Fachinformationen - Mediterranes Fleckfieber (Zeckenbiss-Fieber)


Mediterranes Fleckfieber, Zeckenbissfieber, Fièvre boutonneuse, Marseilles Fieber, Afrikanischer Zeckentyphus


Erreger:

Rickettsia conorii (kleine, obligat intrazelluläre, pleomorphe, kokkoide Mikroorganismen, Familie der Rickettsiaceae)


Verbreitung:
Mittelmeerländer, weitverbreitet in Afrika und Indien, Mittelmeerländer, Regionen des Schwarzen und Kaspischen Meeres., Einschleppung durch Hunde möglich, die auf Reisen in Endemiegebiete mitgenommen werden.


Infektionsweg:
Übertragung durch Zecken. Innerhalb von Zeckenpopulationen transovarielle Übertragung auf die nächste Generation. Weitere Erregerreservoire: Nagetiere und Hunde.


Inkubationszeit:
5,9 +/- 1,5 Tage


Symptomatik:
Bei etwa 70% der Betroffenen bildet sich ein kleines Ulkus mit schwärzlichem Grund (tache noire) und deutlichem roten Hof an der Stelle des Zeckenbisses. Die regionalen Lymphknoten sind geschwollen. Das klinische Bild ähnelt dem des RMSF, der Verlauf jedoch ist meist deutlich milder. Neben hohem Fieber leiden die Patienten an Kopf- und Gliederschmerzen sowie teilweise in Verbindung mit Übelkeit und Erbrechen. Am 4.-5. Krankheitstag entsteht bei nahezu allen Patienten ein sich vom Stamm zentrifugal ausbreitendes, makulopapulöses Exanthem. Auch Hand- und Fußflächen sind betroffen. Das Exanthem persistiert ca. 5-7 Tage, teilweise entwickeln sich auf der Basis einer Vaskulitis schwere Hautnekrosen. Ein Großteil der Patienten entfiebert nach wenigen Tagen bis 2 Wochen. Unbehandelt kann es zu Gefäßläsionen, zu einer Meningoenzephalitis sowie zu schweren Schädigungen des Gastrointestinaltraktes und der Nieren kommen. Die Letalität der unbehandelten Erkrankung liegt bei ca. 1-6%. Eine deutlich höhere Sterblichkeitsrate findet sich bei Älteren oder Patienten mit Alkoholkrankheit oder G6PD-Mangel.


Diagnostik:
Klinisch-anamnestisch. Ferner können ab der 2. Krankheitswoche spezifische Antikörper serologisch nachgewiesen werden. Kreuzreaktionen mit Proteus spez. und Legionella sind möglich. Erregernachweis aus dem Blut nach Anzucht auf humanen Fibroblastenkulturen oder direkt aus Hautbiopsien mittels IF kann angestrebt werden.


Differentialdiagnose:
Meningokokkenmeningitis, Masern, Infektion mit Enteroviren, Typhus abdominalis, Q-Fieber, Murines Fleckfieber


Therapie:
Doxycyclin (oder andere Tetracycline) über 7 Tage sind Mittel der Wahl bei Rickettsieninfektionen; Chloramphenicol, Ciprofloxacin


Gesetzliche Regelungen:
Bakteriell bedingte Meningitiden sind meldepflichtig bei Erkrankung und Tod.

 

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RMZ, SH, 02.08.2012



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