Fachinformationen - Leishmaniose Kurztext


Leishmaniose (Kutane Leishmaniose der Alten Welt; Orient-, Aleppo- oder Bagdadbeule) (Kutane oder mukokutane Leishmaniose der Neuen Welt; Chiclero-Ulkus, Pian bois, Uta, Espundia) (Viszerale Leishmaniose; Kala-Azar)

Erreger:

Verbreitung:

Infektionsweg:
Alle Leishmanioseformen werden durch Schmetterlingsmücken übertragen (Gattung: Phlebotomus, in Südamerika Gattung:Lutzomyia). Neben dem Menschen stellen Nagetiere, Hunde, Wölfe und Füchse ein Reservoir dar.
Inkubationszeit:
wenige Tage bis mehrere Jahre
Symptomatik:
Die drei Leishmanioseformen unterscheiden sich hauptsächlich im klinischen Bild.

Bei der kutanen Leishmaniose der Alten Welt (Orientbeule) ist nur die Haut befallen. Die Erkrankung beginnt mit einer umschriebenen Rötung und Schwellung an der Einstichstelle. Diese nimmt an Größe zu und entwickelt sich meist zu einem schmerzlosen, flachen Ulkus mit erhabenem Randwall. Das Ulkus kann krustig bedeckt sein. Häufig bleibt die Läsion solitär, es können jedoch auch multiple Ulzera vorliegen bis hin zu einer diffusen Ausbreitung. Die Läsionen können einige Zeit bestehen bleiben und heilen schließlich nach mehreren Monaten unter Narbenbildung ab.

Das klinische Erscheinungsbild der kutanen Form der Leishmaniose der Neuen Welt kann verschiedenste Hautläsionen von kleinen trockenen Herden bis hin zu großen Ulzera umfassen. In schlimmeren Fällen entwickeln sich “hornartige” Vegetationen, die Neoplasien ähneln. Bei der seltenen diffusen kutanen Leishmaniose kann es zu einem generalisierten Befall der Haut kommen. Die mukokutane Form, verursacht durch L.brasiliensis, beginnt meist ebenfalls mit einem Ulkus. Nach Abheilung des Ulkus kommt es bei einem Teil der Infizierten zum Befall der Schleimhäute des Nasenrachenraums. Frühzeichen für den Schleimhautbefall sind behinderte Nasenatmung und häufiges Nasenbluten. Das Nasenseptum kann perforieren, es entsteht die sogenannte Tapirnase. Auch Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf sind häufiger befallen, seltener ist die Luftröhre oder die Genitalschleimhaut betroffen. Durch die Gewebszerstörung werden zusätzliche Infektionen begünstigt, selten kann es zu letal verlaufenden Aspirationspneumonien kommen.

Die viszerale Leishmaniose (Kala-Azar) ist die gefährlichste Form, hier können in erster Linie Lymphknoten, Milz, Leber und Knochenmark betroffen sein. Der Krankheitsbeginn ist uncharakteristisch und kann mit der kutanen Leishmaniose verwechselt werden. Es entwickelt sich am Ort des Insektenstiches eine Papel. Der weitere Verlauf der Erkrankung ist schleichend und chronisch, die Patienten erscheinen relativ lange gesund, es wurden jedoch auch akute, fulminante Krankheitsverläufe beschrieben. Meist werden Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfälle, Gewichtsverlust, Schwächegefühl und Fieberepisoden beklagt. Das Fieber kann intermittierend oder typischerweise remittierend mit zwei Fieberzacken pro Tag oder seltener auch als febris continua auftreten. Nach einigen Wochen treten Symptome wie Lymphknotenschwellungen, Leber- und Milzvergrößerungen auf. Durch den Befall des blutbildenden Systems im Knochenmark kann es zu ausgeprägten Anämien, Leukopenien und Thrombozytopenien mit entsprechenden Konsequenzen wie erhöhter Infektanfälligkeit und Blutungsneigung kommen. Nahezu alle Patienten mit viszeraler Leishmaniose weisen eine Hypergammaglobulinämie mit zirkulierenden Immunkomplexen auf. In den Nieren finden sich Zeichen einer Immunkomplexnephritis. Mit fortschreitender Erkrankung kann es zu Ulzerationen im Darm kommen. Die viszeralen Leishmaniose kann letal verlaufemi die Patienten versterben an Hämorrhagien, Anämiefolgen oder aufgrund des geschwächten Immunsystems an Sekundärinfektionen wie bakterielle Pneumonien oder Septikämien. Bei Patienten mit AIDS verläuft die Erkrankung fulminant, hier ist zusätzlich das Ansprechen auf die Therapie deutlich reduziert. Bei Kindern kann die Erkrankung oligosymptomatisch mit chronischen subfebrilen Temperaturen, Organvergrößerungen und Wachstumsverzögerungen verlaufen. Nach einer unzureichend behandelten viszeralen Leishmaniose können v.a. in Indien und Afrika hypopigmentierte Hautflecken auftreten (Post-Kala-Azar-Hautleishmaniose).

Diagnostik:
Kutane und mukokutane Leishmaniose: Erregernachweis aus einer Gewebeprobe aus dem Ulkusrand. Viszerale Leishmaniose: Erregernachweis im Knochenmark mittels Mikroskopie oder PCR. Der mikroskopische Nachweis im Blut gelingt häufig nicht. Indirekter Nachweis von spezifischen Antikörpern (IFT, ELISA) ist häufig richtungsweisend.
Differentialdiagnose:
Orientbeule und kutane Form der Leishmaniose der Neuen Welt: Hauttuberkulose, Syphilis, Lepra, Mykosen, Hautneoplasien Mukokutane Leishmaniose:Mykosen, Syphilis, Histoplasmose, Sarkoidose, Neoplasien der Haut und des lymphatischen Systems Viszerale Leishmaniose: Malaria, Typhus, Bilharziose, Miliartuberkulose, Mononukleose, Brucellose, Histoplasmose, Hämoblastosen
Therapie:
Eine medikamentöse Therapie der unkomplizierten kutanen Leishmaniose ist nicht in jedem Fall erforderlich. Mitunter ist eine lokale Therapie mit Paromomycinsulfat-Salbe und Methyl-Benzethoniumchlorid ausreichend. Gegebenenfalls kann eine Unterspritzung mit 5-wertigen Antimonpräparaten erfolgen. Die komplizierte kutane und die mukokutane Form erfordern auf jeden Fall einer systemischen Therapie. Die Therapie kann in der Gabe von liposomalem Amphotericin B, Antimonpräparaten, Miltefosin, Pentamidin oder Ketoconazol bestehen.
Prophylaxe, Immunität:
Die Prophylaxe umfasst allgemein Bekämpfung der Vektoren, Schutz vor Mückenstichen durch Repellents, feinmaschige Moskitonetze und entsprechende Kleidung.
Gesetzliche Regelungen:
Es besteht keine Meldepflicht nach IfSG.

 

RMZ, 10.01.2012



Drucken

Zur Website www.gesundes-reisen.de