Fachinformationen - Shigellosis


Shigellosis (Bakterielle Ruhr)

Bildquelle: Werner Schönherr

Erreger:

Shigellen (S. dysenteriae, S. flexneri, S. boydii, S. sonnei) (gramnegative, unbewegliche, teilweise toxinbildende Stäbchen, Familie der Enterobakterien). Die Fähigkeit, in das Darmepithel einzudringen, ist plasmidkodiert.
Verbreitung:
Shigellen sind weltweit verbreitet. In Europa zeigt die Infektion einen Gipfel im Sommer und Frühherbst. Kinder sind besonders häufig betroffen In Deutschland sind hauptsächlich Infektionen durch S. sonnei und S. flexneri von Bedeutung, beide Spezies führen überwiegend zu leichteren Erkrankungen, die aber hochakut beginnen und sehr infektiös sein können. Ein großer Teil der Shigellosen wird heute fast ausschließlich von Reisenden importiert (u.a. aus Tunesien, Dominikanische Republik, Türkei, Jugoslawien, asiatische Länder)
Infektionsweg:
Die Übertragung erfolgt durch fäkal-orale Schmierinfektion, meist durch Kontamination von Lebensmitteln (u.a. Milchprodukte), seltener durch direkten Kontakt mit Patienten oder asymptomatischen Trägern. Mangelnde Hygiene sowie Fliegen spielen eine große Rolle bei der Verbreitung.
Inkubationszeit:
1 – 3 Tage
Symptomatik:
Die Erkrankung beginnt plötzlich mit Leibschmerzen, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Tenesmen und Durchfällen. Diese sind aufgrund der Gewebeinvasion des Erregers typischerweise blutig, schleimig-eitrig. Es können aber auch eher wäßrige Durchfälle auftreten. Die Verlaufsformen der Erkrankung können sehr unterschiedlich sein. Die Infektion ist in der Regel auf das Kolon beschränkt. In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen kommen, wie Krampfanfälle (v.a. bei Kindern), hämolytisch-urämisches Syndrom, Infektarthritiden, Reiter-Syndrom. Die unkomplizierte Erkrankung endet nach ca, 1 Woche, komplizierte Fälle sind allerdings mit einer Letalität bis zu 20% behaftet.
Diagnostik:
Die Diagnose erfolgt durch die bakteriologische Untersuchung aus Stuhlproben oder frisch entnommene Rektalabstriche.
Differentialdiagnose:
Andere Darminfektionen, u.a. durch Campylobacter, Escherichia coli, Rotaviren, Adenoviren, Entamoeba histolytica
Therapie:
Die Therapie erfolgt in der Regel symptomatisch, Antibiose nur bei schweren Verläufen.
Prophylaxe:
Nahrungsmittelhygiene, Fliegenbekämpfung
Gesetzliche Regelungen:
Nach §7, Abs.1 IfSG besteht Meldepflicht für den direkten oder indirekten Erregernachweis.

RMZ, 14.08.2013



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