Fachinformationen - Legionellose


Legionellose

Erreger

Legionella pneumophila. Weltweit wasserassoziierte, kleine, gramnegative Bazillen (Länge 2-5µm und Durchmesser 0,5-0,8µm). Von den mehr als 20 derzeit bekannten Legionellen-Spezies ist Legionella pneumophila für 85% der Legionellosen beim Menschen verantwortlich, davon gehören 2/3 zur Serogruppe l, der Rest verteilt sich auf weitere 19 Serogruppen.

Legionellen binden sich an die Rezeptoren von Zellen in ihrer natürlichen Umgebung Amoeben, werden aber im Fall von einer Aufnahme (Phagozytose) im Zellinneren ggf. nicht abgetötet und können sich dort vermehren. Eine reife Immunantwort gegen Legionellen erfordert eine zelluläre Abwehr (T-Zell aktivierte Macrophagen).

Legionellen können sich auch im Meerwasser halten und vermehren.

Der Name Legionärskrankheit stammt von einem Ausbruch 1976 in Philadelphia in den USA zu, bei dem 182 von mehr als 4.000 Teilnehmern der American Legion akut mit Lungenentzündung erkrankten (29 verstarben).

Verbreitung

Legionella pneumophila lebt in feuchten Ökosystemen und in Temperaturbereichen von 0 bis 70 °C.

Bildquelle: Karoline Bloch

Infektionsweg

Einatmung von Nebeltröpfchen, die Legionellen enthalten: Dusche, Whirlpools, schlecht gewartete Klimaanlagen etc. Ab etwa 50 °C erfolgt meist kaum noch eine Vermehrung. Eine sichere und mit steigenden Temperaturen zunehmend raschere Abtötung der Erreger findet aber erst knapp oberhalb von 60 °C statt.

In Europa sind viele Legionellen-Infektionen mit einer Reise in südeuropäische Länder assoziiert .


Inkubationszeit

Die Inkubationszeit beträgt 2-10 Tage.

Symptomatik

Die Legionellose beginnt oft schleichend als atypische Pneumonie, die dann in einen dramatischen Verlauf übergehen kann. Der fieberhafte Krankheitsverlauf mit Muskel- und Kopfschmerzen, Schüttelfrost, aber ohne Lungenbeteiligung wird als Pontiac-Fieber bezeichnet.  

Vor allem sind ältere Menschen, Raucher sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie beispielsweise Diabetiker verstärkt betroffen. Allgemein erkranken Männer mehr als doppelt so häufig wie Frauen. Kinder sind meist nur sehr selten betroffen.

Bei der Legionellen-Pneumonie finden sich im Röntgenbild fleckige Infiltrate mit später zunehmender Verdichtung. Transaminasenerhöhungen, Hyponatriämie und Leukozytose können auf eine Legionellose hinweisen, diese Befunde sind jedoch nicht spezifisch. 25% der an Legionellen Erkrankten klagen über Diarrhö, selten geht diese der Pneumonie sogar voraus.

Die Zahl der stationären Aufnahmen liegt bei etwa 10%, die der Intensivbehandlungen bei bis zu 35%.

Diagnostik

Eine Diagnose sollte durch eine Anzüchtung von Legionellen auf Spezial-Medien erfolgen. Geeignet dafür sind Materialien aus den Atemwegen, wie z. B. bronchoalveoläre Lavage, Trachealsekret, Sputum oder Lungengewebe. Der Legionellen-Antigentest im Harn erfasst nicht alle Serotypen ausreichend.  Ein Nachweis der Antikörperantwort gegen Legionellen hat meist nur einen retrospektiven Wert, da bei einer Legionelleninfektion ein beweisender Antikörper-Titeranstieg oft erst nach einigen Wochen erfolgt. Weiterhin ist es möglich, eine Legionelleninfektion mit Spezialverfahren, wie z. B. fluoreszenzserologischen oder molekularbiologischen Methoden nachzuweisen. Die Spezifität der PCR beträgt für alle genannten Materialien >90%.

Differentialdiagnose

Lungenentzündungen anderer Ursache.

Prophylaxe, Immunität

Wasserversorgungssysteme, in denen das Wasser lange steht, können Leginellenwachstum begünstigen. Daher müssen solche Systeme gewartet und mit Wasser >70° durchspühlt werden. In Bungalows oder Ferienwohnungnen, die längere Zeit nicht genutzt wurde, sollte ein möglichst heißer Wasserdurchfluß (Aufdrehen der Hähne) ausgelöst werden ohne, dass Tröpfchennebel eingeatmet wird (dh. ohne zu duschen). Klimaanlagen und stillstehende Wasserleitungen, insbesondere in Hotelanlagen, müssen regelmäßig gewartet werden.

Bildquelle: Karoline Bloch

Therapie

Wie bei Mykoplasmen und Chlamydien wirken solche Antibiotika am besten, die hohe intrazelluläre Konzentrationen erreichen. Erythromycin intravenös ist die Therapie der Wahl, alternativ kommen andere Makrolidantibiotikä (Clarithromycin oder Azithromycin) oder Chinolone (Ciprofloxacin Levofloxacin, Moxifloxacin) in Frage. Die Dauer der Therapie sollte drei Wochen betragen. Nach Entfieberung kann auf eine orale Therapie umgestellt werden. Bei Immunsupprimierten werden vom Robert-Koch-Institut Makrolide oder Fluorchinolone empfohlen, die bei in vitro-Versuchen stärker bakterizid und schneller wirkten.
Antibiogramme sind ausdrücklich nicht angezeigt, da keine Korrelation zur in-vivo-Wirkung nachgewiesen konnte

Gesetzliche Regelungen

Nach §7, Abs.1 des IfSG besteht Meldepflicht für den direkten oder indirekten Erregernachweis.

Weiter

HEF, 19.12.2013



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