Fachinformationen - Echinokokkose


Echinokokkose

Erreger:

Echinococcus spez. (Helminthen, Cestoden). Die zystische Echinokokkose wird durch E.granulosus, die alveoläre Echinokokkose durch E.multilocularis oder E.vogeli (Einzelfälle) hervorgerufen.


Verbreitung:
E.granulosus: weltweit, mit regionalen Häufungen. E.multilolocularis: Nördliche Hemisphäre mit Endemiegebieten in Mittel- und Osteuropa, Japan, USA, Kanada. E.vogeli: Einzelne Herde in Zentral- und Südamerika


Infektionsweg:
Aufnahme der langlebigen und ausgesprochen umweltresistenten Wurmeier. Im Dünndarm werden die sogenannten Oncosphären aus den aufgenommenen Eiern freigesetzt. Diese durchwandern die Darmwand und gelangen hämatogen in die Leber, Lunge oder andere Organe. Dort entwickeln sich die finnenhaltigen Zysten. Die Übertragung bei E.granulosus erfolgt meist durch Kontakt der mit Hundekot (Fell, Schnauze) kontaminierten Hände mit dem Mund. Bei E.multilocularis u.a. durch Verzehr von kontaminierten Waldbeeren. Die definierten Endwirte bei E.granulosus sind Hund, Wolf, Dingo u.ä., als Zwischenwirte fungieren v.a. Schafe, aber auch Ziegen, Rinder, Schweine und Pferde, bzw. akzidentiell der Mensch. Die adulten Würmer des E.multilocularis findet man in Füchsen, Wölfen, Hunden und Katzentieren. Der normale Zyklus bei E.multilocularis verläuft in der Regel zwischen Nagern und Füchsen.

Bildquelle: Werner Schönherr


Inkubationszeit:
Sehr unterschiedlich, Monate bis Jahre


Symptomatik:
Die Krankheitssymptomatik wird hauptsächlich verursacht durch die raumfordernde Wirkung der Echinokokkuszysten. Bei Infektionen mit E.granulosus kommt es bei ca. 60% der Patienten zum Befall der Leber, bei ca. 20% der Patienten zum Lungenbefall, in aller Regel ist nur ein Organ betroffen. Die Zysten von E.granulosus sind ein-oder mehrkammrige, flüssigkeitsgefüllte Blasen (zystische Echinokokkose, Hydatidose), die v.a. im Lebergewebe von einer festen Bindegewebskapsel umgeben sind. Von der innen gelegenen Keimschicht ausgehend entstehen viele kleine Bläschen, die Protoskolizes der Wurmlarven enthalten. Die Hydatiden können einen Durchmesser von bis zu 30 cm erreichen. Die Leberechinokokkose verursacht häufig erst bei sehr großer Zystengröße klinische Symptome durch Kompression auf Blutgefäße oder Gallenwege. Bei Ruptur der dünnerwandigen Lungenzysten kann es zu Atembeschwerden und Husten kommen. Abhängig von ihrer Lokalisation verursachen Echinokokkuszysten im ZNS neurologische Herdsymptome. Die Ruptur einer Echinokokkuszyste kann eine Streuung der Finnen, allergische Reaktionen bis zum Schock, aber auch Spontanheilung zur Folge haben. Die Finnen von E.multilocularis (alveoläre Echinokokkose), die sich zu ca. 98% primär im Lebergewebe entwickeln, setzen sich zusammen aus einer großen Anzahl von kleinen Bläschen, die von Bindegewebe umgeben sind. Dabei kann es zu tumorartigem, organinfiltrativem Wachstum kommen. Häufig ist aufgrund der großen Kompensationsfähigkeit der Leber bei Diagnosestellung bereits ein Großteil des Organs vom Parasiten durchwachsen. Die langsam fortschreitende Erkrankung beginnt meist mit Oberbauchschmerzen, Hepatomegalie oder Ikterus. Die Erkrankung führt ohne Chemotherapie bei einem Großteil der Patienten innerhalb von 10-15 Jahren zum Tode. Auch E.vogeli-Zysten finden sich hauptsächlich in Leber und Lunge.


Diagnostik:
Bildgebende Verfahren (Sonographie, Röntgen. CT) kombiniert mit serologischen Methoden (IFT, ELISA) stehen im Vordergrund.


Therapie:
Gut zugängliche Zysten sollten unter perioperativer Chemotherapie vorsichtig chirurgisch entfernt und anschließend über 3 Monate (E. granulosus) bzw. 2 Jahre (E. multilocularis) mit Albendazol nachbehandelt werden. Bei inoperablem Befall oder Komplikationen (Zystenruptur) Langzeitbehandlung mit Mebendazol oder Albendazol. Diese kann bei E.granulosus zur Beseitigung des Parasiten führen, bei E. multilocularis nur parasitostatische Wirkung.


Prophylaxe/ Immunität:
Regelmäßiges Untersuchen und Entwurmen von Hunden und Katzen. Verzicht auf den Verzehr von bodennah wachsenden Waldfrüchten in Endemiegebieten von E.multilocularis.


Gesetzliche Regelungen:
Nach §7 Abs.3 IfSG besteht nichtnamentliche Meldepflicht für den direkten oder indirekten Erregernachweis.

RMZ, 29.08.2012



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