Fachinformationen - Leptospirose


Leptospirose (M. Weil, Schweinehirtenkrankheit)

Erreger:

Leptospira interrogans Serovar icterohaemorrhagiiae (Familie der Spirochäten)
Verbreitung:
Leptospiren kommen weltweit bei Mensch und Tier vor. Endemisch sind sie vor allem in tropischen und gemäßigten Klimazonen mit starken Niederschlägen und einem hohen Grundwasserspiegel. Die Leptospirose tritt meist sporadisch auf, am häufigsten jedoch im Sommer. Sehr häufig tritt die Erkrankung während oder nach Naturkatastrophen auf (1995 nach Wirbelsturm in Nicaragua, 1998 nach Überflutungen in Peru und Ecuador, 1999 nach Wirbelsturm in Indien). In den vergangenen Jahren (2009-2012) waren Leptospirose-Ausbrüche vor allem auf den Philippinen, in Sri Lanka und Indien zu verzeichnen.
Infektionsweg:
Eindringen der Leptospiren durch die Haut (Mikrotraumen) oder Schleimhaut. Als Reservoir dienen Nagetiere (hauptsächlich Ratten und Mäuse) und auch verschiedene Haus- und Nutztiere. (Anthropozoonose). Diese scheiden den Erreger mit dem Urin aus. Meist erfolgt der Erregerkontakt berufsbedingt, seltener badeassoziiert. Gefährdet sind vor allem Menschen, die in der Landwirtschaft tätig sind, Metzger, Kanalarbeiter und Zooangestellte.
Inkubationszeit:
5 – 14 Tage
Symptomatik:
Plötzlicher Beginn mit hohem Fieber, Schüttelfrost. Konjunktivitis, Kopf- und Gliederschmerzen (sehr typisch: starke Wadenschmerzen). Bisweilen können auch ein passageres Exanthem und eine geringfügige Lymphadenopathie auftreten. Nach kurzer Entfieberung beginnt bei einem kleinen Teil der Patienten das Stadium der Organmanifestation mit einem erneuten Fieberanstieg. Bei ikterischen Leptospirosen (M. Weil) steht die schwere Leber- und Nierenbeteiligung klinisch im Vordergrund. Für einige Tage kann es zu einem ausgeprägten Ikterus mit relativ geringer Transaminasenerhöhung und einer interstitiellen Nephritis mit Niereninsuffizienz bis hin zur Anurie kommen. Durch immunologische Phänomene können Thrombozytopenie und ein „capillary leakage-Syndrom“ mit ausgeprägter hämorrhagischer Diathese auftreten. Gleichzeitig kann eine seröse Meningitis beobachtet werden. Unbehandelt sterben ca. 20-30% der Patienten, v.a. ältere Menschen in dieser Krankheitsphase an hepatorenalem Versagen, ARDS oder Herzrhythmusstörungen. Unbehandelt kann die Krankheitssymptomatik 3–4 Wochen anhalten; die Rekonvaleszenzphase dauert häufig mehrere Monate. Deutlich häufiger als die ausgeprägte Symptomatik bei M. Weil werden anikterische, meist gutartig verlaufende Krankheitsbilder beschrieben. Hierbei steht eine seröse Meningitis, selten Meningoenzephalitis im Vordergrund. Sehr häufig verlaufen Infektionen mit L. interrogans mild oder asymptomatisch.
Diagnostik:
Erregernachweis mittels Anzucht (Blut, Liquor, Urinkultur) in der Phase der Generalisation. Der Antikörpernachweis gelingt meist ab 10. Krankheitstag (KBR, HHT), Die Diagnose sollte klinisch anhand von Symptomatik und Anamnese gestellt werden, um rechtzeitig eine antibiotische Therapie beginnen zu können.
Differentialdiagnose:
Influenza, Virushepatitiden, Malaria, Typhus, Hantavirusinfektion, Gelbfieber, Dengue, abakterielle Meningitiden, Japanische Enzephalitis, Rickettsiosen
Therapie:
Antibiose mit Penicillin oder Tetracyclin, ansonsten symptomatische Maßnahmen (Dialyse bei Nierenbeteiligung)
Prophylaxe, Immunität:
Bekämpfung von Ratten und Mäusen. Eine kommerziell erhältliche Impfung steht bisher nur für Tiere zur Verfügung.
Gesetzliche Regelungen:
Nach §7, Abs.1 IfSG besteht Meldepflicht für den direkten oder indirekten Erregernachweis.

Literatur
Vijayachari P, Sugunan AP, Shriram AN. Leptospirosis: an emerging global public health problem. J Biosci 2008; 33: 557-69.

RMZ, 21.02.2013



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