Fachinformationen - Reisen mit Osteoporose


Reisen mit Osteoporose

Mit dem Alter werden die Knochen brüchiger. Bei Kindern ist die Knochensubstanz von starkem Bindegewebe ummantelt, das auch bei Rissen oder unkomplizierten Brüchen die innere Knochensubstanz noch in ihrer Form halten kann („Grünholzfraktur”). Im Alter wird diese Knochenhaut dünn, das umgebende Gewebe wird bei Knochenbrüchen schwerer verletzt. Der Heilungsprozess verläuft langsamer. Mit zunehmendem Lebensalter verändert sich auch die Knochensubstanz: sie wird aufgelockerter, dünner und enthält auch weniger Markzellen, die für die Blutbildung und Immunabwehr verantwortlich sind. Die Produktion des weiblichen Hormons Östrogen, das u.a. auch die Einlagerung von Calcium in die Knochenstruktur fördert, geht nach den Wechseljahren zurück. Eine krankhafte Verminderung der Knochensubstanz (Osteoporose) betrifft daher besonders Frauen in der zweiten Lebenshälfte oder Frauen, die im Rahmen einer Tumorbehandlung Chemotherapeutika oder anti-hormonell aktive Substanzen einnehmen müssen.

Osteoporose äußert sich meist mit Beschwerden und Schmerzen im Bereich der Bewegungsorgane, des Rückens und in einer Verminderung der Körpergröße (gleichzeitige Rückbildung der knorpelig-elastischen Zwischenwirbelscheiben).

Die Entwicklung hin zu einer Osteoporose wird u.a. begünstigt durch

Empfehlung zur Vorbeugung von Osteoporose bei Gesunden
Die beste Vorbeugung besteht aus

Bei der Bewegung kommt es weniger auf den Einsatz von Kraft oder die Ausbildung von Muskelmasse an. Zu intensiv ausgeübter Sport führt leicht zur Überschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit: „Den Jungen werde ich es beweisen!“. Daraus entstehen Gefahren für äußere Verletzungen oder innere Störungen („Viele Manager sterben beim Joggen").

Die positiven Auswirkungen feinster Muskulaturarbeit, die äußerlich nicht sehr spektakulär erscheint, wie Basteln, Stricken, Fahrrad reparieren, Malen, Blumen pflanzen, Klavier spielen, führen zur Aktivierung aller motorischen Hirnareale, die wiederum für einen Grundtonus der Nervenimpulse sorgen, die alle Bewegungsorgane der Peripherie erreichen, und dort Wachstum anregen.

Selbst Hirntätigkeiten, die äußerlich nicht wahrgenommen werden (intensives Nachdenken, aufmerksames Beobachten, waches Fühlen) sind bewegt, weil sie Nervenimpulse in alle Regionen des Körpers leiten und dort auch die Muskeln, Sehnen und Knochen beeinflussen.

Große sportliche Leistungen oder „Quälereien mit dem inneren Schweinehund“ sind für eine Vorbeugung vor Knochenschwund gar nicht nötig.

Wichtig ist vielmehr

Personen mit besonderem Risiko
Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation leiden bis 18% der Frauen über 50 Jahre in den USA an der Osteoporose-Krankheit. Eine deutliche Verminderung der Knochenmasse findet sich sogar bei etwa der Hälfte der Überfünfzigjährigen.

Auf Reisen sind ältere Personen bei verminderter Knochensubstanz gefährdet, z.B. durch

Im Falle einer Osteoporose brechen bei Stürzen besonders leicht Oberschenkelhals-, Becken- und Wirbelknochen.

Eine Bestimmung der Knochendichte ist sinnvoll bei gefährdeten Personen, insbesondere im Alter über 65 Jahre. Eine verminderte Knochendichte allein besitzt jedoch noch keinen Krankheitswert. Wenn sich Krankheitszeichen einer Osteoporose zeigen, z.B. Knochenbrüche ohne entsprechendes Trauma, deutliche Abnahme der Körpergröße, ist eine weitere Abklärung erforderlich.

Empfehlungen bei vorliegender Erkrankung
Liegt eine Osteoporose vor, steht für den Behandlungserfolg zunächst eine Umstellung der Lebensführung im Vordergrund (körperliche, geistige Bewegung und gesunde Ernährung s.o.). Neben einer vermehrten Calciumaufnahme über die Nahrung (Milchprodukte, Eiweiß) kann auch eine Substitution von Calcium über Tabletten in Betracht kommen (1000-1500 mg/Tag). Vitamin D entsteht im Körper durch Sonnenbestrahlung (Gartenarbeit ist also doppelt nützlich). Eine ergänzende Zufuhr von Vitamin D kann je nach Lebensalter im Bereich zwischen 400 und 600 (-800) IU (internationalen Einheiten) liegen.

Wichtig sind auch Maßnahmen, um das Unfallrisiko im Haus zu verringern. Barrieren und Stolperfallen sollten abgebaut werden. Die Sicherheit kann auch durch die Verwendung von geeigneten Gehstützen und Sehhilfen erhöht werden.

Zur Behandlung einer Osteoporose werden folgende Wirkstoffe eingesetzt: Bisphosphonate, Östrogenpräparate, Calcitonin und Teriparatide.

Über viele Jahre wurde zur Osteoporosevorbeugung bei Frauen in den Wechseljahren die Gabe von Hormonen vorgeschlagen. Hinsichtlich der Osteoporose war dabei tatsächlich ein leichter Vorteil bei den betroffenen Frauen nachweisbar, der aber durch die Zunahme anderer Krankheitsereignisse (u.a. Herzinfarkt) wieder aufgehoben wurde.
Nachdem heutigen Stand des Wissens sollten Hormone in den Wechseljahren nur kurzfristig unter strenger Einzelfallabwägung von Nutzen und Risiken in Betracht gezogen werden.

Hinweis für Reisende
Reisen haben nachgewiesenermaßen vielfältige positive Effekte auf die Gesundheit. Dies gilt auch für Patienten mit Osteoporose:

Vor jeder längeren Reise sollte neben einer reisemedizinischen Beratung auch - zum Beispiel durch den Hausarzt - geklärt werden, ob eine Gesundheitsstörung vorliegt, die die Reisefähigkeit einschränkt. Hierzu gehören auch mögliche Einschränkungen, die sich aus einer Osteoporose ergeben.

Sinnvoll ist es vor einer Reise mit leichtem Bewegungstraining zu beginnen und Übungen zu erlernen (Yoga, QiGong u.a.), die den Fluss von Blut und Gewebsflüssigkeit auch beengten Sitzverhältnissen während einer langen Busfahrt oder Flugreise unterstützen können (Thrombosevorbeugung).

Liegt eine Osteoporose vor, müssen Überlastungen der Knochen vermieden werden.

Beispiele für mögliche, aber leicht vermeidbare Probleme:

Quelle

HEF, SH, 27.07.2012



Drucken

Zur Website www.gesundes-reisen.de