Fachinformationen - Strongyloidiasis


Strongyloidiasis (Zwergfadenwurmerkrankung)

Erreger:

Strongyloides spez. (Helminthen, Nematoda)
Verbreitung:
S.stercoralis: weltweit, hauptsächlich in feuchtwarme Gebieten, S.fuelleborni: Afrika
Infektionsweg:
Perkutanes Eindringen der freilebenden, filariformen Larven. Eine Autoinfektion durch bereits im Darmlumen ausgereifte Larven, die dann die Perianalhaut durchdringen, ist möglich. Bei immungeschwächten Individuen kann es durch die Darmwand zur Larveneinwanderung und damit zu einer Hyperinfektion (interne Autoinfektion) kommen. Die in den Körper eingedrungenen Larven gelangen hämatogen in die Lunge. Während ihres Reifungsprozesses wandern die Larven durch die Alveolen, über das Bronchialsystem nach oben, um dann verschluckt zu werden. Im Dünndarm entwickeln sich dann die ausgesprochen langlebigen adulten Würmer. Die Präpatenzzeit beträgt zwischen 3 und 5 Wochen. Als besondere Eigenschaft bei Strongyloides können sich die ausgeschiedenen Larven im feuchtwarmen Klima zu freilebenden geschlechtsreifen Würmern entwickeln. Das Hauptreservoir für S.stercoralis ist der Mensch, es können jedoch auch Affen und Hunde infiziert werden. Von Infektionen mit S.fuelleborni sind v.a. Affen betroffen, seltener der Mensch.
Inkubationszeit:
Bis zum Auftreten der pulmonalen Symptomatik ca. 1 Woche, bis zum Auftreten der abdominellen Symptomatik ca. 3-4 Wochen
Symptomatik:
Bei einem Teil der Patienten entwickelt sich vorübergehend an der Eintrittsstelle der Larve eine juckende Dermatitis. Bisweilen kann ein Larva migrans externa-Syndrom beobachtet werden (häufiger bei Strongyloides-Arten von Tieren). Eine sogenannte Larva currens mit hoher Migrationsgeschwindigkeit kann bei perianaler Autoinfektion auftreten. Zum Zeitpunkt der Lungenpassage werden häufig bronchitische Symptome, Husten und bisweilen Hämoptoe beklagt. Gastrointestinale Symptome (hervorgerufen durch die Schleimhautirritation durch adulte Weibchen) sind vor allem epigastrische Schmerzen, Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung. Chronische Infektionen können völlig symptomlos verlaufen oder bei massivem Wurmbefall auch zu einem Wasting-Syndrom oder schwerer pulmonaler Symptomatik führen. Die schweren Krankheitsverläufe, die unbehandelt auch zum Tode führen können, werden vor allem, aber nicht ausschließlich, bei immungeschwächten Individuen beobachtet. Durch Auto- und Hyperinfektion kann es bei diesen Patienten (z.B. bei fortgeschrittener HIV-assoziierter Erkrankung) zu einem sehr starken Wurmbefall kommen. Die Larven durchwandern den gesamten Körper und können in allen Organen (auch ZNS) nachgewiesen werden. Bei diesen Patienten kommt es häufig sekundär zum Auftreten einer gramnegativen Sepsis.
Diagnostik:
Nachweis der mobilen Larven im frisch abgesetzten Stuhl, meist ist die Untersuchung mehrerer Stuhlproben notwendig. Im Duodenalsekret können Eier und Larven nachweisbar sein. Hypereosinophilie. Nachweis von spezifischen Antikörpern.
Differentialdiagnose:
Akute Trichinosen, Filariosen, Ancylostoma duodenalis (Ähnlichkeit der ausgeschiedenen Eier)
Therapie:
Thiabendazol, Albendazol, bei massivem Befall Ivermectin. Es können mehrere Therapiezyklen notwendig sein.
Prophylaxe, Immunität:
In Endemiegebieten sollten feste Schuhe getragen werden. Hygienische Maßnahmen, um die Verbreitung der Larven zu vermeiden. Nach durchgemachter Infektion entwickelt sich eine vorübergehende Teilimmunität, die an einer Begrenzung von Autoinfektionen beteiligt sein dürfte. Bei immungeschwächten Patienten kann es zu einer generalisierten massiven Infektion kommen.
Gesetzliche Regelungen:
Es besteht keine Meldepflicht nach IfSG.

RMZ, 20.01.2012



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