Reiseinformationen - Nexus-Approach - Klimawandel


Klimawandel und Hunger: der Nexus-Ansatz

Der UN-Informationsdienst IRIN ist ein Teil der 1994 gegründeten OCHA (United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs). Die Abkürzung „IRIN“ steht für „Integrated Regional Information Networks“. Ziel ist es, Öffentlichkeit und Entscheidungsträger besser über humanitäre Probleme zu informieren und so zu effektiveren Hilfsmaßnahmen beizutragen.

IRIN berichtete am 24. April 2013 über neue Denkansätze zur Hungerbekämpfung.

Studien in Indien und mehreren afrikanischen Staaten zeigten, dass Kinder, die während Naturkatastrophen geboren wurden, deutlich häufiger von Unterernährung betroffen waren als andere Kinder. Mit zunehmender Häufigkeit extremer Wetterereignisse wäre daher auch mit ungünstigen Effekten auf die Welternährungslage zu rechnen. Mit Sorge betrachten Experten die zunehmende Kommerzialisierung von Grundbedürfnissen und Gemeingütern. Genauso wenig akzeptabel, wie einem Armen die Atemluft zu verweigern, sei es, Menschen hungern zu lassen, wenn sie sich keine Grundnahrungsmittel leisten können.

Klimagerechtigkeit und der Nexus-Ansatz
Unter dem Begriff „Climate Justice“ wird derzeit das Phänomen diskutiert, dass gerade diejenigen Teile der Weltbevölkerung am meisten unter Folgen des Klimawandels leiden, die ihn am wenigsten verschuldet haben. Das Augenmerk von Hilforganisationen richtet sich daher besonders auf diese Bevölkerungsgruppe. Erfahrungen vieler Jahre Entwicklungshilfe haben gezeigt, dass die Beschränkung auf einzelne Lebensbereiche oft wenig erfolgreich ist. Vielversprechender sind Ansätze, die die starren Grenzen einzelner Sektoren überwinden. Wenn es darum geht, inwieweit der Klimawandel die Nahrungsmittelsicherheit in den ärmsten Ländern tangiert, so wäre eine enge Zusammenarbeit der Sektoren Gesundheit, Landwirtschaft, Umweltschutz sowie Wasser- und Landmanagement sinnvoll. Eine solche Herangehensweise mit sektorübergreifenden simultanen Maßnahmen wird als Nexus-Ansatz bezeichnet. Komplexe Probleme lassen sich nicht mehr nur durch eine einzelne Gruppe oder innerhalb eines einzelnden Sektors lösen. Das Denken innerhalb abgesteckter Verantwortungsbereiche kann durch politische Verantwortungsträger oder innerhalb einzelner Ministerien jedoch geradezu zementiert werden. Auch Gelder der Entwicklungshilfe fließen oft in starr festgelegte Sektoren. IRIN fand in den Bereichen Hunger/Ernährung/Gesundheit sowie in den Bereichen Wasser/Energie/Ernährung rigide Organisationsstrukturen als Haupthindernis für die Etablierung sektorenübergreifender Maßnahmen.

Resilienz
Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit eines Systems, z.B. einer Dorfgemeinschaft, trotz widriger Umstände und Störungen von außen, immer wieder schnell zurück in einen stabilen Zustand zu gelangen. Das typische Beispiel für ein resilientes System ist ein „Stehaufmännchen“. Ein Ziel, das sektorübergreifend verfolgt werden kann, ist die Resilienz einer Bevölkerungsgruppe zu erhöhen und sie damit widerstandsfähiger gegenüber Wetterereignissen oder Missernten zu machen. Hier können auch verschiedene Synergismen zum Vorteil des Gesamtsystems genutzt werden, beispielsweise sind gut genährte Menschen eher in der Lage, extreme Wetterereignisse zu bewältigen als Mangelernährte. Und verbesserte Strategie im Umgang mit Naturkatastrophen wiederum können dazu beitragen, dass Nahrungsmittelengpässe vermieden werden. Sind innerhalb einer „Community“ die Versorgung mit Nahrungsmitteln und sauberem Trinkwasser sowie Unterkunft und Gesundheitsversorgung gesichert, so ist davon auszugehen, dass die Bevölkerung über eine hohe Resilienz verfügt.

Dezentralisierung
Die Nobelpreisträgerin für Wirtschaftswissenschaften Elinor Ostrom untersuchte, inwieweit knappe für die Allgemeinheit zugängliche Güter so verwaltet werden können, dass daraus kein Raubbau und keine Verwahrlosung des Gemeinguts folgt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass sog. Almendegüter keineswegs zentral verwaltet oder privatisiert werden brauchen, um für die Allgemeinheit von Nutzen zu sein. Ein Management der Güter durch lokale Gescheinschaften kann sehr erfolgreich sein. Besonders dann, wenn es auf gemeinsam vereinbarten Regeln basiert, deren Einhaltung auch verbindlich eingefordert wird. Oft sind kleine an die jeweiligen Verhältnisse angepasste lokale Lösungen wirkungsvoller als eine zentralistisch angeordnete Problemlösung „von oben“ (Polycentric Approach).

Problem-orientiertes Denken
Lawrence Haddad vom Institute of Development Studies der Universität Sussex äußerte bei IRIN, dass den meisten Menschen durchaus bewusst sei, dass wir in einer komplexen Welt leben, dass aber gerade Regierungen, Stiftungen und Forscher sich weiterhin den Luxus gönnen, die Welt in einzelne Sektoren zu fragmentieren. Ein Weg, um diese Einstellung zu verändern, könnte die Einführung des Problem-orientierenden Lernens an Schulen und Universitäten sein. Viele Experten befürworten die Etablierung eigener Budgets für die interdisziplinäre und vernetzte Arbeit an Problemlösungen. Darüberhinaus könnten durch internationale Verträge Anreizsysteme für Länder geschaffen werden, in die Versorgungssicherheit der ärmsten Bevölkerungsschichten zu investieren.

Fazit
Komplexe Probleme lassen sich meist nur mit sektorenübergreifenden Strategien in den Griff bekommen. Dies gilt wahrscheinlich auch für die Gewährleistung einer ausreichenden Versorgung mit Wasser, Nahrungsmitteln und Energie bei besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen.


Quellen

 

 

MG, 12.07.2013



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