Fachinformationen - Cholera


Cholera

Bildquelle: Dr. Helmut Jäger

Eine bei Reisenden sehr selten vorkommende Durchfall-Erkrankung ist die Cholera. Die Schwere des Krankheitsbildes kann variieren, so kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei einer besonders heftigen Reisediarrhöe auch einmal um Cholera handelt. Die Übertragung des Cholera-Erregers erfolgt allerdings meist durch stark mit Fäkalien verunreinigtes Wasser. Die Erkrankung ist mit Armut assoziiert. Reisende aus Industrieländern kommen in der Regel nicht in Situationen in denen sie auf erkennbar verschmutztes Wasser zurückgreifen müssen. Schätzungen beziffern das Erkrankungsrisiko von Touristen in Cholera-Endemiegebieten auf weniger als 1: 500.000. Daher ist die Bedeutung der Cholera in der Reisemedizin äußerst gering.

In Deutschland werden nur sehr sporadisch Fälle bei Migrantinnen/en gemeldet. In Entwicklungs- und Schwellenländer tritt Cholera bei sehr niedrigem Hygienestandard und Mangel an sauberem Trinkwasser auf, z.B. in Slumgebieten oder Flüchtlingslagern und breitet sich dann drastisch aus, wenn die Gesundheitsversorgung lückenhaft bleibt. Jährlich werden weltweit etwa 200-300.000 Erkrankungen mit über 10.000 Todesfällen registriert. Die Infektion ist behandelbar und heilt aus, wenn die Erkrankten durch das staatliche Gesundheitswesen sachgerecht gepflegt werden können. Die Behandlung besteht in ausreichendem Flüssigkeitsersatz durch Salz-Zucker-Lösungen und Zufuhr steriler Infusionslösungen.


Erreger:

Vibrio cholerae (Biovar cholerae und Biovar el Tor- gramnegative, kommaförmige, stark bewegliche aerobe Stäbchen)


Verbreitung:
Die Krankheit ist im Gangesdelta endemisch und breitete sich im 19. und 20. Jahrhundert in mehreren Pandemiewellen auf mehrere Kontinente aus. Seit 1991 tritt Cholera v.a. in Südamerika (Peru 1991) , Südostasien (Indonesien) und Afrika (mehrere Staaten West- und Zentralafrikas 1998/99) auf. In Europa kam es zu vereinzelten importierten Cholerafällen. Länder mit niedrigem Hygienestandard sind vermehrt betroffen.


Infektionsweg:
Die Erregeraufnahme erfolgt hauptsächlich über kontaminiertes Trinkwasser oder Nahrungsmittel. Seltener ist die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch. Der Mensch ist wahrscheinlich das einzige Reservoir. Die asymptomatische Erregerausscheidung ohne jegliche Anzeichen einer Infektion ist sehr häufig. Auch nach durchgemachter Erkrankung können die Erreger noch monatelang ausgeschieden werden. Möglicherweise dienen auch Planktonbestandteile als Reservoir, die ihrerseits Fische und Schalentiere kontaminieren können.


Inkubationszeit:
einige Stunden bis 5 Tage, meist 2 – 3 Tage


Symptomatik:
Die klinische Symptomatik wird durch die Wirkung eines Exotoxins verursacht. Die Anlagerung des Toxins an die Darmzelle führt zu einer Aktivierung der Adenylatzyklase mit entsprechender Störung des Elektolytaustausches und damit zu einer sekretorischen Diarrhoe. Eine Schädigung der Schleimhautzellen tritt nicht ein.

Die Erkrankung beginnt plötzlich mit Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Die Durchfälle werden zunehmend wässrig (Reiswasserstühle), es kann zu Flüssigkeitsverlusten bis zu 20 l /Tag kommen. Die Patienten leiden unter starken Wadenkrämpfen, es kommt zu zunehmender Exsikkose, Elektrolytentgleisung und Azidose. Ohne Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution trüben die Patienten zunehmend ein und es kann zum Exitus aufgrund von Nierenversagen und Kreislaufkollaps kommen Die Letalität der unbehandelten Erkrankung kann bis zu 60% betragen. Bei rechtzeitiger Substitutionstherapie ist die Prognose gut.

Bildquelle: Dr. Helmut Jäger


Diagnostik:
Direkter Nachweis der beweglichen Erreger im Stuhl oder Erbrochenem mittels Dunkelfeld- oder Phasenkontrastmikroskopie.


Differentialdiagnose:
Durchfälle anderer Genese u.a. hervorgerufen durch Infektionen mit Shigellen, Salmonellen, Staphylokokken; Intoxikationen


Therapie:
Ausgleich des Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushaltes (Glukose und Elektrolyte). Die Gabe von Antibiotika spielt eine untergeordnete Rolle.


Allgemeingültige Regeln zur Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene sind:

 
Gesetzliche Regelungen:
Nach §6, Abs.1 IfSG besteht Meldepflicht für Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod. Weiterhin besteht nach §7, Abs.1 IfSG Meldepflicht für den direkten oder indirekten Erregernachweis. Nach §12, Abs.1 IfSG besteht Meldepflicht an die zuständige oberste Landesgesundheitsbehörde und an das RKI.

Weitere Artikel:

 

RMZ, SH, 22.10.2012



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