Reiseinformationen - Smog in Peking


Smog in Peking und anderswo

Die Feinstaubkonzentration in der chinesischen Hauptstadt Peking betrug am 8. März 2014 (1:00 Ortszeit) 197 μg/m³ (Beijing Air Pollution). Zum Vergleich

Generell sind Schadstoffkonzentrationen der Luft in Peking sehr hoch. Werte  bis 500 µg/m³ werden mehrmals pro Jahr erreicht.

Eine Studie von Greenpeace und der Universität Peking ermittelten 2012 8.572 vorzeitige Todesfälle in vier Städten (Peking, Guangzhou, Shanghai, Xian) aufgrund starker Luftsverschmutzung. Die Weltbank bezifferte die wirtschaftlichen Verluste durch Umweltverschmutzung in China auf 4.3% des Bruttosozialproduktes. Erwartungsgemäß sind sozial benachteiligte Personen am stärksten betroffen.

Bildquelle: D. Zimmer

Man gehe (laut BMJ) in der chinesischen Regierung z.Z. noch davon aus, dass eine Verbesserung der Situation erst in zwei Jahrzehnten möglich sei. Die kurzzeitige Schließung von Fabriken sei nach Einschätzung der Univ. Hong Kong (School of Public Health) weitgehend wirkungslos. Und die Zahl privater Autobesitzer steige weiterhin um 25% pro Jahr.

Ein Großteil der neuen Fahrzeuge kommt von deutschen Herstellern: allein BMW, Mercedes, Audi und Porsche verkauften 2012 959.000 Neuwagen nach China, hinzu kommt der Transport von Gebrauchtfahrzeugen minderer Qualität. China sei damit 2013 erstmals beim Autoverkauf Absatzland Nummer eins für deutsche Hersteller. (dpa 28.01.2013)

Die Zustände in den Großstädten Chinas erinnern an die Smog-Katastrophen in Europa und Nordamerika in der Zeit der Industrialisierung: z.B. Chicago 1913. Die Ursachen des Smogs liegen in vielen Ländern mit zunehmender Industrialiserung nicht nur bei Auto- und Industrieabgasen, hinzu kommen Feinstaub durch Müllverbrennung bei relativ niedrigen Temperaturen und häusliches Heizmaterial niedriger Brennqualität. So konnte z.B. in China ein Zusammenhang zwischen Verbrennung von bitumenhaltigen Materialien und Lungenkrebs nachgewiesen werden (Burki 2012).

Vergleichbar katastrophale Smogereignisse in Asien (Bangladesh, Iran, Afghanistan, Nepal, Pakistan) schafften es im Januar 2013 nicht in die Schlagzeilen. Der Guardian nahm sich jedoch des Themas an und berichtete, allein in Teheran sei die Belastung so stark gewesen, dass die Behörden Schulen und andere öffentliche EInrichtungen schließen mussten. 2012 sollen in Teheran 4.500 Menschen an den Folgen von Smog verstorben sein. 2011 sollen 3.2 Millionen Personen an den Folgen von Lufbelastung gestorben sein, gegenüber 800.000 im Jahr 2000. Die höchsten Steigerungsraten von Smogbelastung würden weltweit die Städte Pune, Mumbai, Nagpur und Ahmedabad aufweisen. (Guardian 25.01.2013)

 Bildquelle: D. Zimmer

Krankheiten im Zusammenhang mit hohen Feinstaubbelastungen sind in Industrienländern relativ gut beschrieben (WHO 2005). Bei hohen Konzentrationen von Feinstäuben in der Luft steigt die allgemeine Krankheitsbelastung und auch die Sterblichkeit. Besonders belastet sind die Atemwege und das Herzkreislaufsystem. Schlaganfälle, Herzinfarkte, Störungen der kognitiven Wahrnehmung und auch die Entwicklung von Demenz nehmen bei Smog deutlich zu (Devi 2013). Der Grund: Partikel, die kleiner sind als 2,5 μm (ein Dreizehntel eines Haardurchmessers können durch die Nase über die Bluthirnschranke hinweg ins Gehirn gelangen. (Weuve 2012). Bei Schlaganfällen wurden Zunahmen bis zu 35% beobachtet. (Wellinius 2012)

Besonders schädlich wirkt sich Luftverschmutzung auf die Entwicklung der Schwangerschaft und der kindlichen Hirnentwicklung aus (CCCH). Kinder sind auch deshalb intensiv betroffen, weil Feinstaubstaubbelastung die Entwicklung von Autoimmun-, allergischen und rheumatischen Erkrankungen begünstigt (Ritz 2010, Farhat, 2011, Vidotto 2012). Auch Stressstörungen und stress-assoziierte Erkrankungen nehmen bei starker Lufverschmutzung zu (Shields 2013). Zusammenhang Schadstoffpartikel und Stress: Die Dämpfung von Stress erfolgt u.a. über den Vagusnerven. Eine wichtige Funktion des Vagusneven ist es, am Herzen für einen flexible Anpassung des Herzrhythmus zu sorgen. Ein Maß für die intakte Vagusfunktion ist die so genannte Herzschlagvariablität, HRV. Die HRV nimmt unter starker Belastung der Atemluft ab. Ein diskutierte Ursache wäre zellulärer Stress von Immunzellen, die mit Partikeln konfrontiert sind. Ihre Aktivierung könnte das Immunsystem insgesamt in erhöhte Alarmbereitschhaft versetzen und damit über den Vagus laufende dämpfende Reflexe stören.

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Quellen

 

HEF, MG, 02.07.2014



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