung und ist würfelartig geformt. Die langen, dicht mit Nesselzellen besetzten Tentakeln führen nach einem Hautkontakt zu äußerst starken, brennenden Schmerzen und hinterlassen ein Strickleitermuster. Auf der Haut kommt es zu Schwellungen, Rötungen, Blasenbildungen und zum Absterben von Gewebe. Bei umfangreichen Verletzungen und vor allem bei Kindern kann es zu Herzrhythmusstörungen und Herzversagen kommen.
Der Verletzte muss sofort aus dem Wasser geborgen werden. Anschließend sollte die betroffene Hautregion mit Sand oder – in diesem einen Fall – mit Haushalts-Weinessig, der in Australien an vielen Stränden vorrätig ist, großzügig übergossen werden. Es sollte schnellstmöglich für ärztliche Betreuung gesorgt werden.
In Australien werden die Badestrände beim Auftreten von Quallen gesperrt (sogenannter "jellyfish-alert"). Daran sollten Sie sich halten.

RMZ, 08.08.2012



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