Reiseinformationen - Reisen mit Lungenerkrankungen


Reisen mit Lungenerkrankungen

Allgemeines
Es gibt verschiedene Faktoren, die einem buchstäblich den Atem rauben können. Eine der wichtigsten Ursachen für Lungenprobleme ist das Rauchen. Zahlreiche Erkrankungen können durch eine Verengung der Bronchien zu Schwierigkeiten beim Luftholen führen. Die zwei wichtigsten Erkrankungen dieser Art sind das Asthma, oft Ausdruck einer allergischen Reaktion, und die chronische Bronchitis, bei der sich die Bronchien als Folge einer chronischen Entzündung verengen. Eine weitere wichtige Ursache von Atemnot findet sich bei einer Verminderung des funktionsfähigen Lungenvolumens, z.B. bei verminderter Elastizität, bzw. Erschlaffung der Lunge (Emphysem). Oft können Lungenkrankheiten durch Reisen günstig beeinflusst werden. Günstig ist feuchte, klare Luft ohne Allergene und Schadstoffe.

Durch Smog mit einer hohen Konzentration an Stickoxiden und Ozon (Sommer-Smog vom Los Angeles Typ) oder gar in Verbindung mit Sauerstoffmangel (Smog in den Städten Mexico City und La Paz) können bestehende Lungenleiden ungünstig beeinflusst werden. Ebenfalls ungünstig ist der Wintersmog (London Typ) mit einer Mischung aus Schwefeldioxid, Schwebstoffen und Nebel. Aber auch heiße trockene Wüstenwinde (z.B. Harmattan in Afrika) führen zu einer starken Belastung der Atemwege.

Reisetauglichkeit
Meist bestehen bei einem medikamentös gut eingestellten Asthma, bei der chronischen Bronchitis oder beim Emphysempatienten keine Bedenken hinsichtlich der Reisefähigkeit. Dies gilt jedoch nur mit einigen Einschränkungen. Vor allem die Flugreisetauglichkeit sollte immer dann genau geprüft werden, wenn Patienten bereits im Ruhezustand unter Atembeschwerden leiden oder bei einer Blutgasanalyse nur ein sehr geringer Sauerstoffgehalt nachgewiesen wird. Auch ein Atemwegsinfekt auf dem Boden einer chronischen Bronchitis kann die Flugreisefähigkeit deutlich einschränken. Bei Patienten, die eine Lungenembolie erlitten haben, ist die Reisetauglichkeit im Wesentlichen abhängig von den Ergebnissen Lungenfunktionsuntersuchung. Einer Lungenembolie liegt meist eine Thrombose der tiefen Bein- oder Beckenvenen zugrunde. Hier gilt: Bei einer akuten Thrombose besteht keine Reisetauglichkeit. Im Falle einer chronischen Thrombose tiefgelegener Venen sind Reisen nur unter "Blutverdünnung" mit Marcumar(R) o.Ä. möglich. Hierbei muss der behandelnde Arzt vor einer Reise des Patienten darauf achten, dass der Gerinnungswert (sog. Quick-, bzw. INR-Wert) stabil im therapeutischen Bereich liegt.  


Reiseplanung
Die Megastädte Asiens und Südamerikas sind oft erheblich von Umweltbelastungen, z.B. Smog, betroffen.

Schadstoffbelastete Luft ist vor allem für Asthmatiker ungünstig. Dies gilt auch für kalte, trockene Luft und für Regionen mit hoher Allergenbelastung (z.B. Birkenpollen bei allergischem Asthma). Warmes Klima und Abwesenheit von Pollen ist für Asthmatiker empfehlenswert. Für Patienten mit chronischer Bronchitis ist Meeres- und Gebirgsklima besonders zuträglich. Bei Hochgebirgsaufenthalten sollten größeren Anstrengungen bis zu 7 Tage der Ruhe zwecks Akklimatisierung vorangehen.
Ein deutlich gesteigertes Risiko für höhenbedingte Erkrankungen haben Personen, die unter einer Verlegung der Atemwege während des Schlafes (Schlafapnoe) leiden.
Nicht nur Höhenaufenthalten, sondern auch das Tauchen ist nicht jedem zuträglich. Ganz auf Tauchsport mit Atemgerät verzichten sollten Patienten, deren Lunge bestimmte Abschnitte besitzt, in denen Luft nicht frei zirkulieren kann, sondern quasi “gefangen” ist (“Air-Trapping”). Dies findet sich vor allem bei Patienten mit Kavernen oder Emphysemblasen im Lungengewebe. Die körperliche Anstrengung und trockene Luft aus dem Lungenautomaten kann bei Asthmapatienten einen Anfall provozieren.

Vor der Reise
Ein erster wichtiger Schritt zur Vorbeugung ist es, das Rauchen aufzugeben. Patienten mit stärker eingeschränkter Lungenfunktion sind auch durch Atemwegsinfektionen gefährdet. Die ohnehin beeinträchtigte Versorgung des Körpers mit Sauerstoff wird durch die Infektion zusätzlich erschwert. Oft besteht aufgrund der mangelnden Belüftung des Lungengewebes von vornherein eine erhöhte Infektgefahr. Daher sollten sich Patienten mit chronischen Lungenkrankheiten gegen Grippe (Influenza) und eine Form der bakteriellen Lungenentzündung (Pneumokokken-Pneumonie) impfen lassen.

Während der Reise
Auch während der Reise sollte auf Rauchen und - wenn möglich – auch auf Passivrauchen verzichtet werden. Bei Patienten mit sehr stark eingeschränkter Lungenfunktion kann der verminderte Luftdruck an Bord von Flugzeugen zu Problemen führen. Jedoch brauchen auch diese Patienten nicht zwangsläufig auf Fernreisen zu verzichten. Viele Fluggesellschaften bieten für Passagiere mit Lungenleiden Überdruckbeatmungsgeräte an. Das individuelle Vorgehen sollte jedoch rechtzeitig im Vorfeld der Reise mit dem medizinischen Dienst der Airline besprochen werden. Wichtige Hinweise zum Reisen bei zusätzlichem Sauerstoffbedarf, inklusive Nennung von Stationen zur Auffüllung von Sauerstoffflaschen bietet der Breathin´ Easy Travel Guide.

Am Ort
Bei Reisen in wärmere Klimazonen sind Klimaanlagen oft auf unangemessen niedrige Temperaturen eingestellt. Dies ist, besonders bei ständigem Wechsel zwischen warmen Außentemperaturen und kühlen Hotelzimmern, häufig eine Ursache für Atemwegsinfektionen. Daher sollte die Air Condition eigenhändig oder mit Hilfe des Personals auf moderate Temperaturen herunter reguliert werden. In Klimaanlagen oder wenig benutzten Wasserleitungen können sich bestimmte Bakterien vermehren, die u.U. zu einer schweren Form der atypischen Lungenentzündung (Legionellose) führen können. Daher sollte man auf Reisen in Gebiete mit niedrigem Hygienestandard gleich nach Bezug des Hotelzimmers heißes Leitungswasser (Waschbecken/Dusche) für etwa 10 min. durchlaufen lassen. Allerdings sollte man dabei Abstand halten, um den Sprühnebel nicht einzuatmen. Treten während oder nach der Reise Atemwegssymptome wie Husten und/oder Fieber auf, sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden.

Fazit
In allen Zweifelsfällen schafft eine frühzeitige Prüfung der Lungenfunktion - noch vor der Urlaubsplanung - Spielraum für die Buchung einer auf die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten zugeschnittenen Reise. Durch umsichtiges Verhalten (Regulierung von Klimaanlagen, zu große Anstrengungen vermeiden etc.) und die Durchführung von Schutzimpfungen (besonders gegen Grippe) können Gesundheitsrisiken deutlich verringert werden.

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Quellen

 

MG, SH, 14.12.2012



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