Fachinformationen - Typhus-Abdominalis


Typhus abdominalis (Bauchtyphus)

Bildquelle: Werner Schönherr


Erreger:

Salmonella Typhi (gramnegative, bewegliche, fakultativ anaerobe Stäbchen, Familie der Enterobakterien)
Verbreitung:
Weltweites Vorkommen, hohe Inzidenzraten in Afrika, Südamerika und Südostasien. In Deutschland ist die Inzidenz niedrig, in der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um im Ausland erworbene Infektionen (Reiseinfektionen)
Infektionsweg:
Aufnahme der Erreger durch kontaminiertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel Epidemiologisch sind v.a. die asymptomatischen Dauerausscheider von Bedeutung. Auch Schmierinfektionen und Fliegen können eine Rolle spielen. Der Mensch ist das einzige Reservoir.
Inkubationszeit:
7 – 21 Tage, abhängig von der Infektionsdosis
Symptomatik:
Die Erkrankung beginnt mit unspezifischen Prodromalsymptomen wie Übelkeit, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, gleichzeitig ist ein staffelförmiger Fieberanstieg zu verzeichnen (Stadium incrementi) Es folgt eine unbehandelt meist 1-2 Wochen andauernde Phase mit gleichbleibend hohem Fieber, Benommenheit und anderen Meningismuszeichen, relativer Bradykardie, Splenomegalie, wegdrückbaren Roseolen auf der Bauchhaut, borkig belegter Zunge. Häufig beklagen die Patienten Verstopfung und starken Meteorismus. Gegen Ende dieses Stadiums hellt sich das Sensorium wieder auf, und die Patienten leiden nun unter den typischen erbsbreiartigen Durchfällen. Zu diesem Zeitpunkt können Komplikationen wie Darmblutungen oder Perforationen, Meningoenzephalitis, Myokarditis, Nephritis oder Osteomyelitis auftreten. Die Erholungsphase beginnt mit den morgendlichen Fieberremissionen. Rückfälle können direkt aus dem febrilen Stadium heraus sowie bis zu 30 Tagen nach Abklingen des primären Schubes auftreten. Insbesondere bei Patienten mit Gallensteinen besteht die Gefahr, daß es zu einer dauerhaften, kontinuierlich oder schubartig auftretenden Erregerausscheidung kommt. Die Infektion kann auch, insbesondere bei Kindern, mild oder fast symptomlos verlaufen. Im höheren Lebensalter nimmt die Letalität deutlich zu.
Diagnostik:
Die Erregeranzucht erfolgt aus dem Blut, nach 10-14 Krankheitstagen ist eine Anzucht auch aus Stuhl- und Urinproben möglich. Aus dem Knochenmark kann ebenfalls ein Erregernachweis möglich sein. Die genaue Charakterisierung eines Salmonellenstammes erfolgt serologisch über den Nachweis spezifischer Antikörper. Um Dauerausscheidertum ausschließen zu können oder aufzudecken, sind Stuhluntersuchungen bei allen Patienten obligat.
Differenzialdiagnose:
Malaria, Miliartuberkulose, Rickettsiosen, Brucellose, Amöbiasis
Therapie:
Mittel der Wahl: Ciprofloxacin. Alternativ: Breitspektrum- Cephalosporine Bei Dauerausscheidern Ciprofloxacin, Amoxycillin und evtl. chirurgische Herdsanierung (Gallensteine).
Prophylaxe/ Immunität:
Wichtig sind Nahrungsmittelhygiene, Isolierung der Patienten, Aufdecken von Dauerausscheidern. Bei Reisen in Typhus-Endemiegebieten besteht die Möglichkeit einer prophylaktischen Immunisierung (oraler Lebendimpfstoff oder parenteral zu applizierender Totimpfstoff).
Gesetzliche Regelungen:
Nach §6, Abs.1 IfSG besteht Meldepflicht für Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod. Weiterhin besteht nach §7, Abs.1 IfSG Meldepflicht für den direkten oder indirekten Erregernachweis.

RMZ, 25.02.2013



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