Fachinformationen - Polyoma Virus


Polyoma Virus

Erreger:

Polyomavirus BK und JC; Familie Polyomaviridae, Doppelstrang-DNA-Viren
Verbreitung:
Polyomavirusinfektionen sind weltweit verbreitet. Der Mensch ist der natürliche Wirt für zwei Polyomaviren, BK Virus und JC Virus, die nach den Initialen der Patienten benannt wurden, aus deren Proben sie vor etwa 30 Jahren erstmals isoliert wurden. Etwa 80 Prozent der erwachsenen Bevölkerung haben asymptomatische Infektionen mit beiden Polyomaviren durchgemacht. Polyomaviren verbleiben lebenslang im Körper. Hauptlokalisation der latenten Infektion sind die Nieren und ableitenden Harnwege.
Infektionsweg:
Der Übertragungsweg ist nicht abschließend geklärt, aber man geht von einer Tröpfchen- oder Schmierinfektion aus. Weltweites Vorkommen in städtischen Abwässern.
Inkubationszeit:
Ausgehend von den Nieren und ableitenden Harnwegen kommt es bei 1-20% der gesunden Erwachsenen zu einer spontanen Zunahme der Virusvermehrung mit nachfolgend symptomloser Ausscheidung in den Urin. In der Schwangerschaft oder bei höherem Lebensalter nimmt die Virusausscheidung zu und könnte somit Ausdruck von Änderungen der Abwehrlage sein. Bei ausgeprägter Schwäche des Immunsystems können Polyomaviren zu schweren Erkrankungen führen.
Symptomatik:
Das BK Virus kann u.a. zu einer Nephropathie, Stenose der Ureteren sowie einer hämorrhagischen Zystitis führen. Das JC Virus verursacht die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML), eine meist tödliche Gehirnerkrankung. Diese Erkrankung tritt bei etwa 5% der HIV-Patienten mit fortgeschrittener Immunschwäche auf. Sie ist nach Organtransplantation möglich, aber sehr selten.
Diagnostik:
Die Urinzytologie ist ein praktikables Verfahren zum
„Screening“ von nierentransplantierten Patienten. Bei Patienten mit
virusinfizierten „Decoy-Zellen“ sollte die BK Virämie im Plasma gesucht und im positiven Fall quantifiziert werden. Die BK Virämie stellt somit einen wertvollen Marker für frühe Diagnose und Verlauf der BK Virus Nephropathie dar.
Differentialdiagnose:
Abstossungsreaktion (bei Nierentransplantierten)
Therapie:
Eine spezifische antivirale Behandlung existiert derzeit nicht; experimentelle Therapien mit Cidofovir. Die wichtigste Maßnahme ist eine Reduktion der Immunsuppression, um eine verbesserte Kontrolle des BK Virus durch das Immunsystem des Menschen zu erreichen.
Gesetzliche Regelungen:
Keine Meldepflicht

RMZ, 19.01.2012



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