Reiseinformationen - Psychische Erkrankungen


Reisen mit psychischen Problemen

Psychische Probleme entwickeln sich bei vielen Menschen. Das ist nicht überraschend, da nach allem, was wissenschaftlich belegt ist, Körper, Seele und Geist eine Einheit bilden. Auch scheinbar rein körperliche Krankheiten, wie z.B. ein Beinbruch, haben erhebliche Auswirkungen auf das Befinden. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), leidet weltweit ein Viertel aller Arztbesucher an psychischen Beschwerden, und in Deutschland werden etwa acht Millionen Patienten wegen psychischer Störungen behandelt. Das Risiko an einer Depression zu erkranken, liegt in Deutschland bei 10%, für psychosomatische Störungen bei 15% und für mindestens eine Suchtform bei 25%. (Schulte-Meßtorff 2012)

Hinzu kommen Leiden, Krisen, Belastungsstörungen und Lebensprobleme, für die auf dem freien Markt , im Getränkeshop, der Drogerie, der Apotheke, die unterschiedlichsten Produkten besorgt werden, um Symptome zu dämpfen oder sich abzulenken, oder die zu Besuchen von unterschiedlichen Arten von Heilern und auch Scharlatanen führen.

Personen, die die Belastungen unserer stressigen und schnell-lebigen Welt locker wegstecken und sich immer in Sicherheit und Ruhe fühlen, sind eher in der Minderzahl. Erste Krankheitszeichen äußern sich oft durch die Gefühle einer “Einengung” oder “Verarmung”, Niedergeschlagenheit, Gereiztheit, Misstrauen oder einer generellen Verflachung der Gefühlswelt. Auch Schlafstörungen können ein Warnhinweis sein. Sinnestäuschungen (z.B. Hören von Stimmen) kommen häufiger vor als allgemein angenommen wird. Mehr als ein Prozent aller Menschen leiden zumindest zeitweise in ihrem Leben an Störungen der Wahrnehmung.

Können oder sollen Menschen mit psychischen Schwierigkeiten reisen?

Urlaubsreisen wirken sich positiv auf das persönliche Gesundheitsempfinden aus, und sie scheinen auch zu einer geringeren Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen zu führen.

Urlaub und Reisen sind also gut für die Gesundheit, in der Regel auch für Menschen, die unter psychischen Belastungen leiden. Dennoch gerät, worauf man sich lange gefreut hat, manchmal selbst zum Stress. Eine überstürzte Anreise und die Unterschätzung von Klima-, Zeit- und Ortsumstellung kann zu neuen Belastungen führen. Deshalb ist es sinnvoll, bei Beschwerden die Reiseplanung mit einer Ärztin oder einem Arzt des Vertrauens zu besprechen. Bei Störungen des Sozialverhaltens, Schwierigkeiten im Umgang mit den Aufgaben des täglichen Lebens (Alzheimer-Erkrankungen), sowie in Phasen tiefer Niedergeschlagenheit sollten Reisen nur in Begleitung enger Bezugspersonen erfolgen.

Bei vorbestehenden psychischen Belastungsstörungen ist es nötig, Reisesituationen zu wählen, bei denen

Eine Trekkingtour zu den Steinzeitvölkern in Laos erfordert eben eine andere psychische Robustheit als ein Badeurlaub auf Mallorca.

Gesundheitsprobleme im Urlaub sind im Prinzip leicht vermeidbar, wenn die Reise sorgfältig geplant wird und dadurch das Risiko unliebsamer Überraschungen deutlich gesenkt wird. Wichtig ist es vor allem, viel Zeit und Ruhe einzuplanen, damit der Alltagsstress langsam abklingen kann. Hohe Erwartungen an eine Reise werden besser etwas heruntergeschraubt. Leichte Bewegung (Wandern, Schwimmen, Yoga, Qi Gong) wirkt sich meist günstiger aus als abruptes „Abhängen“, aber neuer „Freizeitstress" sollte möglichst vermieden werden. Es ist leicht möglich, langsam und erholsam zu reisen, mit vielen Pausen und ggf. auch Zwischenübernachtungen. Die ersten Tage kann man "geschehen lassen", genießen und sich ausruhen, um sich neuen Gegebenheiten langsam anpassen zu können; warten bis sich Neugier entwickelt und erst aktiv werden, wenn nach wenigen Tagen neue Kraft aufkommt.

Bei Einnahme von Medikamenten ist es wichtig, eine ausreichende Menge im Handgepäck und im Koffer für die gesamte Reise mit sich zu führen und den Zeitzonenwechsel bei der Reise einzuplanen. Nahrungsumstellung und Klimaveränderungen können eine Veränderung des Stoffwechsels bewirken, die zu Schwankungen des Wirkspiegels der Medikamente führen kann. Besonders bei starken Flüssigkeits- und Salzverlusten (Schwitzen, Durchfall) kann es bei bestimmten psychoaktiven Medikamenten zu stärkeren Nebenwirkungen und sogar Vergiftungserscheinungen kommen. Einige Medikamente zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen können auch den Wärmehaushalt des Körpers beeinflussen, so dass eine Umstellung auf tropische Temperaturen schwerer fällt.

Stress durch Lärm, Hitze oder zu intensive Konfrontation mit einer neuen sozialen oder kulturellen Lebenswelt können zur Entgleisung von Krankheitserscheinungen führen und erfordern dann eine umgehende ärztliche Hilfe.

Chemische Substanzen wirken oft sehr effektiv auf das Gehirn und können daher auch psychische Störungen auslösen oder verschlimmern. Beispiel sind Alkohol, Nikotin, Marihuana, „Stimmungsaufheller“, Schlafmittel und Mittel, die benutzt werden um sich fit und leistungsfähig zu halten. Manche Touristen sind im Urlaub auch versucht exotische Drogen wie Qat, Coca-Tee, Opium oder Pilze anzutesten.

Bei psychischen Erkrankungen sind alle psychoaktiven Substanzen ein Gift, sofern sie nicht aus gutem Grund ärztlich verordnet werden. Das gilt besonders für eine Reise in Gebiete, wo der nächste Facharzt nur schwer erreichbar ist.

Hinweise für berufliches Reisen

Beruflich Reisende leben in der Regel in komfortablen Unterkünften mit oft sehr angenehmem Ambiente, sind aber durch die Konzentration auf das Ziel der Reise sehr starken Belastungen ausgesetzt. Unterschätzt wird häufig zusätzlicher Stress durch die Trennung von der Familie und die Flut der liegengebliebenen Arbeit auf dem Schreibtisch nach der Rückkehr.

Dienstreisen sollten bei psychischen Problemen daher besonders sorgfältig geplant werden und Anpassungs- und Ruhephasen enthalten. Auch nach der Rückkehr ist eine Wiedereingewöhnung notwendig.

Bei längerem Aufenthalt im Gastland werden in der täglichen Routine zwangsläufig zahlenttäuschende und frustrierende Erfahrungen im Beruf und im Alltagsleben erlebt, die auch bei psychisch stabilen Personen zu negativen Gefühlsschwankungen führen. Die ”interessanten und bunten Fremden” und ihre kulturspezifischen Lebens- und Umgangsformen „beginnen langsam zu nerven“. Eine berufliche Überforderung, die meist eine persönliche und interkulturelle ist, wird dann unterschiedlich stark deutlich.

Diese Krisenphase ist ein notwendiges Durchgangsstadium eines normalen Lernprozesses und spielt sich meist in den ersten Monaten im neuen Arbeits- und Lebensumfeld ab. Die Ausprägung variiert je nach Person oder Situation. Sie hängt ab von einer vorhandenen oder fehlenden Partnerschaft, der bisherigen Auslandserfahrung, der Lage des Projektortes und den Versorgungsmöglichkeiten, der Nähe zu Vertrauenspersonen u.a.

In größeren Städten besteht die Möglichkeit, interkulturell bedingte Verunsicherung dadurch gering zu halten, dass im privaten Umfeld eine Lebenssituation geschaffen wird, die der heimischen ähnelt („Club“). Erste Anzeichen, dass diese Strategie der Stabilisierung nicht ausreicht, ist ein höherer Verbrauch an den „Suchtstoffen des Alltags“ (Alkohol, Zigaretten, Kaffee, Schlaf- oder Beruhigungsmittel) und auch Arbeitshyperaktivität.

Beim Erkennen solcher Frühzeichen ist es dringend notwendig, andere Personen ins Vertrauen zu ziehen und kompetenten Rat zu suchen, oder den Rat besorgter Personen anzunehmen. Viele schwere Krankheitsprobleme im Ausland entstehen dadurch, dass frühe Belastungszeichen, wegen der Angst den Arbeitsplatz zu gefährden, überdeckt werden. Dieses kaschierende Vorgehen rächt sich nicht nur für die betroffene Person, sondern schadet auch dem Unternehmen, denn wer nachts seine Ängste im Whiskey ertränkt, wird tagsüber nicht effizient mit den Verhandlungspartnern kommunizieren können. Professionell arbeitende Firmen mit Auslandspersonalentsendung sorgen daher dafür, dass ihre Mitarbeiter auf die zusätzlichen Belastungen gut vorbereitet werden und bei Problemen vertrauensvolle und qualifizierte Hilfe finden.

Weitere Informationen zu psychischen Erkrankungen

Hinweise zur Malariaprophylaxe

RMZ, 27.07.2012



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