Fachinformationen - Noroviren


Noroviren

Bildquelle: Karoline Bloch

Erreger:

Norovirus (früher Norwalk-Like-Virus) NV, Familie Calciviridae


Verbreitung:
Noroviren sind weltweit verbreitet. Sie gelten heute neben Rotaviren als die häufigsten Verursacher nicht bakterieller Gastroenteritiden (Magen-Darm-Grippe). In den letzten Jahren haben sich überall in Europa und auch in Nordamerika regelmäßig, vorwiegend in den Wintermonaten Ausbrüche von Gastroenteritis ereignet, die auf Noroviren zurückgeführt wurden. Sie verursachten einen grossen Anteil aller Infektionskrankheiten des Verdauungssystems. Infektionen kommen in allen Altersgruppen vor. Typischerweise verursachen Noroviren Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen, wie Kindergärten, Schulen und Altersheimen.


Infektionsweg:
Der Hauptübertragungsweg verläuft über infizierte Nahrungsmittel. Da der Mensch als einziger Träger der Krankheit bekannt ist, werden die Infektionen immer direkt oder indirekt von Mensch zu Mensch übertragen.
Noroviren sind sehr ansteckend. Durch die leichte Übertragung des Virus treten Erkrankungen typischerweise gehäuft auf. Die Erreger sind im Stuhl und Erbrochenen von infizierten Personen vorhanden. Die Erkrankten scheiden den Erreger während der akuten Erkrankungsphase und mindestens zwei bis drei Tage danach mit dem Stuhl aus und können ihn in dieser Phase auch auf andere Personen übertragen. Außerhalb des Menschen kann der Erreger bis zu zwölf Tagen infektiös sein.
Die Infektion erfolgt über den Mund. Folgende Übertragungswege sind bekannt:
Direkter Kontakt mit einer infizierten Person ( über verunreinigte Hände oder bei Pflege von erkrankten Personen)
Kontakt mit in der Luft schwebenden feinen Tröpfchen nach Erbrechen. Insbesondere durch das “explosionsartige” Erbrechen werden feine Tröpchennebel gebildet, die von nahestehenden Personen eingeatmet werden können
Kontakt mit Oberflächen oder Gegenständen, die mit Noroviren verunreinigt sind (z. B. Seifen!)
Essen oder Trinken von Lebensmitteln, die von infizierten Personen mit Noroviren verunreinigt wurden


Inkubationszeit:
In der Regel 10 bis 60 Stunden


Symptomatik:
Die Beschwerden sind Erbrechen (oft explosionsartig) und zum Teil starker Durchfall, häufig begleitet von Übelkeit, Bauchschmerzen mit Krämpfen, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen. In einzelnen Fällen kann Fieber auftreten. Oft setzt die Erkrankung sehr plötzlich mit explosionsartigem Erbrechen ein. Üblicherweise dauert die Erkrankung nur ein bis zwei Tage und klingt dann wieder ab. Sie verläuft in der Regel gutartig, aber manchmal auch heftig. Folgende Merkmale sind bei Infektionen mit Novoviren typisch:

Eine Infektion mit Novoviren verläuft bei gesunden Menschen mit funktionstüchtigem Immunsystem in der Regel selbstbegrenzend und moderat ab. Die Erkrankung kann durch Erbrechen und Durchfall zu Dehydration (Wasserverlust) und zur Störung der Zusammensetzung der Blutsalze (Elektrolytstörung) führen. Bei Risikopersonen, wie z. B. bei betagten Personen mit schlechtem Gesundheitszustand, sind dann schwere Krankheitsverläufe, selten auch mit Todesfolge, möglich.


Diagnostik:
RNS Nachweis mittels Nukleinsäureamplifikation (RT-PCR, sehr sensitiv und auch spezifisch) oder Antigennachweis (Enzymimmunoassay/EIA) direkt aus dem Stuhl


Differentialdiagnose:
Andere Erreger von akuten Durchfallerkrankungen, insbesondere Rota-Viren


Therapie:
Gegenwärtig sind keine antiviralen Medikamente für eine ursächliche Behandlung verfügbar. Antibiotika sind wirkungslos. Die Therapie erfolgt rein symptomatisch und beschränkt sich auf den Ausgleich des Flüssigkeits- und Mineralsalzverlusts. Deshalb sollten Erkrankte vor allem viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Salze für Elektrolytersatzlösungen können in Apotheken in Pulverform gekauft, oder selbst zubereitet werden: Wasser oder Tee so mit Kochsalz vermischen, das der Geschmack der Tränenflüssigkeit entspricht (etwa 1 Teelöffel Salz pro Liter), und anreichern mit Zucker oder Honig, um das Trinken und die Aufnahme der Salze im Darm zu erleichtern. Die Isolierung der Erkrankten ist zur Verhinderung der weiteren Erkrankung wichtig, ebenso strenge Hygieneregel in der Pflege der Betroffenen.

Bildquelle: Karoline Bloch/ Simona Himmel


Prophylaxe, Immunität:
Generell ist eine gute Händehygiene sehr wichtig: gründliches Waschen mit Seife und optimalerweise die Nutzung eines Desinfektionsmittels. Außerdem müssen Gegenstände und Oberflächen, die mit Stuhl oder Erbrochenem in Kontakt gekommen sind, sachgerecht gereinigt und anschließend desinfiziert werden. Genussfertige Lebensmittel, etwa Obstschalen, Knabberartikel o. ä . sind aus dem Umfeld des Patienten zu entfernen. Kleidung und Bettwäsche ist als infektiös zu betrachten und entsprechend zu reinigen (über 60 Grad). Kann die Wäsche nur mit niedrigeren Temperaturen gewaschen werden, so ist diese 14 Tage sicher und ohne Zugriff zu lagern, um so eine Entkeimung zu gewährleisten. Während des Erbrechens des Patienten sollten Hilfspersonen Abstand wahren, um eine Tröpfcheninfektion zu vermeiden, oder einen Mundschutz tragen (Schutzstufe FFP2). Die Novoviren sind außerordentlich widerstandsfähig gegen herkömmliche, insbesondere Desinfektionsmittel. Es ist darauf zu achten ein für die Virusdesinfektion geeignetes Desinfektionsmittel zu verwenden. Höchste Ansteckungsfähigkeit besteht während der akuten Erkrankung und etwa 48 Stunden nach Abklingen der Symptome. Erkrankte Personen sollten noch mindestens zwei bis drei Tage nach Abklingen der Symptome nicht zur Arbeit (oder Schule, Kindergarten) gehen und den Kontakt mit anderen Personen meiden. Ebenso sollten erkrankte Personen keine Lebensmittel zubereiten und nach Abklingen der Symptome noch für mindestens zwei bis drei Tage eine verstärkte Händehygiene pflegen. Ein Impfstoff steht noch nicht zur Verfügung.

Bildquelle: Karoline Bloch/ Simona Himmel


Gesetzliche Regelungen:
in Deutschland meldepflichtig

RMZ, 22.10.2012



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