Reiseinformationen - Das Neue Coronavirus (MERS-CoV)


Das Neue Coronavirus

Seit dem SARS-Ausbruch hat die internationale Gemeinschaft der Virologen ein Auge auf die Familie der Coronaviren. Weitere unangenehme Überraschungen erschienen nicht ausgeschlossen.

Rund 10 Jahre später – am 13. Juni 2012 – wurde in Saudi-Arabien ein 60-jähriger Mann in das Krankenhaus der Hafenstadt Jeddah eingeliefert. Der Patient litt seit sieben Tagen an Husten, Fieber und Kurzatmigkeit. Elf Tage nach der Krankenhauseinweisung verstarb er an Lungen- und Nierenversagen. Am 20. September 2012 wurde das "Middle East respiratory syndrome coronavirus" (MERS-CoV) erstmals nachgewiesen.

Bald wurden weitere Erregernachweise gemeldet. 

 

Bildquelle: BNI / BW

Aktueller Stand

seit September 2012 wurden weltweit mindestens 1.611 labordiagnostisch bestätigte Erkrankungen durch Erreger des "Middle East respiratory Syndromes", MERS, mit mindestens 575 Todesfällen registriert. Die Erkrankungen traten auf vor allem in Saudi-Arabien sowie in Katar, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, vereinzelt im Iran oder im Zusammenhang mit vorangegangenen Aufenthalten in diesen Ländern. Insgesamt Abnahme der Erkrankungsaktivität in Saudi-Arabien. Die Gesamtzahl der seit September 2012 diagnostizierten Fälle liegt nach Angaben der saudischen Behörden bei 1.275 Infektionen mit 544 Todesfällen. Es werden seit geraumer Zeit auf relativ niedrigem Niveau, aber kontinuierlich, Neuinfektionen registriert, derzeit vor allem in der Hauptstadt Riad. Der größte Teil der Infektionen dürfte auf den engen Kontakt mit Infizierten (im Krankenhaus oder innerhalb der Familie) zurückzuführen sein. Experten schließen die Zirkulation des Erregers innerhalb der gesunden Bevölkerung nicht aus. Eine Überlegung, die besonders im Hinblick auf die Hadj mit hunderttausenden internationalen Besuchern in Mekka, zur Sorge Anlass gibt. Das Übertragungspotential des Erregers bei Kontakten mit Dromedaren wird nach Studienlage hingegen als gering eingestuft. (MOH 03.11., WHO Stand v. 05.11., ProMED 04.11., ECDC 03/ 2015, CIDRAP)

Neuere in Saudi-Arabien durchgeführte Querschnittsuntersuchungen zeigten jedoch ein bei Kamelzüchtern und Arbeitern in Schlachtbetrieben 15- bzw. 23-fach häufigeres Auftreten von Antikörpern als bei der Normalbevölkerung. Dies deutet auf eine größere Verbreitung des Erregers hin als zunächst angenommen, jedoch auch darauf, dass der größte Teil der Infektionen asyptomatisch verläuft oder zumindest nur mit geringen, vorübergehenden Beschwerden verbunden ist. (Müller et al. 2015)

Inzwischen liegt die Zahl der nachgewiesenen Infektionen in Südkorea bei 186, 36 Todesfälle. Seit 4. Juli wurde keine bestätigte Neuinfektion mehr registriert. Es handelte sich bei den Patienten überwiegend um Krankenhauspersonal, Personen mit engen Kontakte zu Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie primär um Kontaktpersonen eines Geschäftsreisenden, der sich innerhalb von 14 Tagen vor Ausbruch der Erkrankung im Nahen Osten aufgehalten hatte. Als Reiseländer wurden Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate, Saudi-Arabien und Katar genannt. Der Indexpatient habe landwirtschaftliche Betriebe besucht, daher kann eine Ansteckung über Tierkontakte (Dromedare) nicht ausgeschlossen werden. Es ist der größte Ausbruch der Erkrankung außerhalb von Saudi Arabien. Eine (geringe) Ansteckungsgefahr dürfte jedoch weiterhin eher in einigen arabischen(!) Ländern u.a. bei engem Kontakt mit Dromedaren oder der Pflege von an MERS erkrankten Patienten bestehen. (WHO 14.07., ProMED 05.08., Korean MOH 12.08.) Graphiken zur Häufigkeit/ Verteilung der MERS Fälle in Südkorea finden sich unter: http://issue.visualdive.co.kr/mers/

Kuwait: Aktuell wird eine Ausgangssperre von –23 Uhr bis 5 Uhr aufrechterhalten. Die deutsche Botschaft in
Ouagadougou ist derzeit über den Bereitschaftsdienst erreichbar und wird am 25. September ab 9.00 Uhr Ortszeit wieder geöffnet.

Jordanien: Seit Anfang 2015 kam es zu bislang bestätigten 13 Erkrankungen mit fünf Todesfällen. Die Ansteckung erfolgte nach Angaben der Behörden vor allem im Rahmen von Pflegekontakten über einen Patienten im Krankenhaus. (Jordan News Agency 28.08., WHO 06.09., ProMED 22.09.)

Vereinigte Arabische Emirate
: Erkrankungsfall bei einem 65-jährigen Mann aus der Eastern Region. Die Übertragung des MERS-Virus erfolgt wahrscheinlich am häufigsten über den engen Kontakt mit infizierten Dromedaren sowie im Rahmen der Pflege Erkrankter. Nähere Hintergründe zum vorliegenden Fall sind noch nicht bekannt. (WHO 16.06.)

Oman: Erkrankungsfall bei einem 75-jährigen Mann aus dem Oman. Die Diagnosestellung erfolgte jedoch im Rahmen eines Thailand Aufenthaltes. Mindestens 59 Personen, die in engeren Kontakt mit den Patienten gekommen waren, werden derzeit von den Gesundheitsbehörden beobachtet. (Bangkok Post 19.06.)

Krankheitszeichen

Ähnlich wie bei SARS stehen auf bei Infektionen mit MERS-CoV Fieber, Husten und Kurzatmigkeit im Vordergrund. Im weiteren Verlauf kann sich schnell eine schwere Lungenentzündung sowie ein Nierenversagen entwickeln. Es wäre auch vorstellbar, dass die Infektion häufig nur mit milden Atemwegssymptomen einhergeht, diese milden Verläufe aber unentdeckt bleiben. Inzwischen wurden bereits eine Reihe von asymptomatischen Infektionen registriert. Auffällig ist, dass bisher nur Infektionen bei Erwachsenen beobachtet wurden.

Übertragung
Weiterhin ist der Übertragungsweg des Erregers sowie die Ansteckungsquelle unklar. Ähnlich wie bei SARS könnte der Erreger von einem Tier auf den Menschen übergesprungen sein. Fledermäuse kämen als natürliches Reservoir in Betracht. Diese Hypothese wird gestützt durch die Tatsache, dass ein sehr ähnliches Coronavirus bereits früher schon in Fledermäusen nachgewiesen wurde. Inzwischen wurde der Erreger in Fledermäusen der Art Taphozous perforatus nachgewiesen. Selbst wenn Taphozous perforatus das Reservoir für den Erreger darstellt, muss die Ansteckung nicht direkt über Kontakt mit Fledermäusen erfolgt sein. Ähnlich wie bei SARS könnte die Ansteckung auch über ein anderes Tier erfolgen, das wie der Larvenroller als Zwischenwirt fungiert. Es wurden Infektionen mit dem Erreger auch bei Dromedaren nachgewiesen. In einem aktuellen Fall zeigte das Tier sogar Krankheitszeichen. (Cidrap 11.11.13, Cidrap 12.11.13) Neuere Studien stützen die Hypothese derzufolge Dromedare eine relevante Rolle bei der Übertragung des Erregers spielen. (Eurosurveillance 21.04.14, Müller et al. 2015) Eine direkte Übertragung von Mensch-zu-Mensch erscheint ebenfalls möglich zu sein, zumal Fallhäufungen innerhalb von Familien und im Umfeld von künstlich beatmeten Patienten beobachtet wurden. Wäre dies der Fall, so dürfte die Ansteckungsgefahr bei direktem Kontakt mit dem Patienten jedoch nur sehr gering sein. Am wahrscheinlichsten wäre eine Übertragung des Erregers durch Tröpfcheninfektion über sehr kurze Distanzen. (Cidrap 19.05.14) Neuere Erhebungen in Saudi-Arabien zeigten, dass mehr als 70% der aktuellen Übertragungen im Zuge der intensivmedizinischen Behandlung von Patienten zu verzeichnen waren. (Saudi MOH 04.11.14) In Expertenkreisen wird derzeit diskutiert, ob der Kontakt mit rohem Fleisch infizierter Dromedare, dessen Verzehr sowie das Trinken unpasteurisierter Dromedarmilch ebenfalls zu einer Ansteckung führen könnte. (ProMED 01.04., CDC) Die Inkubationszeit scheint bei drei bis zwölf (maximal 14,5) Tagen zu liegen. In den meisten Fällen treten die Symptome innerhalb von zehn Tagen nach Ansteckung auf.
 

Bildquelle: Bloch/Himmel
 

Diagnostik
Das MERS-CoV kann in einer Nierenzellkultur angezüchtet werden. Der direkte Nachweis erfolgt mittels molekularbiologischer Diagnostik (RT-PCR). Auch Schnelltests sind möglich.

Fazit
Erreger aus der Familie der Coronaviren müssen sorgfältig beobachtet werden. Dies gilt besonders für Viren wie SARS-CoV und MERS-CoV, die auch direkt von Mensch-zu-Mensch übertragen werden können. Reisende in die entsprechenden Länder sollten auf das Vorkommen von MERS higewiesen werden. Von engeren Kontakte mit erkrankten Personen sowie von dem Essen unzureichend erhitzten Dromedarfleisches oder Trinken unpasteurisierter Dromedarmilch wird abgeraten. Die internationale Wissenschaftsgemeinde hat schnell und effektiv auf den aktuellen Ausbruch reagiert. Innerhalb von Wochen wurde ein Testsystem entwickelt, die Inkubationszeit ermittelt, eine Falldefinition erarbeitet und ein Meldesystem etabliert. Weitere Forschung ist erforderlich, u.a. zur Aufklärung des Erregerreservoirs, der Übertragungswege sowie gegebenenfalls zur Entwicklung eines Impfstoffes.


Quellen und weiterführende Informationen

 

MG, 05.11.2015



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