Fachinformationen - Drogen: Alkohol


Alkohol


Etwa vier Prozent der weltweiten Gesundheitsausgaben werden für direkte oder indirekte Folgen des Alkoholkonsums aufgewendet. Mehr als 1,8 Millionen Menschen sterben jährlich an den Auswirkungen des Alkoholkonsums. Missbrauch von Alkohol hat auch zahlreiche Folgewirkungen innerhalb einer Gesellschaft, beispielsweise zerrüttete Familien, den Verlust der ökonomischen Produktivität alkoholkranker Personen sowie Schäden durch alkoholbedingte Straftaten und Unfälle. In Großbritannien hat sich in den vergangenen 40 Jahren Verbrauch von Alkohol in Großbritannien pro Kopf  verdoppelt. 38% der Männer und 16% der Frauen haben Probleme im Zusammenhang mit Alkoholkonsum, und suchtkrank im engeren Sinne sind 6% der Männer und 2% der Frauen. Auch die Verfügbarkeit von Alkohol für Jugendliche hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Situation in anderen, weniger gut untersuchten Ländern Europas, besser aussehen sollte.

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Genuß- und Suchtmittel mit fließendem Übergang
Das kleine Molekül Alkohol ist deshalb so wirksam, weil es an Bindungsstellen von Nerven haftet und dadurch die normale Reizübertragung zwischen den Nervenzellen beeinflusst. Dämpfende Impulse werden verstärkt und anregende gehemmt. Bestimmte Hirnbereiche arbeiten langsamer. Die Kontrolle des normierten Denkens, dass spontane Gefühle mit Regel-Denken im Zaum hält, wird schwächer. Es tritt wohlige Entspannung ein. Gleichzeitig verändert sich meist noch unbemerkt und meist unterschätzt die Reaktionsgeschwindigkeit, die Regulation autonomer Körperbewegungen und der Körpertemperatur. Auf die Nieren wirkt Alkohol anregend und ausschwemmend. Alkoholkonsum in den Tropen kann also bei starker Bewegung (Disko oder Strandparty) leicht zu erheblichen Flüssigkeitsverlusten führen. Umgekehrt werden Wärmeverluste in einer Gletscherbar oft unterschätzt, solange der "Jager-Tee" von "innen" zu wärmen scheint.

Weitere Infromationen zu Alkohol:

Alkohol am Urlaubsort
Besteht bereits eine Alkoholabhängigkeit, reisen die etablierten Verhaltensmuster mit, während die gesellschaftlichen Schranken, die das Verhalten im gewohnten Umfeld in Schranken halten, zurückbleiben. In einem All-Inklusiv-Umfeld, wo in guter Partystimmung am Strand die Sangria aus Eimern getrunken wird, nimmt der Gruppendruck mitzutrinken zu und die Selbstkritik schwindet mit jedem weitern Schluck. Exzesse sind vorprogrammiert. Gerade junge Menschen finden sich oft viel eher dazu bereit, mit Alkohol „zu experimentieren“ und sind darüber hinaus viel stärkeren Gruppenzwängen ausgesetzt als ältere Reisende. Die Bereitschaft vieler Staaten Alkoholexzesse von Touristen zu tolerieren hat in den letzten Jahren an manchen Urlaubsorten nachgelassen. Zunehmend finden sich Sperrstunden, Verbot des Trinkens in der Öffentlichkeit und Kontrollen des Alkoholausschankes. Besonders in islamischen Urlaubsländern kann es beim Trinken alkoholischer Getränke zu Problemen kommen, da dort mitunter der Alkoholkonsum nur den Touristen erlaubt, ansonsten jedoch verboten ist. Länder mit strengen offiziellen Alkoholverboten sind Saudi-Arabien, Kuwait, Iran, Sudan oder auch Libyen. Selbst in Marokko können Betrunkene, die in Bars, Restaurants, Diskotheken oder auf der Straße aufgegriffen werden mit bis zu sechs Monaten Gefängnis oder einer Geldstrafe bestraft werden.

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Alkohol bedingte Unfälle bei Reisenden

Etwa 40 Prozent der Rückholungsflüge von Touristen im Krankheitsfall gehen auf Unfälle im Straßenverkehr zurück. Der Straßenverkehr ist in vielen Reiseländern chaotischer als zu Hause. Die Straßenführung kann unübersichtlich sein, der Straßenbelag kann sich ohne Warnung schlagartig ändern, eine Teerstrecke plötzlich enden. Bei Touristen ist Fahren in geliehenen Fahrzeugen, besonders auf geliehenen Motorrädern ohne Helm unter Alkoholeinfluss eine häufige Ursache schwerer Unfälle. Selbst innerhalb Europas fanden sich durch Alkohol verursachte Unfälle signifikant häufiger bei Touristen als in der einheimischen Bevölkerung. Alkoholvergiftungen fanden sich signifikant häufiger bei Osteuropäern als bei Süd-, Mittel, und Westeuropäern. Auch viele andere Unfälle - insbesondere Unfälle auf dem oder unter Wasser - stehen in Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol (oder auch Drogen). Eine Notfallversorgung ist manchmal überhaupt nicht oder nicht sicher gewährleistet. Auch bei den statistisch unfallsträchtigen Fahrten mit Kleinbustaxis (z.B. Matatus in Afrika) kann sich ein Alkohol- oder Drogenkonsum des Fahrers verhängnisvoll auswirken. Eine weitere Unfallursache sind die Überschätzung der eigenen Kondition oder der Risiken, die in heißen Klimazonen mit Wassersportarten verbunden sind, wie Tauchen, Schwimmen, Segeln oder Surfen, und im Schnee Unterschätzung einer Talfahrt nach intensivem Aprés Ski auf der Berghütte.

Mikrobielle und chemische Verunreinigungen

Die Chagas-Krankheit in Südamerika wird nicht nur durch den Stich der Raubwanze in dreckigen Unterkünften übertragen. Auch der Konsum von (vergorenen) Säften kann riskant sein, sofern die Raubwanzen nämlich zwischen den Früchten steckten und mit diesen zusammen verarbeitet wurden. Über Chagas-Epidemien nach Genuß von Guava- oder Acai-Getränken wurde mehrfach berichtet. Auch in Afrika sind vergorene Säfte, z.B. Palmwein, problematisch. Neben massiven bakteriellen Verunreinigungen können diese auch durch zerdrückte afrikanische Raubwanzen kontaminiert sein. Die afrikanische Raubwanze kann Trypanosoma brucei, den Erreger der Schlafkrankheit, übertragen. Ein besonders hohes Risiko besteht bei dem Konsum hochprozentiger selbstgebrannter Schnäpse. Zwar ist ein hoher Alkoholgehalt der Vermehrung von Mikroorganismen nicht zuträglich. Unprofessionell gebrannter Alkohol kann jedoch Methanol enthalten, welches zu schweren Vergiftungen (Blindheit, Koma, Tod) führen kann. So wurde in den vergangenen Jahren beispielsweise über Vergiftungsausbrüche in Ecuador (2011), Uganda (2010, 2009), Nicaragua (2006), Kenia (2005, 2000), Türkei (2005), Großbritannien (2004), Estland (2001), Vietnam (1999) berichtet (Promed).


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Sexuell übertragbare Krankheiten
Sexuell übertragbare Erkrankungen sind nicht selten eine indirekte und manchmal bleibende Folge intensiven Alkoholgenusses. Barrieren und Hemmschwellen werden gesenkt. Risiken verschwinden vermeintlich ebenso wie die Fähigkeit Kondome richtig anzuwenden. Ein nennenswerter Anteil sexuell übertragbare Erkrankungen dürfte im Zusammenhang mit Alkohol- und/oder Drogenkonsum stehen.

Alkoholkonsum, Beispiel Russland

Die durchschnittliche Lebenserwartung russischer Männer liegt mit 59 Jahren niedriger als die Lebenserwartung der Männer in Bangladesch (DÄB). Die Ursache liegt vor allem in den Trinkgewohnheiten. In Russland wird offiziellen Statistiken zufolge nicht unbedingt mehr getrunken als in westlichen Ländern. Es wird jedoch mehr Hochprozentiges konsumiert, Bier gilt als „Softdrink“. Die Bereitschaft, schwarzgebrannten Alkohol zu trinken ist groß. Wenn die Mittel bei Trunksucht knapp werden, wird auch auf billigen Fusel zurückgegriffen, der Schadstoffe wie Methylalkohol enthalten kann. Auch vergälltem Alkohol  wie in Brennspiritus, Parfüm oder Desinfektionsmitteln wird dann zugesprochen. Dabei kann dies das Sterblichkeitsrisiko um das 9 bis 20-fache im Vergleich zu bloßen Wodka-Trinkern erhöhen. Die Trinkgewohnheiten beim Feiern unterscheiden sich durch die Dauer des Trinkens und die schiere Menge des getrunkenen Alkohols. Unter „Zapoi“ verstehen Russen Treffen von Männern, die sich dem normalen Leben für mehrere Tage komplett entziehen und sich in dieser Zeit exzessiv betrinken. Es wurde geschätzt, dass in westsibirischen Industriestädten etwa die Hälfte der Todesfälle russischer Männer im erwerbsfähigen Alter im Zusammenhang mit Alkoholkonsum stehen. Als wichtige Ursachen für problematisches Trinken werden Armut und Langeweile angesehen.

Trinkgewohnheiten, wie die geschilderten können für beruflich Reisende erhebliche psychologische Drucksituationen mit sich bringen. Wer in Weißrussland einen Vertrag abschließen möchte, sieht sich vielleicht außerstande sich dem allgemeinen Zuprosten zu verweigern. Oft hilft es dann nur, glaubhaft und konsequent eine schwere Leberkrankheit vorzuschützen. Also nicht "wenig mittrinken", sondern aus "Krankheitsgründen" nur Mineralwasser konsumieren und das auch gerne in großen Mengen.

Bildquelle: Denis Zimmer

Fazit

Daher sollten Sie bei der abendlichen Party oder als Gast bei Einheimischen maßvoll genießen und Rücksicht auf andere nehmen. Auf alkoholische Getränke unklarer Herkunft, insbesondere auf einheimische "Spezialitäten" sollte verzichtet werden. 

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Literatur

HEF, SH, 30.08.2012



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