Fachinformationen - Melioidose


Melioidosis

Erreger:

Burkholderia pseudomallei ist ein gramnegatives Stäbchen.

Das Bakterium vermehrt sich ungleichmäßig verteilt, mit örtlicher Häufung im Ökosystem von Reisfeldern. Seine Fähigkeit in Zellstrukturen einzudringen, erklärt sich z.T. aus dem Zusammenleben mit Protozoen seines natürlichen Umfeldes.

Verbreitung:
Überwiegend Südostasien, seltener im tropischen Nord-Australien (Parameswaran 2012)

Infektionsweg:
Der Kontakt erfolgt über kontaminiertes Wasser oder Erdreich (z.B. Reisfelder).

Reisfeld, Bildquelle: Prof. Büttner BNI

Krankheitsfälle treten häufig nach Überschwemmung aufgrund starken Regens auf. Auch nach Überflutungen aufgrund des Tsunami 2009 kam es in Thailand zu Infektionen. Der Erreger dringt über kleinste Hautläsionen ein. Auch Inhalation oder Ingestion von kontaminiertem Staub sind mögliche Übertragungswege.

Inkubationszeit:
Sehr unterschiedlich: zwei Tage bis mehrere Jahre

Symptomatik:
Oft verläuft die Infektion völlig asymptomatisch. Die Seroprävalenz in Endemiegebieten liegt bei 6-20%. Die Symptomatik reicht von milden chronischen Erkrankungen bis zu akuten, fulminanten Verläufen. Prädisponierend für das Auftreten von Krankheitserscheinungen sind vorbestehende Erkrankungen wie Diabetes, Nierenerkrankungen, Leberzirrhose (z.B. aufgrund von Alkohol oder Kava-Konsum), Thalassemie, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, immunsuppressive Therapie u.a. Von schweren Verläufen sind meist Erwachsene und nur selten vor der Infektion gesunde Personen betroffen.

Da sich eine symptomatische Erkrankung auch noch Jahre nach dem eigentlichen Kontakt mit dem Erreger erstmals manifestieren kann, wird die Melioidose auch „Zeitbomben-Krankheit“ genannt. Nach Eindringen des Erregers über eine Hautläsion kann sich ein kleiner Knoten in der Haut mit Lymphangitis und Lymphadenopathie der regionalen Lymphknoten ausbilden. Die Patienten sind febril und fühlen sich krank. Aus dieser lokalisierten Infektion kann sich rasch in eine generalisierte, septikämische Form entwickeln.  Es kommt zur Ausbildung multipler Abszesse am ganzen Körper sowie zu einem Befall der Lunge. Es besteht dann hohes Fieber, die Patienten sind somnolent und tachy- und dyspnoisch. Aus diesem schwerem Krankheitszustand kann sich eine generalisierte Sepsis entwickeln, die rasch zum Tode führt.

Auch bei intensiver Therapie besteht bei der septikämischen Form eine hohe Letalität, u.a. aufgrund schwerer Fehlreaktionen des Immunsystems (Panomket 2012).

Bei der Inhalation des Erregers kommt es primär zur Ausbildung einer Pneumonie mit ebenso ausgeprägter Kavernenbildung.

Auch chronische, meist afebrile Verläufe mit sekundärer Abszeßbildung wurden beschrieben, wobei alle Organe betroffen sein können.

Diagnostik:
Nachweis des Erregers aus Wundabstrichen, Sputum oder Blut mittels Mikroskopie (Gramfärbung) oder Anzucht. Serologische Nachweismethoden sind bei symptomatischen Patienten mit Erregernachweis zu 60-70% positiv. Eine Anamnese ist aufgrund der möglicherweise sehr langen Inkubationszeit schwer zu erheben.

Differentialdiagnose:
Sepsis, Typhus abdominalis, Pest, Tuberkulose, Malaria

Therapie:
u.a. Ceftazidim oder Carbapenem (Vergleich von Therapiestudien: Tolaney 2008)

Prophylaxe, Immunität:
Eine spezifische Prophylaxe ist nicht möglich. In Endemiegebieten sollten Hautwunden sorgfältig gereinigt und desinfiziert werden. Bei latent infizierten Personen ist ein Ausbrechen der Symptomatik möglich, insbesondere beim Bestehen systemischer Erkrankungen, die zu einer Immunschwäche führen.

Da die Melioidose verursachenden Bakterein bioterroristisch eingesetzt werden könnten (Tolaney 2008), wird intensiv an der Impfstoffentwicklung gearbeitet (Peacock 2012)

Gesetzliche Regelungen:

Literatur:

Übersicht Infektion bei Reisenden

Quelle: Berger SA: Melioidosis and Glanders: Global Status, 2012. 39 pages, 9 graphs, 536 references. Gideon, zitiert aus Promed 09.10.2012

It has been estimated that 225 000 seropositive [for melioidosis] Army personnel returned from Viet Nam during the 1960s and 1970s, and may still be at risk for reactivation. 2 per cent of Australian, New Zealand, and British soldiers serving in West Malaysia were found to be seropositive (1976 publication).

 

HEF, 06.05.2013



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