Fachinformationen - Hanta


Hanta-Viren

Erreger:
Bunyavirus (RNA), verschiedene Subtypen: Hantaan-, Puumala, Seoul-, Sin Nombre-Virus

Verbreitung:
Verschiedene Stämme in unterschiedlichen Gebieten: Verbreitungsgebiete Hantaan: Korea, China und Südost-Europa, Puumala: Skandinavien, Südost-Europa, Deutschland, Seoul: weltweit, Sin Nombre: USA

Infektionsweg:
Chronisch infizierte Nagetiere (verschiedene Mäuse- und Ratten-Spezies) sind das Reservoir. Übertragung auf den Menschen wahrscheinlich durch infektiöse Aerosole der Nagerexkremente (z.B. in staubhaltiger Luft in alten Scheunen, Dachböden o.ä.), oder durch Biß von infizierten Nagern. Saisonale Häufung zum Herbst und Winteranfang. Direkte Übertragung von Mensch zu Mensch bzw. nosokomiale Infektionen werden diskutiert.

Das Infektionsrisiko ist bei vorsichtigem Verhalten sehr gering.

Inkubationszeit:
5-42 (in der Regel 12-16) Tage

Symptomatik:
Die Subgruppen Hantaan und Seoul rufen das sogenannte schwere Hämorrhagische Fieber mit renaler Symptomatik (HFRS) in unterschiedlichen Ausprägungsgraden hervor. Die Symptomatik beginnt mit der sog. toxischen Phase: Fieber, Kopf- und Rückenschmerzen, Schwindel. Während der ca. 4-7 Tage andauernden toxischen Phase kommt es zu einer Leukozytose (oft > 20.000/ml), Thrombozytopenie und zum Auftreten von Petechien am Rumpf und weichen Gaumen. Zumeist ruft ein massives "capillary leakage syndrome" eine ausgeprägte Hypotension hervor. Die zweite, renale Krankheitsphase ist gekennzeichnet durch Oligurie, später übergehend in Polyurie, Hypertension (zerebrovaskuläre Komplikationen), Schleimhautblutungen und Lungenödem. Bei nicht letalem Ausgang wird häufig eine monatelange Rekonvaleszenzphase beobachtet, jedoch kommt es zu einer Restitutio ad integrum. Neuere Untersuchungen haben jedoch bei dialysepflichtigen Patienten eine deutlich höhere Seroprävalenz für Hantaviren (insbesondere gegen Seoul) gezeigt als beim gesunden Normalkollektiv. Die Verläufe der Infektionen mit dem Subtyp Puumala, der auch in Deutschland verbreitet ist, sind zumeist milder. Bei dem Erkrankungsbild hervorgerufen durch den Subtyp Sin Nombre steht die pulmonale Symptomatik im Vordergrund, die renale Problematik ist deutlich geringer ausgeprägt als bei den anderen Subtypen. Auch in Deutschland wurde bereits mehrfach ein Krankheitsbild mit ausschließlich pulmonaler Symptomatik, teilweise monatelang anhaltend (ähnlich einer antibiotikaresistenten Bronchitis mit beeinträchtigtem Allgemeinbefinden), beobachtet. Verursacht wurden diese Erkrankungsfälle durch ein dem Puumala-Subtyp verwandtes Hanta-Virus. Letalität: Asiatisches HFRS: ca. 6%.Puumala-Subtyp (Nephropathia epidemica): ca. 1%; wahrscheinlich verlaufen hier ca. 90% der Infektionen inapparent. Sin Nombre-Subtyp: Letalität bis ca. 50%.

Diagnostik:
Die direkte Anzucht aus Patientenmaterial ist bei Hantaviren häufig sehr schwierig, oftmals ist eine amplifizierende Passage in Nagergehirnen notwendig. Das beste Material für den Virusnachweis ist der Urin. Mittels PCR gelingt der Virusnachweis bisweilen über mehrere Monate. Serologie: ELISA (meist bei Beginn der Symptomatik IgM und IgG nachweisbar). Puumala: nur ca. 60-70% der Patienten entwickeln während der akuten Krankheitsphase nachweisbare, spezifische Antikörper.

Differentialdiagnose:
Anfangs andere viral bedingte hämorrhagische Fieber, Leptospirose.

Therapie:
Symptomatisch (Dialyse, Volumensubstitution).

Prophylaxe, Immunität:

Gesetzliche Regelungen:
Viral bedingte hämorrhagische Fieber sind meldepflichtig bei Verdacht, Erkrankung und Tod.

Weitere Information

HEF, 26.04.2013



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