Fachinformationen - Venezolanisches Hämorrhagisches Fieber


Venezolanisches hämorrhagisches Fieber

Erreger:
Guanaritovirus, aus der Familie der Arenaviridae (RNA). Mit dem Juninvirus (Argentinisches hämorrhagisches Fieber), dem Machupovirus (Bolivianisches haemorrhagisches Fieber) und dem Sabiavirus (Sao Paulo hämorrhagisches Fieber) gehört es zu den Erregern der Südamerikanischen hämorrhagischen Fieber. Die Erreger zeigen große Unterschiede in ihrer geographischen Verteilung und nutzen unterschiedliche ökologische Nischen. Die von ihnen hervorgerufenen Krankheiten unterscheiden sich jedoch nicht nennenswert voneinander. Das (west)afrikanische Äquivalent zu diesen Krankheitsbildern ist das Lassafieber.
Verbreitung:
Vorwiegend in den venezolanischen Bundesstaaten Portuguesa und Barinas
Infektionsweg:
Als Erregerreservoir fungieren Nagetiere, insbesondere Zygodontomys brevicauda. Das Guanaritovirus wird durch den Kontakt mit Nagetierausscheidungen übertragen. Der Erreger kann über die verletzte Haut sowie durch Einatmen von kontaminiertem Staub oder aerosolisiertem Blut der Tiere (Mähdrescher) übertragen werden.
Inkubationszeit:
6-14 Tage
Klinik:
Im Vordergrund der Symptome steht ein akut einsetzendes Fieber, gefolgt von Kopfschmerz, Muskelschmerzen, Halsschmerzen, Erbrechen und/ oder Durchfall. Zusätzlich kommt es recht häufig zu mehr oder weniger starken Blutungen. Labor: Thrombo- und Leukozytopenie. Die Letalität der Erkrankung liegt – u.a. abhängig von Auftreten neurologischer Komplikationen – bei 30 – 70%. Besonders schwere Verläufe finden sich bei Schwangeren.
Diagnostik:
Goldstandard der Diagnostik ist der direkte Virusnachweis mittels RT-PCR. Auch eine Anzucht in der Zellkultur ist möglich. Voraussetzung für den Umgang mit humanpathogenen Arenaviren ist jedoch ein Labor der höchsten Sicherheitsstufe (S4). Etwa zwei bis vier Wochen nach Beginn der Symptome lassen sich erste Antikörper nachweisen. Im Rekonvaleszenten-Serum finden sich meist IgG- und IgM-Antikörper.
Therapie:
Versuch einer Behandlung mit Ribavirin ist zu erwägen. Ansonsten vor allem supportive Therapie.
Prävention, Immunität:
Eindämmung der Nagetierpopulation, insbesondere während der Erntezeiten. Bei der Versorgung von Patienten ist auf strikte Isolation und Barrier-Nursing zu achten. Ein Impfstoff gegen das Venezolanische hämorrhagische Fieber existiert nicht, jedoch wurde bereits ein Impfstoff gegen Argentinisches hämorrhagische Fieber entwickelt, der auch einen Schutz vor der bolivianischen Variante der Erkrankung bietet.
Gesetzliche Regelungen:
Viral bedingte hämorrhagische Fieber sind meldepflichtig bei Verdacht, Erkrankung und Tod.


Quellen


Links

 

MG, 19.09.2014



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