Fachinformationen - Doping im Sport


Doping im Sport

Der menschliche Körper besitzt Schutzmechanismen, die eine Überbelastung verhindern. Die sogenannte Mobilisationsschwelle normal trainierter Personen liegt bei etwa 70 Prozent. Die restlichen 30 Prozent werden nur in Ausnahmesituationen (wie bei Todesangst) freigesetzt. In diesem Fall werden durch Signale des Mittelhirns große Mengen von Nebennierenhormonen freigesetzt (Adrenalin und Cortisol), die die Voraussetzung für starke Aktivierungsprozesse schaffen. Bei hochtrainierten Athleten soll die willentliche Ausschöpfung der Leistungsreseven bei 90-95% liegen. Um an ihre äußersten Leistungsgrenzen zu gelangen scheuen viele Sportler nicht davor zurück gesundheitsschädliche Doping-Mittel einzusetzen.

Bildquelle: D. Zimmer

Doping wird laut der World Anti-Doping Agency (WADA) als nachweislicher Konsum gelisteteter Substanzen und die Anwendungen illegaler Methoden, zum Zweck der Leistungssteigerung für Wettkämpfe bezeichnet.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts nahmen Ausdauersportler vor allem Stimulanzien wie Amphetamine und sogar Strychnin und Heroin, um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. In den 60-er bis 80-er Jahren wurden zum Muskelaufbau vorrangig anabole, androgene Steroide wie Testosteron und Dihydrotestosteron sowie Somatotropin genutzt. Sie sollen die Skelettmuskelmasse, die Hämoglobinkonzentration und die Zahl der roten Blutkörperchen steigern. Außerdem wird durch Einnahme dieser Steroide die Abnahme des Körperfettanteils bei gleichzeitiger Kontrolle der Körperfettverteilung angestrebt sowie eine verstärkte Calciumaufnahme der Knochen.

Seit einigen Jahren wird bei Ausdauersportlern vermehrt auf Blut-Doping zugegriffen. Diese Methode ist eine mit Sauerstoff angereicherte Bluttransfusion, die darauf abziehlt den Anteil der roten Blutkörperchen im Blutkreislauf zu erhöhern, sodass mehr Sauerstoff von der Lunge in die entsprechenden Muskeln gelangen kann. Ebenso werden künstlich hergestellte Präperate verwendet die das Hormon Erythropoetin (Epo) enthalten und die stimuliert Produktion roter Blutkörperchen stimmuliert. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit. Bei beiden Methoden ist der Nachweis schwer zu erbringen.

Die Methoden des Missbrauchs werden immer ausgefeilter und sind schwieriger zu erkennen. Zwar ist es seit zwei Jahren gelungen Gen-Doping („Gene Therapy“) auf lange Zeit nachzuweisen, doch solche Methoden fordern zunehmend den Einsatz von kostspieligen und komplexen analytischen Verfahren der Biotechnologie und molekularen Medizin.

Bildquelle: W. Schönherr

Doping im Breiten-und Freizeitsport

In einigen Sportarten ist aktives Doping ein offenes Geheimnis, besonders Radfahrer waren im Focus der Öffentlichkeit. Ständige Gerüchte und Doping-Geständnissen führten zu schärferen Kontrollen im Leistungssport. Doch Experten schätzen, dass der Einsatz von Testosteron-haltigen Anabolika (anabole Steroide) auch im Breiten-und Freizeitsport immer weiter zunimmt. Da es zu diesem Thema keine verlässlichen Erhebungen und belastbare Zahlen gibt, bleibt allerding weiterhin offen, wie verbreitet das Phänomen tatsächlich ist.

Eine Studie des Robert-Koch-Instituts („Kolibri“-Studie), für die mehr als 6.000 Menschen anonyme Angaben gemacht hatten, kam 2011 zu dem Ergebnis, dass weniger als ein Prozent der Deutschen schon gedopt hätten.

Mischa Kläber, Sportsoziologe der TU Darmstadt geht allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer sehr viel größer sei. Er bemängelt die Studie des RKI`s aufgrund ihrer "unspezifischen, aufwendigen und zu breit angelegten" Befragungsmethodik. Seinen Schätzungen nach konsumieren mehr als eine Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig illegale Mittel um ihre Leistung zu steigern und sich Vorteile bei Wettkämpfen zu schaffen. Bei aktuell ca. sechs Millionen registrierten Kunden kommerzieller Fitnessstudios ergebe seine Hochrechnung allein für Deutschland hunderttausende Doping-Konsumenten im Freizeitsport.

In Internetforen, Sportvereinen und Fitnessstudios werden Wissen und Erfahrungen z.B. über die vermeintlich perfekten Präperate und Dosierung ausgetauscht. Mischa Kläber berichtet von "hierarchisch aufgebauten Dopingnetzwerken". Es beginnt oftmals harmlos, mit Eiweißdrinks oder dem beliebtem Kreatin. Diese Mittel sind legal zu erwerben, doch häufig sind sie der Einstieg in eine Szene hinter der ein gewaltiger Schwarzmarkt steht. Dort werden zumeist illegale Hormon- und Anabolikapräperate gehandelt, dessen überteuerte Angebote oft aus China oder Thailand stammen und meist schlechter Qualität sind. Das Wissen um die Nebenwirkungen der eingenommenen Substanzen ist mangelhaft, was dazu führt, dass hochdosierte Steroideinnahmen über längere Zeiträume keine Seltenheit sind. (Weitere Artikel und Hintergründe)

Bildquelle: Werner Schönherr

Nebenwirkungen von Anabolika

Die Steroidstruktur der Substanzen geht in unphysiologischer Dosierung mit einer Lebertoxizität einher und kann schließlich auch die  Bildung von Tumoren induzieren. Durch Suppression des für die körpereigene Testosteronproduktion verantwortlichen gonadalen Regelkreises über intrazelluläre Steroidhormonrezeptoren kommt es infolge negativer Rückkopplung bei beiden Geschlechtern zum Abfall des Gonadorelins.

Fazit

Betrachtet man die Hintergründe des Dopingverhaltens im Freizit- und Breitensport, stehen insbesondere drei Aspekte in ihrer Interaktion im Vordergrund, die ein derartiges Verhalten begünstigen:

Bildquelle: Till Bartels

Doch wie begegnet man diesen begünstigenden Faktoren?

Freizeit-und Breitensport sind heutzutage nicht nur ein unverzichtbarer Teil des Sportangebotes für die Bevölkerung, eine regelmäßige Sportausübung trägt auch zur Gesundheitförderung bei. Trotz zahlreicher Bemühungen um eine wirksame Prävention von Arzneimittelmissbrauch im Freizeit- und Breitensport, gibt es bisher keine abgestimmten Präventionsstrategien. Um eine strukturelle Veränderung zur Verringerung der Doping-Zwänge zu errreichen, dürfen sich Verbände und Ministerium auch im Bereich des Freizeit-und Breitensport nicht aus der Verantwortung stehlen und die Schuld beim Sportler abladen.

Allerdings sind kompetente Trainingsberatung und -betreuung wesentliche Voraussetzungen. Die Doping-Prävention müsste bereits in Schulen (z.B. im Sportunterricht) und in Jugendzentren Gegenstand der Gesundheitserziehung sein. Doch der Ansatz sollte nicht allein auf den Kontext Sport beschränkt werden. Er sollte ebenso darauf abziehlen, in alle Bereichen des täglichen Lebens (darunter auch in einschlägigen Fitnessstudios) zu dringen und durch weitere systematische Untersuchungen zur Aufklärung beizutragen sowie ein kritisches Bewusstsein gegenüber leistungssteigernden Mitteln zu wecken.

Quelle:

Weitere Artikel:

SH, 28.01.2013



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