Fachinformationen - Diphtherie


Diphtherie


Erreger:

Corynebacterium diphtheriae (grampositive, nicht sporenbildende, unbewegliche Stäbchen), Toxinproduktion nur nach Aufnahme eines toxigenen Bacteriophagen.


Verbreitung:
Diphtherie-Fälle werden weltweit beobachtet. Die meisten Erkrankungen treten in gemäßigten Klimazonen mit einem saisonalen Morbiditätsgipfel im Herbst und Winter auf.

Die Inzidenz und das Muster des Auftretens haben sich in den letzten 50 – 75 Jahren verändert. In den westlichen Industrieländern ist die Zahl der Erkrankungen erheblich zurückgegangen, allerdings war dort eine zunehmende Empfänglichkeit in der erwachsenen Bevölkerung aufgrund zunehmender Immunitätslücken bei Impfmüdigkeit feststellbar.

Von Indien, dem jahrelangen Spitzenreiter liegen für 2009 noch keine Daten vor, sodass auch die Gesamtzahl der weltweiten Diphtheriefälle nicht abschließend beurteilt werden kann. Bis heute wurden die meisten Fälle in Nepal (277), Indonesien (189), auf den Philippinen (118) und im Iran (58) an die WHO übermittelt.

In der WHO-Region Europa (53 Staaten) ist die Diphtherie-Inzidenz mit 40 gemeldeten Fällen aus 12 Staaten im Jahr 2009 auf den historisch niedrigsten Stand gesunken. Im Jahre 2010 erreichten alle 53 Staaten der WHO-Region Europa erstmals eine Inzidenz von weniger als 1 Erkrankung pro 1 Million Einwohner. Das Ziel, autochthoner Diphtheriefälle in der WHO-Region Europa zu eliminieren, scheint damit greifbar nahe, wenn die Situation insbesondere in Lettland, der Ukraine und Russland) weiter unter Kontrolle bleibt. (RKI 2011)


Infektionsweg:
Die Übertragung erfolgt aerogen durch Tröpcheninfektion, bei der Hautdiphtherie durch Schmierinfektion. Der Mensch ist das einzige Reservoir.


Inkubationszeit:
2 – 5 Tage


Symptomatik:
Die Krankheit beginnt meist allmählich mit Halsschmerzen, Fieber, Schluckbeschwerden. Später kommt es zu Heiserkeit, Stridor, Gaumensegellähmungen, Lymphknotenschwellungen. Es entsteht eine Tonsillitis / Pharyngitis mit charakteristischen grauweißen Pseudomembranen, die oft die Tonsillen überschreiten und sich auf Gaumen und Uvula, gegebenenfalls auch bis zum Kehlhkopf ausbreiten (Gefahr der Obstruktion der Atemwege mit Ersticken).

Bei dem Versuch, die Membranen zu entfernen, kommt es meist zu Blutungen. Bei einem Teil der Patienten kommt es nach ca. 1 Woche zur Entfieberung und Ablösung der Membranen. Neben der lokalen Infektion kann es jedoch zu jeder Zeit der Erkrankung und auch noch Wochen später zu einer toxischen Allgemeinerkrankung mit oft schwerer Myokarditis, Nierenschädigung sowie Beteiligung der peripheren Nerven (Lähmungserscheinungen) kommen.

Die Nasendiphtherie bei Kleinkindern, gekennzeichnet von meist einseitigen Exkoriationen und Nasensekretfluß, verläuft meist gutartig. Die Läsionen einer Hautdiphtherie ähneln häufig einer Impetigo. Die Letalität der unbehandelten Erkrankung liegt bei ca. 20%. Der Tod kann durch Atemwegsobstruktion oder Herzversagen eintreten.


Diagnostik:
Wegweisend ist der klinische Befund. Der Erregernachweis sollte aus Abstrichen der verdächtigen Läsionen angestrebt werden (Gramfärbung).


Differentialdiagnose:
Angina, infektiöse Mononukleose, Impetigo (Abgrenzung zu Hautdiphtherie).


Therapie:
Antitoxin, Penicillin oder Erythromycin, symptomatisch. Bei klinischem Verdacht sollte die Therapie umgehend begonnen werden.


Prophylaxe, Immunität:
Die Prophylaxe besteht in einer aktiven Grundimmunisierung mit Toxoidimpfstoff und Auffrischimpfungen alle 10 Jahre entsprechend den Impfempfehlungen der STIKO. Die Impfung mit dem Toxoidimpfstoff schützt vor systemischer Toxinwirkung, jedoch nicht vor der eigentlichen Lokalinfektion. Bei Krankheitsausbruch sind Einzelunterbringung des Patienten und Schutzmaßnahmen für Kontaktpersonen angezeigt. Die durchgemachte Erkrankung hinterläßt nicht immer eine verläßliche Immunität.


Gesetzliche Regelungen:
Nach §6, Abs.1IfSG besteht Meldepflicht für Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod. Weiterhin besteht nach §7, Abs.1 .IfSG Meldepflicht für den direkten oder indirekten Erregernachweis. Nach §12, Abs. 1 IfSG besteht Meldepflicht an die zuständige oberste Landesgesundheitsbehörde und an das RKI.

 

Quelle:

Weitere Artikel:

 

MG, SH, 01.08.2012



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