Fachinformationen - Abwrackwerft Chittagong


Zwanzig Kilometer südwestlich von Chittagong, an einem Standabschnitt bei Fauzdarhat, liegt das Zentrum von Bangladeschs Abwrackindustrie. Mehr als 3.000 ausrangierte Schiffe, teilweise mit giftigem Inhalt, wurden in den letzten fünf Jahren in asiatische Schiffsabwrackwerften exportiert, unter anderem nach Chittagong. Um seinen Bedarf an Stahl und Eisen zu decken, ist Bangladesch scheinbar auf das Zerlegen und Recyclen der Schiffe („ship scrapping“) angewiesen. 80-90 % der Metalle, die in Bangladsesch verarbeitet werden, stammen aus diesem Sektor. Die Arbeit an den Schiffen umfasst eine Vielzahl von Aktivitäten, von der Entfernung des Getriebes und der (Innen) Einrichtung bis zum Recycling des Grundgerüstes. Je nach verrichteter Arbeit und Erfahrung der Arbeiter variiert der Tageslohn von einem bis drei US Dollar.

Aufgrund mangelnder gesetzlicher Regelungen, gibt es offenbar keine Sicherheits- und Gesundheitsvorschriften für die Arbeiter vor Ort. Diese zerlegen die ausgedienten Schiffe mit bloßen Händen, einfachsten Werkzeugen und ohne jegliche Schutzkleidung,- brillen oder –masken. In den letzten zwanzig Jahren kam es, nach verschiedenen Quellen, bis zu 400 Todesfällen und rund 6.000 ernsthaften Verletzungen durch die Arbeit an den Wracks. Die Hauptursachen für Unfälle sind herabstürzende Stahlteile, Gasexplosionen und Feuer, sowie die Inhalation von CO2 und anderen schädlichen Gasen, die sich in den Schiffsrümpfen befinden.

Daneben stellen die langen, monotonen Arbeitszeiten, unregelmäßige und unzureichende Ernährung sowie kontaminiertes Trinkwasser aufgrund mangelnder sanitärer Einrichtungen eine Gesundheitsgefährdung dar. Asbesthaltiger Staub beim Verlegen der Schiffsstrukturen führt zu respiratorischen Problemen, Asthma, Lungenentzündungen, Husten und Brustschmerzen. Es kommt zu Verbrennungen, tiefen Schnitten, verschiedensten Frakturen, aber auch zu Ohnmacht und in Extremfällen zu abgetrennten Extremitäten. Auch Hautprobleme durch Kontakt mit Chemikalien, Öl und giftigen Metallen sind häufig. Diese Substanzen belasten gleichzeitig die Umwelt in der Region. In der Regel leiden die Arbeiter unter vielfältigen, teilweise chronischen Erkrankungen.Bei akuten Unfällen ist eine sachgemäße medizinische Versorgung nicht gesichert. Vor dem Hintergrund ihrer geringen Löhne, der Entfernung sowie des hohen Verkehrsaufkommens und den mit einer Behandlung verbundenen Kosten, sind die meisten Arbeiter nicht in der Lage die vorhandenen Einrichtungen in der Stadt zu nutzen.


In der Hoffnung auf bezahlte Arbeit kommen die Menschen aus vielen Regionen des Landes. Die meisten von ihnen sind zwischen 20 und 39 Jahre alt (rund 66 Prozent). Kinder und Personen im fortgeschritten Alter sowie Frauen finden sich selten in den Abwrackwerften, da sie körperlich sehr belastende Arbeit nicht leisten können. Allerdings sind die Familienangehörigen der Arbeiter ebenfalls in ihrer Gesundheit gefährdet, da Boden, Grundwasser und die damit bewässerten Nahrungsmittel (Reis etc.) mit Rückständen von Schmermetallen und Ölen belastet sein können. Aufgrund der gesundheitlichen Belastungen muss ein Großteil der Männer (89 Prozent) die Tätigkeit nach zwei bis zehn Jahre aufgeben. Ihr allgemeiner Gesundheitszustand hat sich in dieser Zeit oftmals sehr verschlechtert.

Chittagong ist nicht die einzige von der Thematik betroffene Region. Auch im indischen Alang blüht das Geschäft in der örtlichen Abwrackwerft. Den negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen wird ebenfalls nur wenig Beachtung geschenkt. Es ist anzunehmen, dass es ähnliche Situationen überall auf der Welt gibt. Die genannten Orte stellen die bekanntesten und am stärksten betroffenen Regionen dar.

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Quelle

 

NS, 08.04.2013



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