Fachinformationen - Trinkwasser


Wasser und Ernährung

Leitungswasser hat in vielen Ländern keine Trinkwasserqualität. Wasserquellen und Tanks können von Krankheitserregern besiedelt sein. Außerdem funktionieren die Trinkwasseraufbereitung und das Leitungsnetz nicht immer. Wasser, das aus Brunnen, aus fließenden oder gar stehenden Oberflächengewässern geschöpft wird, ist oft noch gefährlicher. Kommerziell abgefülltes Wasser und in Flaschen abgefüllte Getränke sind normalerweise in Ordnung. Hierbei sollten Reisende darauf achten, dass die Flaschen in ihrer Gegenwart geöffnet werden.

Bildquelle: Simona Himmel

Wasseraufbereitung durch Filter

Mit feinporigen keramischen Kerzenfiltern (z.B. Berkefeld-Filter®) lassen sich die meisten Krankheitserreger aus dem Wasser entfernen, allerdings werden Viren (z.B. Erreger der Polio und der Hepatitis A) durch diese Filter nicht zurückgehalten. Man unterscheidet  Aufgussfilter, Filter zum Anschluss an eine Wasserleitung und Expeditionsfilter mit Handpumpe. Die Methode ist nur sicher, wenn die Filterelemente intakt sind, also keine Risse aufweisen und regelmäßig sorgfältig gereinigt werden. Filterkerzen beispielsweise müssen wöchentlich mit einer festen Bürste gescheuert und anschließend ausgekocht werden.

Ohne entsprechende Pflege können sich Erreger in den Filterkerzen vermehren  und diese durchdringen.  Eine Alternative zu den  üblichen Keramikfiltern sind  Wasserfilter,  die Krankheitserreger durch Freisetzung von Silberionen abtöten (Katadyn-Filter®, Berkefeld-S-Filter®). Filter mit bakteriziden Eigenschaften sind erheblich teurer, müssen aber seltener ausgekocht werden (etwa alle vier Wochen). Die verbreitet angebotenen Brita-Filter® entziehen dem Wasser nur Mineralstoffe. Sie sind zur Herstellung sicheren Trinkwassers ungeeignet. Das Filtrieren von Wasser durch Ziegenleder (Fensterleder) ist nur zur Grobreinigung und nicht zum Infektionsschutz geeignet.

Wasseraufbereitung durch Kochen

Wasser, das einige Minuten sprudelnd gekocht hat, kann unbesorgt getrunken werden. Da der Dampfdruck von der Höhe über dem Meeresspiegel abhängt, kocht Wasser in größeren Höhen bereits bei weit unter 100°C. Hier empfiehlt sich die Benutzung eines Dampfkochtopfes, wodurch auch Brennmaterial gespart wird. Da beim Kochen gelöste Gase aus dem Wasser entweichen, hat abgekochtes Wasser einen faden Geschmack. Der Geschmack des Wassers lässt sich verbessern, wenn man den verschließbaren Vorratsbehälter nur zu etwa drei Viertel füllt. Während der Aufbewahrung im Kühlschrank lösen sich dann aus der überstehenden Luft wieder Gase im Wasser. Durch den Zusatz von etwas Salz oder Zitronensaft lässt sich der Geschmack noch weiter verbessern. Alle Vorratsbehälter müssen sauber, d.h. heiß ausgespült oder (besser) ausgekocht sein.

Bildquelle: Simona Himmel

Chemische Behandlung zur Wasseraufbereitung

Dieses Verfahren empfiehlt sich nur in Ausnahmefällen, wenn es nicht möglich ist, Wasser abzukochen oder zu filtern. Dabei ist zu beachten, dass nur optisch klares Wasser durch chemische Mittel keimfrei gemacht werden kann. Vor ihrer Anwendung sollte man sich Gewissheit über das Verhältnis von Chemikalien- zu Wassermenge und die erforderliche Einwirkzeit verschaffen. Chlor (z.B. in Chlorina® oder Chlorbleiche enthalten) ist ein wirkungsvolles Mittel, sauberes Wasser keimfrei zu machen.

Die Konzentration an freiem Chlor soll 0,2 bis 0,5 mg pro Liter betragen. Die Einwirkzeit beträgt etwa 30 Minuten. Allerdings werden Zysten (widerstandsfähige Dauerformen von Amöben oder Lamblien) durch Chlor nicht unschädlich gemacht. Jod wird nicht empfohlen, da es häufig allergische Reaktionen auslöst und Personen mit Schilddrüsenerkrankungen gefährdet. Silber (z.B. in Micropur® enthalten) wirkt ähnlich wie Chlor.

Allgemeine Hinweise

Ein Kühlschrank ist kein Sterilisator. Viele Keime und besonders Zysten sind kältestabil. Weder Alkohol noch Kälte machen Wasser keimfrei, daher sollten auch Mixgetränke wie Longdrinks und die notwendigen Eiswürfel nur mit aufbereitetem Wasser hergestellt werden. Es ist meist sicherer, aus der (frisch geöffneten) Flasche zu trinken als aus einem unsauberen Glas oder Becher. Tee ist ein Getränk, das dem Tropenklima angepasst ist. Es ist eine gute Idee, um Tee (oder Kaffee) zu bitten, wenn auf dem Land ein Getränk angeboten wird. Das verwendete Wasser wird in der Regel abgekocht sein. Zum Zähneputzen kann das zum Trinken aufbereitete Wasser benutzt werden oder Zahnseide, wenn das Wasser knapp ist. Waschwasser (aus Wasserleitung, Brunnen, etc.) erfordert m. E. keine gesonderte Sterilisation.
 


Bildquelle: BNI / BW


Ernährung auf Reisen

In den meisten Ländern ist es möglich, sich ausgewogen zu ernähren: Die Nahrung sollte Eiweiß (Hülsenfrüchte, Fleisch, Fisch, Eier, Käse und Milch), Kohlenhydrate (Mehl, Zucker, Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln), Ballaststoffe, Vitamine, Mineralien (Gemüse und Früchte) und wenig Fette enthalten.

Aus religiösen Gründen (z.B. rituelles Verbot, Schweinefleisch zu essen) ist das Angebot an Fleisch manchmal begrenzt. Fleisch und Wurstwaren müssen immer gut durchgebraten, sorgfältig geräuchert oder gekocht sein. Wenn Eiweiß aus tierischen Quellen nicht erhältlich ist, kann der Bedarf durch Bohnen, Erbsen, Linsen und Nüsse gedeckt werden. So kann auf tierische Eiweißprodukte über längere Zeiträume problemlos verzichtet werden. Auch bei Fisch, Früchten und Gemüse kann es saisonal oder regional zu Engpässen kommen.

Milch und Käse sind ausgezeichnete Nährböden für zahlreiche Krankheitserreger (z.B. Rindertuberkulose und Durchfallerkrankungen). Daher muss Milch, die nicht bereits sterilisiert oder pasteurisiert gekauft wurde, abgekocht und dann im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Der Kauf von lokal hergestellten Fetten und Ölen ist oft riskant. Wenn kein industriell hergestelltes Speiseöl erhältlich ist, sollte man die Leute kennen, von denen man Öl kauft. Der Verzehr von gepanschtem Öl kann zu schweren Erkrankungen mit dem Risiko bleibender Nervenschäden führen.

Außerordentlich bereichernd für jede Küche sind die Kohlenhydrate, die u.a. in der Vielfalt tropischer Gemüse und Früchte reichlich enthalten sind. Wenn Reisende selbst kochen, bietet es sich an, Kenntnisse der lokalen Küche zu erwerben. So kann beispielsweise gelernt werden, wie man Kassava richtig zubereitet, ohne sich durch die lebensbedrohlichen Mengen von Blausäure in der Frucht zu vergiften.

Die alte Regel zur Behandlung von Obst und Gemüse lautet: „Peel it, boil it, cook it or forget it!“ („Schälen, kochen oder vergessen!“). Außerhalb der Industrienationen ist die Düngung von Gemüsepflanzen mit menschlichen oder tierischen Ausscheidungen weit verbreitet. Transport, Verkauf und Verarbeitung erfolgen häufig unter fragwürdigen hygienischen Bedingungen. Zur Keimreduzierung kann man Obst und Gemüse, soweit es nicht geschält oder gekocht werden kann, nach sorgfältigem Waschen und Schrubben mit einer Bürste eine halbe Minute in kochendes Wasser legen und danach mit sauberem Wasser abspülen. Auch kurzes Einlegen in entsprechend verdünnte Chlorbleiche ist möglich.

Die noch immer empfohlene „rosa“ Kaliumpermanganatlösung ist nicht ausreichend wirksam. Vom Gebrauch von Jodlösung wird wegen der Gefahr von Nebenwirkungen bei versehentlicher Fehldosierung abgeraten. Nicht nur Krankheitserreger können die Gesundheit beim Verzehr von Obst und Gemüse gefährden. In einigen Ländern sind noch Pflanzenschutzmittel im Gebrauch, die hierzulande seit Langem verboten sind. Man muss damit rechnen, dass pflanzliche Nahrungsmittel mit derartigen Fungiziden, Herbiziden und Insektiziden behaftet sind.

Vorsicht ist geboten beim Verzehr von Nahrungsmitteln, die nicht frisch zubereitet sind. Dies gilt besonders für Speisen auf kalten Büffets, Eierspeisen, Pasteten, Hackfleisch, alle mit Mayonnaise zubereiteten Speisen, aber auch für Speiseeis und Pudding: Diese Speisen können leicht mit Erregern von Typhus, Paratyphus, Amobiasis u.a. kontaminiert sein.

Wer Nahrungsmittel in Dosen kauft, sollte darauf achten, dass sie nicht aufgetrieben oder eingedrückt sind. Im ersten Fall kann der Doseninhalt mit Gas bildenden Bakterien besiedelt sein. Gleiches gilt, wenn beim Einsetzen des Dosenöffners zischend Gas entweicht. Bei eingedellten Dosen kann die innere Schutzschicht zwischen Blech und Doseninhalt verletzt sein. Der Inhalt einer Dose kann aber nicht allein durch Betrachten oder Beriechen als sicher klassifiziert werden. Auffälliger Geruch oder ungewöhnliche Farbveränderungen sollten jedoch in jedem Fall zum Verzicht auf Verzehr führen.

Bildquelle: Werner Schönherr

Verzehr von Meerestieren

Die Gifte (Toxine) bestimmter Algenarten können in Muscheln, Schalentieren oder Fischen angereichert und mit der Mahlzeit vom Menschen aufgenommen werden. In leichten Fällen kommt es zu Magen-Darm-Problemen, in schweren Fällen zu neurologischen Erscheinungen bis hin zu Lähmungen und Atemversagen. Nach Algenblüten im Meer, so genannte Red Tides, wächst das Risiko für diese Art von Vergiftungen. Die Toxine werden durch Kochen nicht zerstört. Die lokalen Strände sind dann zum Baden und Muscheln sammeln gesperrt. Bitte beachten Sie örtliche Warnschilder!

Ein weiteres Problem für Fischesser in der Karibik, Pazifikregion und Australien ist die Ciguateravergiftung. Sie kann im Prinzip überall dort vorkommen, wo tropischen Küsten Korallenriffe vorgelagert sind. Hitzestabile Gifte bestimmter Algenarten können sich insbesondere in Riffraubfischen (z.B. Barracudas) anreichern und bei deren Verzehr zu Krankheitserscheinungen führen. Typischerweise klagen Betroffene neben Magen-Darm-Beschwerden über ein gestörtes Kalt-Warm-Empfinden, das zum Teil als sehr quälend empfunden wird und Monate anhalten kann. Zur Verkürzung dieses Krankheitsbilds wird als einzige mögliche Sofortmaßnahme die Gabe einer zuckerhaltigen Infusion (Mannitol 20 Prozent) im akuten Stadium diskutiert. Erkundigen Sie sich vor Ort über ein möglicherweise bestehendes lokales Ciguatera- Problem. Im Zweifel sollten Sie auf entsprechende Gerichte mit Raubfischen verzichten.

Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern

Für Säuglinge bis einschließlich des sechsten Lebensmonats ist das Stillen die beste und sicherste Nahrungsquelle.

Künstliche Säuglingsnahrungen sollten gemäß Vorschrift immer nur mit abgekochtem Wasser (oder Milch) und unter strengem Hygienestandard hergestellt werden. Die Benutzung von Flaschen und Trinkschnullern erfordert ein hohes Maß an Gründlichkeit beim Säubern. Auf Schnuller sollte, wenn möglich, verzichtet werden. Es ist günstig nach dem 6. Lebensmonat möglichst rasch von der Brust auf das Trinken aus Schnabeltassen und Breikost umzustellen.
 

 Literatur

MG, 23.10.2012



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