Reiseinformationen - Borreliose (Lyme-B.)


Zecken und Borreliose

Holzbock, Bildquelle: Prof. Garms, BNI


Auf der nördlichen Halbkugel werden Zecken ab März aktiv und bleiben es bis November. Zecken fühlen sich bei Temperaturen zwischen 17-20°C am wohlsten und bleiben unter 7°C passiv. Über 1.000 m Höhe sind sie meist nicht mehr anzutreffen. Zecken lieben Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit. Ist der Sommer heiß und trocken, ziehen sich die Zecken zurück, verregnete Sommer mögen sie dagegen.

Die bei uns weit verbreiteten Schildzecken (Ixodes ricinus oder "Gemeiner Holzbock") lauern im Gras und niederem Gebüsch. Neu wandert nach Deutschland die Auwald- (oder Bunt-) Zecke ein, die im Gegensatz zum Holzbock auch aktiv auf Beutetiere zu krabbelt (Laufzecke) und die für Hunde gefährlichen Bakterien der Gruppe Babesia canis überträgt.

Sie können beim Blutsaugen unterschiedliche Krankheiten übertragen, wenn sie mit Erregern infiziert sind:
In Mitteleuropa und den USA die Übertragung des Bakteriums "Borrelia burgdorferi" am häufigsten. Das "Frühsommer-Meningo-Enzephalitis-Virus" (FSME-Virus, oder sein Verwandter das RSSE-Virus) kommt dagegen nur in bestimmten Regionen Europas und Asiens vor, in Deutschland überwiegend im Süden. Daneben scheinen sich bislang seltene Zecken-Arten zunehmend auszubreiten: die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) vor allem in Süd- und Ostdeutschland, die Reliktzecke (Haemaphysalis concinna) in Brandenburg.

Um sich nicht stechen zu lassen, gibt es mehrere Möglichkeiten:

Die Wirkungsdauer und Einschränkungen bei Kleinkindern oder Schwangeren sind bei den verschiedenen Produkten unterschiedlich - bitte Packungsbeilage beachten!

Kleidung und Imprägnierung
In Risikogebieten kann helle und möglichst lange Kleidung getragen werden. Zecken lauern in Gräsern, sie fallen nicht von Bäumen herab. Deshalb schützen festes und möglichst hohes Schuhwerk und (imprägnierte) Socken, die beim Wandern über die Hosenbeine gezogen werden.

Zusätzlich zu Repellents für die Haut sind auch solche Produkte zu empfehlen, mit denen die Kleidung oder Bettnetze imprägniert werden können. Dabei handelt es sich um spezielle Kontakt-Insektizide wie Permethrin (oder Pyrethrum). Permethrin gehört zu den Pyrethroiden, einer Gruppe von Insektenbekämpfungsmitteln, die vom natürlichen Gift der Chrysanthemen, dem Pyrethrum, abgeleitet worden sind. Unbedingt Warnhinweise beachten!

Zecken sind oft Stunden auf dem Körper "unterwegs", bis sie eine geeignete Stelle zum Stechen gefunden haben, meist in weichen Hautpartien, wie z.B. Kniekehlen. Oft besteht noch Zeit, sie abzusammeln, bevor sie gestochen hat. Bei der Borreliose werden die Erreger erst nach mehreren Stunden des Saugens mit dem Speichel der Zecke übertragen. Findet man also nach einem Waldspaziergang an seinem Körper eine Zecke, die sich noch nicht oder nur wenig vollgesogen hat, ist das Risiko einer Borreliose gering. Kinder können nach Wiesenaufenthalt unter der Dusche gut abgesucht werden, wodurch das Risiko für eine Erkrankung deutlich sinkt.


Borreliose
Zecken in Europa, Ost-Europa, Sibirien und Nord-Amerika können Bakterien der Gattung Borrelien (Lyme-Borreliose, nach ihrem Entdeckungsort Lyme, USA, im Jahr 1976) übertragen.
In den USA werden etwa 20.000 Infektionen pro Jahr gemeldet (Connecticut, Delaware, Maryland, Massachusetts, Minnesota, New Jersey, New York, Pennsylvania, Rhode Island, Wisconsin). Hauptübertragungszeiten sind Mai-August.

Die Häufigkeit der Borreliose unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland zum Teil recht stark und liegt im Bereich von < 6 (Berlin) bis > 77 (Brandenburg) Fälle auf 100.000 Einwohner pro Jahr. Ob Zecken in Deutschland Borrelien in sich tragen und damit infektiös sind, ist erwartungsgemäß regional sehr unterschiedlich. In Übertragungsgebieten (z.B. Hamburg) sind etwa 12-18% aller Zecken infiziert. Etwa 5-25% der Bewohner ländlicher Regionen in Deutschland tragen Antikörper gegen Borrelien. Die Übertragungszeiten sind in Deutschland zwischen Mai-Oktober (Hauptübertragungszeit: Juli-August).

Die folgenden Faktoren können das Borreliose-Risiko erhöhen


Bei einer Infektion kommt es in etwa 90% der Fälle nach einigen Tagen bis Wochen zu einer "wandernden", sich unregelmäßig ausdehnenden Rötung (Erythema migrans) an der Zeckenstichstelle, eine scharf abgegrenztes, sich flächig ausbreitendes Hautrötung, die im Zentrum oft eine Aufhellung aufweist. Diese Erscheinung verschwindet auch ohne Behandlung nach etwa 28 Tagen. Andere Zeichen der Erkrankung (z.B. eine Lymphschwellung am Ohr, frühe Neuroborreliose) sind möglich aber selten (2-5%).

Wird die Erkrankung nicht behandelt, sind Folgeerkrankungen möglich

Menschen, die eine Infektion durchgemacht und Antikörper gegen Borrelien entwickelt haben, sind nicht vor einer Neuinfektion geschützt. Allerdings treten Neuinfektionen fast ausschließlich bei Personen auf, bei denen der Kontakt zum Erreger nur sehr kurz war, weil sie konsequent nach einem Erythema behandelt wurden, nicht dagegen bei Personen, bei denen sich der Erreger im Körper ausbreiten konnte.
Schwierig zu beurteilen ist ein so genanntes Post-Lyme-Syndrom, das sehr vielgestaltig ist, mit neurologischer, psychiatrischer oder rheumatischer Symptomatik, begleitet meist von intensivem Leidensdruck. Es entsteht als eine vermutlich nichtinfektiöse Folgeerscheinung einer vor mindestens einem Jahr durchgemachten Lyme-Borreliose.
Gegen die Borreliose gibt es keinen wirksamen Impfstoff. In Vorbereitung sind Impfstoffe, die gegen den Speichel der Zecke gerichtet sind. Damit werden zwei Ziele verfolgt: wegen Auslösung eines stärkeren Juckreizes wird nach der Impfung eine Zecke leichter bemerkt, zusätzlich wird die Übertragung durch Reaktion mit dem Zeckenspeichel behindert.
Nach einer Borrelieninfektion besteht die Möglichkeit einer antibiotischen Therapie. Bei konsequenter Therapie ist ein Weiterleben von Erregern im Körper extrem unwahrscheinlich.
Eine aktive Borreliose mit Hilfe von Blutuntersuchungen bei neurologischen Erkrankungen sicher auszuschließen, ist nicht einfach. Der Nachweis einer Infektion mit sinnvollen Labormethoden (Serologie, PCR, Kultur) liegt beim Erythema migrans nur bei 50-70% und bei einer Neuroborreliose nur bei 10-30%. Oft sind nur Hinweise darauf möglich, ob eine Infektion bestand, nicht aber, ob noch lebende Bakterien im Körper existieren, die einer Antibiotikatherapie zugänglich wären. Die Entscheidung, ob antibiotisch behandelt wird, richtet sich daher im Wesentlichen nach dem klinischen Befund, und im Zweifel wird meist eine Behandlung durchgeführt. Diagnostische Verfahren haben nur eine ergänzende Aussagekraft zum klinischen Befund.

Nationales Referenzzentrum für Borrelien

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RMZ, 31.08.2012



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