Fachinformationen - Anthrax Milzbrand


Anthrax, Milzbrand

Bildquelle: Werner Schönherr


Erreger:
Bacillus anthracis (grampositives, bekapseltes, sporenbildendes Stäbchen, Familie der Bacillaceae). Entscheidend für die Virulenz ist die plasmidkodierte Fähigkeit zur Exotoxin- und Kapselbildung.
Verbreitung:
Weltweit, eher in Viehzuchtgegenden (besonders Wiederkäuer), seltener in industrialisierten Ländern; bevorzugt in wärmeren Klimazonen u.a. in Südosteuropa, Südamerika, Afrika, SO-Asien.
Infektionsweg:
Hautmilzbrand: Infektion durch Kontakt mit kontaminierten tierischen Materialien (Organe, Fell, Wolle, Düngung mit Knochenmehl). Eindringen der Sporen über kleine Hautverletzungen.

Inkubationszeit:
2-7 Tage (meist innerhalb von 48 Studen nach Exposition)
Symptomatik:
In über 95% der Fälle ist die Haut die Eintrittspforte für die Erreger. Diese ist meist an Händen, Armen, Hals oder Gesicht gelegen. Es entsteht eine rasch progrediente, stark infiltrierte Papel, die sich zu einem nicht schmerzhaften, mit schwärzlichem Schorf bedeckten Geschwür entwickelt. Der Milzbrandkarbunkel ist meist von einem ausgeprägten Erythem umgeben und fluktuiert nicht. Verursacht durch die freigesetzten Exotoxine entwickelt sich eine schwere Allgemeinsymptomatik mit hohem Fieber, Benommenheit, Kreislauf- und Herzrhythmusstörungen. Vom Primärherd ausgehend kann sich, über eine meist sehr schmerzhafte Lymphangitis, eine foudroyant verlaufende Milzbrandsepsis entwickeln.
Diese ist mit einer hohen Letalität behaftet. Ohne antibiotische Therapie verlaufen ca. 5-20% der Hautmilzbrandfälle tödlich. Bei rechtzeitig begonnener Antibiotikatherapie ist die Prognose des Hautmilzbrandes jedoch gut. Die Initialsymptome nach Inhalation von Milzbrandsporen sind eher unspezifisch und ähneln einer Infektion der oberen Luftwege. Innerhalb kurzer Zeit kommt es jedoch zu einer perakuten Krankheitsprogression, zu einer Milzbrandbronchopneumonie mit Hämoptoe, hohem Fieber, Schüttelfrost und Schocksymptomatik. Die Patienten versterben innerhalb von 3-5 Tagen. Darmmilzbranderkrankungen sind sehr selten und schwer zu diagnostizieren, meist sind dann ganze Familien betroffen. Anfangs beklagen die Patienten Leibschmerzen und Meteorismus. Innerhalb kurzer Zeit entwickeln sich blutige Durchfälle, Peritonitis und Schocksymptomatik. Die Prognose ist schlecht, die Patienten versterben auch unter antibiotischer Therapie meist rasch.
Diagnostik:
Nachweis des Erregers im Abstrichpräparat der Hautläsion (Gramfärbung) oder in Speziallabors auch kulturell (Hautläsion, Sputum, Stuhl, Blut).

Differentialdiagnose:

Therapie:
Penicillin, Tetracyclin, Erythromycin, Chloramphenicol
Prophylaxe, Immunität:
Isolierung von erkrankten Personen. Verdächtige Tiere müssen adäquat beseitigt werden. Bei beruflicher Expositionsmöglichkeit (Metzger, woll- und lederverarbeitende Industrie u.ä.) müssen entsprechende Schutzmaßnahmen (Handschuhe, Atemschutzmasken) eingehalten werden. Für Personen mit einem hohen Ansteckungsrisiko besteht die Möglichkeit einer aktiven Impfung mit abgetöteten Erregern.
Gesetzliche Regelungen:
Eine Meldepflicht besteht bei Verdacht, Erkrankung und Tod.

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RMZ, 29.08.2012



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