Reiseinformationen - Polio-Eradikation und Vorkommen des Erregers in der Umwelt (Teil 2)


 

Die Sorge, dass Polioviren in der Umwelt überleben könnten, ist nicht unbegründet. Dies gilt nicht zuletzt auch für lebende Impfviren, wie sie im Polioschluckimpfstoff angewendet werden (Sasaki 2012). In der Zeit zwischen 2004 bis 2011 wurden in der Demokratischen Republik Kongo 70 Erkrankungen mit Lähmungserscheinungen registriert, die durch in der Region zirkulierende Polioimpfviren (VDPV2s) hervorgerufen wurden (Gumede 2013). Zunächst können Infizierte, egal, ob sie Lähmungserscheinungen aufweisen oder nicht und unabhängig davon, ob die Infektion durch lebende Polioimpfviren oder durch Poliowildviren erfolgte, den Erreger über mehrere Wochen mit dem Stuhl ausscheiden. Leicht können die Erreger über diesen Weg in Kanalisation und Abwässer gelangen und sich dort „festsetzen“. Diese Gefahr besteht auch in Ländern, die bereits seit vielen Jahren frei von Polio sind und eine gut durchgeimpfte Bevölkerung besitzen. (Schulman 2006)
Im Zuge der Poliobekämpfungsprogramme wird daher nicht nur nach Erkrankten Ausschau gehalten, sondern auch die Umwelt in Form von Gewässer- und Abwasserproben sorgfältig auf das Vorhandensein von Polioviren hin untersucht („Environmental Surveillance“). (Hovi 2012)


Environmental Surveillance
Regelmäßige Tests auf Polioviren in der Umwelt finden nicht nur in Nigeria (seit 2011)
und Pakistan (seit 2009) statt, sondern auch in 22 Ländern weltweit, die derzeit poliofrei sind, jedoch trotzdem als „gefährdet“ gelten wie Indien oder Ägypten sowie in 20 verschiedenen Ländern innerhalb Europas.

Ausbruch in Syrien
Im Oktober 2013 meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO, s.u.) 22 Fälle von schlaffer Lähmung. Mindestens 13 Fälle von Infektion mit WPV1 konnten bis zum 11. November 2013 laborbordiagnostisch nachgewiesen werden. Genetische Analysen des Erregers zeigten, dass eine große Ähnlichkeit mit dem Virussubtyp bestand, der im Dezember 2012 in Ägypten zirkulierte und dessen Ursprung wiederum in Pakistan vermutet wurde. Als Antwort auf die Wiederkehr der Kinderlähmung in Syrien sind für Dezember 2013 in sieben Ländern Massen-Impfkampagnen geplant, mit denen mehr als 22 Mio. Kinder im Nahen Osten, einschließlich Syrien, erreicht werden sollen. Die Impfprogramme sollen mindestens über 6-8 Monate weiterlaufen. (ECDC) Auch in Deutschland wird in Fachkreisen über eine pauschale Polioimpfung aller syrischen Flüchtlingskinder diskutiert. Ergänzend könnten bei Flüchtlingen Stuhluntersuchungen zum Nachweis von Polioviren durchgeführt werden.


Fazit

Sowohl Poliowildviren als auch Polioimpfviren (VDPV) können sich im Abwasser von Ländern finden, die bereits seit vielen Jahren als poliofrei gelten und deren Bevölkerung einen guten Impfschutz aufweist. Ein Übergreifen auf die Bevölkerung kann langfristig nicht ausgeschlossen werden. Insbesondere Ungeimpfte oder Ältere Personen mit lange zurückliegender Grundimmunisierung sind gefährdet.


Links


Literatur (Teil 1 + 2)

MG, 11.02.2015



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