Fachinformationen - Toxoplasmose


Toxoplasmose

Bildquelle: Himmel/Gerstenberg

Erreger:
Toxoplasma gondii, obligat intrazellulär lebender Parasit (intrazelluläre Form: Tachyzoiten, Trophozoiten), Vermehrung vorwiegend in Zellen des retikulo-endothelialen Systems. Lebensfähiges Dauerstadium in Form von Zysten, die in Skelett- und Herzmuskulatur, Gehirn und Retina abgelegt werden können. In der Katze verwandtes Parasitenstadium: Oozyste, die drei Tage Luft, Feuchtigkeit und Wärme benötigen um infektiös werden zu können.
Verbreitung:
Weltweit. Reservoir: überwiegend Katzen. Durchseuchung in Deutschland bis zu 72% der Erwachsenen (35-54% der Frauen im gebärfähigen Alter).
Infektionsweg:
Durch Aufnahme von Zysten in rohen oder halbgaren Fleischprodukten (Schweinefleisch u.a.) und Rohkost, die bei mangelnder Handhygiene mit Katzenkot kontaminiert wurde. Keine Übertragung von Mensch zu Mensch (Abgesehen von der diaplazentaren Übertragung).
Inkubationszeit:
4-21 Tage. Eine akute Toxoplasmose kann in der Schwangerschaft transplazentar übertragen werden.
Symptomatik:
Bei immunkompetenten Personen meist unbemerkter, asymptomatischer Verlauf. Grippeähnliche Symptome, Lymphadenitis, Chororetinitis sind möglich. Immunsupprimierte Patienten können an einer Enzephalitis, seltener Meningoenzephalitis erkranken. Spätfolgen sind dann nicht selten. Gefährlich ist eine Erstinfektion einer Mutter in der Schwangerschaft (bei einer Zweitinfektion ist der Embryo oder Fötus durch die Immunreaktion der Mutter geschützt). Die Transmission steigt in der Schwangerschaft an (15% im ersten Trimenon, 60% im letzten Trimesters). Ein konnatal infiziertes Kind wird zu 90% klinisch gesund geboren. Erst nach Monaten oder Jahren können Entwicklungsschäden (geistige Retardierung, Retinochoroiditis) entstehen. Die klassische Trias: Retinochoroiditis, Hydrozephalus und intrazerebrale Verkalkungen entsteht bei etwa 2% der Fälle.
Diagnostik:
PCR: Methode der Wahl bei akutem Infektionsverdacht, aber ein negativer Befund schließt eine zurückliegende Infektion nicht aus (daher ungeeignet zur postnatalen Diagnostik). Eine serologische Diagnostik bleibt daher zusätzlich unverzichtbar: AK-(IgG)-Suchtest und falls positiv der AK-(IgM)-Test. Beurteilung: IgG (niedrig) / IgM (niedrig) = inaktive, zurückliegende Infektion; IgG (hoch) / IgM (niedrig) = abklingende Infektion; IgG (hoch) / IgM (hoch) = kürzlich erfolgte Infektion; IgG (niedrig) / IgM (hoch) = akute Infektion.
Differentialdiagnose:
Andere grippeähnliche oder zu Enzephalitis, Chororetinitis führende Infektionen.
Therapie:
Störung des Folsäure- oder Proteinstoffwechsels der Tachyzoiten durch Pyrimethamin mit Sulfadiazin (alternativ Clindamyzin oder Tetrazykline).
Prophylaxe:
Rohes und nicht durchgegartes Fleisch meiden (insb. in der Schwangerschaft), Hände waschen, auf Küchenhygiene achten oder falls diese nicht beurteilbar ist, mit Rohkost zurückhaltend sein.
Immunität:
Lebenslang. Bei einer Schwangerschaft muss der Immunstatus überprüft werden, damit im Zweifel eine sofortige Diagnostik oder ggf. Therapie eingeleitet werden kann.
Gesetzliche Regelungen:
Nach §7 Abs. 3 IfSG besteht eine nichtnamentliche Meldepflicht bei konnatalen Infektionen direkt an das RKI.

RMZ, 13.11.2012



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