Fachinformationen - Guillan Barré-Syndrom (Polyradikulitis)


Guillan Barré-Syndrom (Polyradikulitis)

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) tritt mit einer Häufigkeit von 1-2/100.000 Einwohnern pro Jahr auf. Die Erkrankungsgipfel liegen zwischen dem 20. und 30. sowie zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr. Männer sind häufiger betroffen.

Es handelt sich um eine entzündliche Erkrankung der zentralen Nervenwurzeln des Rückenmarks und der peripheren Nerven (außerhalb von Gehirn und Rückenmark) mit Lähmung an Armen und Beinen bis hin zur Atemlähmung. Periphere Nerven sind von einer eiweißreichen Hüllsubstanz, dem Myelin, umgeben. Diese fetthaltige Substanz isoliert die Nervenfasern voneinander und dient der ungehinderten Übertragung von Reizen, die als elektrische Impulse weitergeleitet werden. Beim GBS wird diese Myelinschicht durch körpereigene Zellen des Immunsystems geschädigt.

Ursache
Die genauen Ursachen des GBS sind noch ungeklärt. Bei zwei Dritteln aller Patienten geht dem GBS eine Infektion voraus. Meist handelt es sich um Darminfektionen oder Atemwegsinfekte. So ist statistisch bei einer von 3.000 Infektionen mit dem Darmbakterium Campylobacter jejuni mit einem GBS zu rechnen. Im Sinne einer immunologischen Kreuzreaktion kann sich - so wird derzeit postuliert - das Immunsystem des Patienten gegen die Myelinscheide der eigenen Nervenzellen richten. In seltenen Fällen wurde GBS auch im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen beschrieben. Es ist jedoch aufgrund der Seltenheit von GBS und der Häufigkeit von Impfungen ungeklärt, ob auch ein ursächlicher Zusammenhang besteht. Lediglich für Impfstoffe, die auf Basis von Nervengewebe hergestellt werden, konnte auch ein kausaler Zusammenhang gefunden werden. Allerdings selbst in diesen Fällen war das Risiko mit einem Fall auf 9.5 Millionen durchgeführte Impfungen gering. In Deutschland sind derzeit keine Nervengewebsimpfstoffe zugelassen.
Man nimmt weiterhin an, dass ein ursächlicher Zusammenhang mit einer Infektion mit bestimmten Viren (Epstein-Barr, Zytomegalie, Varizella-Zoster) bestehen könnte, die zu einer Fehlfunktion des Abwehrsystems führen. Weitere Auslöser können Erreger sein, die durch Insekten und Zecken übertragen werden. Stress und andere Belastungen des Immunsystems, wie Schwangerschaften und Operationen, können die Entstehung eines Guillain-Barré-Syndroms begünstigen.

Verlauf
Die Erkrankung entwickelt sich zumeist über Tage und dauert Wochen bis Monate. Zwei bis vier Wochen nach dem Höhepunkt der Erkrankung beginnt die Rückbildung der Symptome. Die Lähmungen steigen typischerweise von den Beinen über den Rumpf und die Arme zum Kopf hin auf. Dabei sind die zuerst betroffenen Muskeln in der Regel schwerer beeinträchtigt, als die später befallenen. Üblicherweise sind die Muskeln symmetrisch geschwächt oder gelähmt. Das Spektrum der Lähmungserscheinungen kann von Bewegungseinschränkungen bis hin zu Lähmungen der Atemmuskulatur gehen.

Wenn die Autoimmunreaktion zu einem Stillstand kommt, regenerieren sich die Nervenzellen. Bei ausgeprägten Lähmungen und einem langen Verlauf der Erkrankung, wird die Prognose schlechter. Durch die langsame Wachstumsgeschwindigkeit von Nervenzellen kann der Heilungsprozess, je nach Ausmaß des Schadens, Wochen oder sogar Monate dauern.

Symptome

Empfehlung
Im Falle plötzlich auftretender neurologischer Beschwerden im Zusammenhang mit Infekten oder Impfungen einen Arzt aufzusuchen und u.a. im Labor eine Serumprobe für spätere immunologische Untersuchungen einfrieren zu lassen.

Weiterführende Literatur

Links

MG, 24.06.2013



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