Fachinformationen - Tularaemie


Tularämie (Hasenpest)

Erreger:

Francisella tularensis, Biovar tularensis und Biovar palaearctica (gramnegative, unbewegliche nichtsporenbildende Stäbchen)
Verbreitung:
Tularämie kommt in der gesamten nördlichen Hemisphäre (Skandinavische Länder, Balkan, Rußland, Japan, China, USA und Kanada) vor. Betroffen ist häufig die ländliche Bevölkerung. In Europa wurde zuletzt Anfang 2000 ein Erkrankungsausbruch im Kosovo bekannt. In Deutschland traten in den letzten Jahren lediglich sporadische Einzelfälle auf.
Infektionsweg:
Infektionsmöglichkeiten bestehen durch: Haut- oder Schleimhautkontakt mit infektiösem Tiermaterial, Verzehr von nicht ausreichend erhitztem, kontaminiertem Fleisch (Hasen), Aufnahme von kontaminiertem Wasser oder anderen kontaminierten Lebensmitteln, Inhalation von infektiösem Staub, Kontakt mit kontaminierten blutsaugenden Parasiten (Zecken, Mücken, Fliegen). Laborinfektionen können auftreten. Eine Mensch-zu-Mensch Übertragung ist nicht bekannt. Als Reservoir gelten v.a. Hasen und Nagetiere.
Inkubationszeit:
3 – 5 Tage
Symptomatik:
Die Erkrankung kann abhängig von der Infektionsroute und der Virulenz des Erregerstammes sehr unterschiedlich verlaufen. Am häufigsten ist die ulzeroglanduläre Form. An der Eintrittsstelle des Erregers entsteht ein Ulkus, begleitet von Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und einer schmerzhaften Schwellung der regionalen Lymphknoten. Diese können eitrig einschmelzen. Bisweilen ist kein kutanes Ulkus nachweisbar, und es sind nur die regionalen Lymphknoten betroffen (glanduläre Form). Inhalation des Erregers führt zur pulmonalen Form (Husten, Atemnot) oder zu einem septischen, typhusähnlichen Krankheitsbild. Eine Infektion über den Verdauungstrakt kann zu Symptomen im Mundrachenbereich (oropharyngeale Form) (Stomatitis, Pharyngitis, Schwellung der Halslymphknoten) oder im Magen-Darm-Bereich (intestinale Form) (Leibschmerzen, Erbrechen, Durchfälle) führen.
Diagnostik:
Das klinische Bild der Tularämie kann sehr unspezifisch sein. Auffällig sind Hautulzera und Lymphknotenschwellungen. Die Erregeranzucht aus peripherem Blut, Abstrichen und Biopsien ist schwierig, da es sich um einen hochinfektiösen Erreger handelt, sollte die Diagnostik Speziallaboratorien vorbehalten sein. Die Diagnosestellung erfolgt (neben der Klinik) meist serologisch (Nachweis spezifischer Antikörper ab der 2. Krankheitswoche).
Differentialdiagnose:
Toxoplasmose, infektiöse Mononukleose, Tuberkulose, Brucellose, Typhus abdominalis, Pest
Therapie:
Streptomycin, Gentamicin, Doxycyclin, Ciprofloxacin
Prophylaxe:
Beseitigung und Meiden von potentiell infektiösen Tieren und von Vektoren. Es existiert in den USA und in Rußland ein Lebendimpfstoff, er ist in Deutschland nicht verfügbar.
Gesetzliche Regelungen:
Nach §7, Abs.1 IfSG besteht Meldepflicht für den direkten oder indirekten Erregernachweis.

RMZ, 03.02.2009



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