Fachinformationen - Marburg Virus


Marburg Virus

Erreger:

Marburg-Virus (MAR-HF), behülltes RNA-Virus, Familie der Filoviridae, verwandt mit Ebola-Virus
Verbreitung:
Erstes Auftreten mit 26 Erkrankungsfällen und 30%iger Letalität 1967 in Marburg, Frankfurt und Belgrad, nach Kontakt mit Zellkulturen von Laboraffen. Bisher einige 100 Erkrankungsfälle weltweit. 2004-2005 wurden in Angola 252 Erkrankungsfälle gezählt (Letalität 90%), 2007 wurde über zwei Fälle bei Minenarbeitern in Uganda berichtete, wo sich im Juli 2008 auch eine Niederländerin infizierte.
Infektionsweg:
Die Existenz eines tierischen Reservoirs (möglicherweise früchtefressende Fledermäuse, z.B. Rousettus aegyptiacus) konnte noch nicht endgültig geklärt werden. Der Erreger wird insbesondere bei direkten Kontakten mit Körperflüssigkeiten infizierter Menschen oder Affen oder auch bei Laborunfällen übertragen. Risiken bestehen so vor allem bei der ärztlichen Versorgung/Pflege Erkrankter sowie bei traditionellen afrikanischen Bestattungszeremonien.
Inkubationszeit:
4 – 7 (– 21) Tage
Symptomatik:
Im Vordergrund des klinischen Bildes steht eine stark erhöhte Blutungsneigung. In der Prodromalphase finden sich plötzlich einsetzende heftige Kopf-, Hals- und Muskelschmerzen. Außerdem Übelkeit, Erbrechen und Diarrhöen. Ab dem 4.-7. Tag treten Blutungen auf, die alle Schleimhäute des Körpers betreffen. Im weiteren Verlauf kommt es zu Lungenversagen, nekrotisierender Hepatitis und Schock. Die Letalität liegt bei 30-90%.
Diagnostik:
Bei Verdacht auf Marburg hämorrhagisches Fieber muss die Diagnostik in einem Labor der höchsten Sicherheitsstufe durchgeführt werden. Versuch der Virusanzucht. Nachweis über Elektronenmikroskopie, Immundiagnostik oder PCR. Inzwischen stehen gentechnisch gewonnene Filovirus-Antigene zur Verfügung, deren Verwendung eine einfachere und sicherere Diagnostik erlaubt. Ausgeprägte Thrombozytopenie, gesteigerte Fibrinolyse.
Differentialdiagnose:
Andere virale hämorrhagische Fieber, Leptospirose, Ebola
Therapie:
Anwendung von Ribavirin und Interferon; Transfusionstherapie
Prophylaxe/ Immunität:
Bei der Pflege der Patienten sollte streng auf Schutzmaßnahmen geachtet werden („barrier nursing“). Expositionsprophylaxe und sichere Entsorgung sollte auch beim Umgang mit kontaminierten Materialien gelten. Ein kommerziell erhältlicher Impfstoff steht bislang noch nicht zur Verfügung.
Gesetzliche Regelungen:
Viral bedingte hämorrhagische Fieber sind meldepflichtig bei Verdacht, Erkrankung und Tod.


Weiterführende Literatur



MG, 20.10.2017



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