Reiseinformationen - FSME (RSSE)


Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME/RSSE)

Bildquelle: Werner Schönherr


FSME wird durch ein Virus (Flavivirus, RNA) ausgelöst, das die Zecke auf den Menschen überträgt, aber nicht jede Zecke ist mit dem FSME-Virus infiziert, und nicht jeder Stich macht krank. Vorkommen: in Europa z.B. Russland, Balkan, Zentral- und Nordeuropa, Naturherde in Deutschland u.a. in Niederbayern und Baden-Württemberg, saisonale Häufung im April-November
Inkubationszeit: 3-28 Tage (in der Regel) 10 Tage. Ist die Infektion durchgestanden, besitzt man eine lebenslange Immunität.
Die Erkrankung beginnt mit Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen. In 60-70% der Fälle verläuft die Infektion ohne Krankheitserscheinung, etwa 30% der infizierten Personen erkranken mit manifesten Symptomen, die jedoch meist nur als  grippaler Infekt wahrgenommen werden. Bei Kindern sind Folgeerkrankungen oder bleibende Schäden nur in Einzelfällen beschrieben. Bei ca. 20% der so Erkrankten nimmt die Infektion einen hochfieberhaften Verlauf in Verbindung mit neurologischen Symptomen bis hin zur Hirnhautentzündung. Die Symptome sind starke Kopfschmerzen, hohes Fieber und ein steifer Nacken. Bei schwereren Verlaufsformen kann sich auch das Gehirn entzünden, dann kommen zusätzlich zu den Symptomen der Hirnhautentzündung häufig noch Bewusstseinsstörungen hinzu. Je älter der Patient, desto wahrscheinlicher ist eine Gehirn- oder Rückenmarksentzündung. Rund 10-20% der Patienten haben nach einer schweren Verlaufsform lang anhaltende oder bleibende neuropsychologische Schäden, etwa ein bis zwei Prozent der Patienten, bei denen das Virus das zentrale Nervensystem befällt, sterben.
Maßgeblich für die Diagnostik ist der Nachweis von spezifischen Antikörpern im Blut. Ein direkter Virusnachweis kann mittels molekularbiologischer Labornachweis (PCR) versucht werden.
Die Behandlung der Erkrankung erfolgt symptomatisch.


FSME in Europa
Virusbedingte FSME-Erkrankungen (Hirnhautentzündungen) treten nur in bestimmten Risikogebieten auf. Die Mehrzahl der Infektionen findet sich in Bayern und Baden-Würtemberg,  ferner in geringerem Ausmaß in Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt werden nur sporadisch Infektionen beobachtet.

Bildquelle: Werner Schönherr


In Europa kommt FSME z.B. in den folgenden Ländern vor: Litauen, Lettland, Estland, Russland, Tschechien, Polen, Österreich, Ungarn, Ukraine, Slowenien, Finnland, Frankreich (südl. von Bordeaux), Italien.  Als FSME-frei gelten die Iberische Halbinsel, Großbritannien, die Benelux-Länder und Irland.
In Europa werden bei hoher Dunkelziffer jährlich etwa 10.000-12.000 klinische FSME-Fälle beim Menschen registriert. Unabhängig vom jeweiligen Risikoniveau ist zwischen 1973 und 2003 das Vorkommen von FSME-Fällen in den meisten europäischen Ländern angestiegen, insbesondere in Tschechien, in der Slowakischen Republik, in Polen, Litauen und Deutschland. Ein gegenläufiger Trend wurde 2005 in Österreich verzeichnet. Bei einer durchschnittlichen FSME-Durchimpfungsrate der Bevölkerung von 90% erkrankten dort 2009 nur noch 79 Personen pro Jahr (verglichen mit durchschnittlich 426 Personen pro Jahr zwischen 1976 - 1980). Vereinzelt fanden sich jedoch auch FSME-Fälle im alpinen Bereich, nicht nur in den Tälern.
In Sibirien ist eine andere Form der viralen, durch Zecken (Ixodes persulcatus) übertragenen Hirnentzündung verbreitet, die RSSE (Russian-springsummer-encephalitis). Das Virus ist dem FSME-Virus sehr ähnlich, daher schützt die FSME-Impfung auch vor RSSE.

FSME-Impfung
Eine FSME-Schutzimpfung wird für Personen empfohlen, die in den Risikogebieten wohnen und arbeiten oder durch freizeitbedingte Tätigkeiten besonders häufig Zecken, die mit FSME-Viren infiziert sind, ausgesetzt sind. Als Risiko-Gebiete werden vom Robert Koch Institut Regionen ausgewiesen, bei denen eine Infektion pro Jahr pro 100.000 Bewohner gemeldet wird. Reisende, die in den Risikogebieten Urlaub machen, können sich mit einer Impfung schützen.
Eine FSME-Grundimmunisierung erfordert drei Impfdosen und bietet einen Schutz für drei bis fünf Jahre. Ein zeitlich begrenzter Impfschutz (etwa für Urlauber) erfordert mindestens zwei Gaben des Impfstoffs. Geimpft werden ggf. Kinder frühestens ab dem vollendeten ersten Lebensjahr mit einer verminderten Dosis oder ab dem vollendeten zwölften bzw. (bei einem anderen Hersteller) ab dem 16. Lebensjahr mit der Erwachsenendosierung.

Ist es möglich, sich zu impfen, nachdem man von einer Zecke gestochen worden ist?

Lokal- und Allgemeinreaktionen nach Impfung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Innerhalb von 1-3 Tagen kann es an der Impfstelle zu Rötung, Schmerzhaftigkeit und Schwellung kommen, gelegentlich mit Beteiligung der zugehörigen Lymphknoten. Häufig treten innerhalb der ersten 1-4 Tage Fieber, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Unwohlsein oder Magen-Darm-Erscheinungen sowie Missempfindungen (Taubheitsgefühl, Kribbeln) auf. Die Symptome finden sich vor allem nach der ersten Impfung, bei weiteren Impfungen werden sie seltener. Sie klingen in der Regel nach 72 Stunden ab. Gelegentlich treten Gelenkbeschwerden auf. In der Regel sind diese Lokal- und Allgemeinreaktionen vorübergehender Natur und klingen rasch und folgenlos wieder ab. In Einzelfällen wurden allergische Reaktionen beobachtet und über langanhaltende Erkrankungen des peripheren Nervensystems beobachtet (Neuritis, Polyneuritis, Guillain-Barré-Syndrom).
 

MG, 18.10.2012



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