Fachinformationen - Am÷benruhr


Amöbiasis, Amöbenruhr, Amöbenabszeß

Erreger:

Entamoeba histolytica (Protozoa, Rhizopoda)
Verbreitung:
Die Amöbiasis ist weltweit verbreitet, kommt aber vor allem in Regionen mit schlechten hygienischen Verhältnissen vor.
Infektionsweg:
Die Infektion erfolgt in der Regel fäkal-oral über kontaminierte Lebensmitteln oder Trinkwasser. Der Erreger kann aber auch durch anal-orale Sexualpraktiken übertragen werden. Extraintestinale Manifestationen entstehen durch hämatogene Dissemination.
Inkubationszeit:
Sehr unterschiedlich, zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten; in Einzelfällen sind Inkubationszeiten von mehreren Jahren beschrieben.
Symptomatik:
Neben asymptomatischen Infektionen reichen die intestinalen Beschwerden von milden Verlaufsformen bis hin zu fulminanten Erkrankungen mit Fieber und blutig-schleimigen Durchfällen. Typischerweise findet sich eine ulzerative Kolitis vor allem im distalen Kolon. Eine wichtige lokale Komplikation stellt die Darmperforation mit nachfolgender Peritonitis dar. Amöben können die Darmschleimhaut durchdringen und hämatogen in andere Organe streuen. Die häufigste Form der extraintestinalen Amöbiasis ist der Leberabszess. Hierbei handelt es sich meist um ein schweres Krankheitsbild mit Fieber, Oberbauchbeschwerden und Gewichtsverlust . Die Leber ist bei 50% der Patienten vergrößert und druckdolent. Zusätzlich können gastrointestinale Symptome vorhanden sein, über eine Diarrhoe klagt aber höchstens ein Drittel der Patienten und oft sind intestinale Symptome nicht zu eruieren. Durch Perforation in benachbarte Organe können Lungenabszesse und Perikardergüsse entstehen. Grundsätzlich können durch hämatogene Streuung alle Organe betroffen werden. Entsprechend der Ausdehnung und Lokalisation der Abszesse treten verschiedene Symptome auf.
Diagnostik:
Da E. histolytica morphologisch nicht von anderen apathogenen Darmamöben wie E. dispar oder E. moshkovskii unterschieden werden kann, ist der Nachweis von Zysten oder Vegetativformen in Stuhlproben nicht ausreichend. Es sollte immer eine Differenzierung, z.B. mittels DNS-Analyse oder Koproantigen-ELISA, angestrebt werden. Bei extraintestinalen Manifestationen bildgebende Verfahren sowie serologischer Nachweis spezifischer Antikörper (ELISA, IFT, PHA).
Differentialdiagnose:
Andere infektiöse Darmerkrankungen (Shigellenruhr, Campylobacter, E.coli, Salmonellen). Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Kolonkarzinom, Abszesse anderer Ursachen, Echinokokkuszysten, einschmelzende Tumore.
Therapie:
Bei asymptomatischer Darmbesiedlung Paromomycin oder Diloxanide fuorat, bei allen Formen der invasiven Amöbiasis Metronidazol gefolgt von Paramomycin zu Sanierung der luminalen Darminfektion. Die Punktion von Amöbenleberabszessen ist nur in seltenen Fällen indiziert.
Prophylaxe, Immunität:
Zur Prophylaxe gehören allgemeine Maßnahmen der Nahrungsmittel- und Körperhygiene, Trinkwasseraufbereitung, Therapie von Ausscheidern.
Gesetzliche Regelungen:
Nach §6, Abs.1 IfSG ist die Erkrankung nur meldepflichtig, sofern zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird.

RMZ, 30.12.2011



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