Reiseinformationen - Poliomyelitis in Pakistan 2012


Poliomyelitis (Kinderlähmung) in Pakistan 2012

Obwohl West-Europa seit zehn Jahren als frei von Poliomyelitis-Erkrankungen (Kinderlähmung) gilt und auch Indien bereits Anfang 2012 von der Liste der Endemieländer gestrichen wurde (letzter Fall 13.01.2011), besteht noch immer das Risiko, dass die Krankheit durch Reisende eingeschleppt wird. Besonders in Ländern wie Nigeria, Afghanistan und Pakistan, in denen aufgrund der instabilen politischen Lage die Strukturen im Gesundheitswesen unlenkbar sind, ist es sehr schwer, die Kinder zu erreichen und flächendeckend zu impfen.

Bildquelle: Werner Schönherr

In Pakistan wurde in den Jahren ein stetiger Zuwachs an Erkrankungen beobachtet. Berichten der Weltgesundheitsorganisation zufolge wurden seit Jahresbeginn (2012) 54 Fälle von Poliomyelitis landesweit registriert. Zuletzt wurde ein Poliomyelitisfall aus der Region Khyber Pakhtunkhwa bestätigt.
Für die „Global Polio Eradication Initiative (GPEI)“, deren Bemühungen um die Poliomyelitis-Eliminierung weitgehend auf einem robusten System zur Überwachung basiert, stellt die Situation eine ernsthafte Bedrohung dar.
Seit 2000 wurden von der pakistanischen Regierung Impfmaßnahmen implementiert, die eine Poliomyelitisimpfung für alle Kinder unter fünf Jahren vorsehen. Unterstützt werden diese Maßnahmen von Partnern der Vereinten Nationen, vor allem der World Health Organization (WHO) und dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF).
Obwohl von einer hohen Reichweite (> 90%) berichtet wurde, ist die tatsächliche Abdeckung fraglich. Aus dem im Februar veröffentlichten „Independent Monitoring Board“ (IMB), einem offiziellen Bericht der „Global Polio Eradication Initiative“, ging hervor, dass Planungen und Ausführungen der Poliomyelitis-Eradikation in Pakistan große Lücken aufweisen und mehrere Faktoren das Ziel der Beseitigung schwer gemacht haben. Diese seien unter anderem auf den schwierigen Zugang zu Kindern aufgrund

• anhaltender militärischer Konflikte
• massiver Überschwemmungen
• schlechter Abdeckung mit Routineimpfungen
• eines strukturschwachen Polio-Programmes
• großer Flüchtlingswellen und der Nichtsesshaftigkeit von Völkern
• inkonsistenter Qualität der SIA (supplementary immunization activities)

zurückzuführen.

Ebenso bestätigte eine (im Bulletin of the World Health Organization) veröffentlichte Studie vom September 2012, dass es in der Planung und Durchführung von SIA-Kampagnen dringend Verbesserungen geben muss.

Die Untersuchungen konzentrierten sich auf die Bevölkerung in Karachi, der größten Stadt Pakistans und Hauptstadt der Provinz Sindh. Ziel war es, die ethnische Gruppe mit der höchsten Polio- Inzidenz in Pakistan zu identifizieren und Gründe für die mangelnde Beteiligung an Polio SIAs offen zu legen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Nichtteilnahme zu 74% auf die Ablehnung der Eltern zurückzuführen ist. Dies wiederum sei auf den Mangel an Wissen über Polio und Fehleinschätzungen der Krankheitsanfälligkeit zurückzuführen. Ebenso bestehen Bedenken hinsichtlich der Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs (z.B. Angst vor Unfruchtbarkeit).

Darüber hinaus mangele es an Vertrauen in die Gesundheitsversorger, Regierungen und internationale Organisationen, die den Impfstoff zur Verfügung stellen und Polio SIAs durchführen. Besonders stark bestehe das Misstrauen unter der Volksgruppe der Paschtunen (überwiegend sunnitische Muslime). Sofern nicht spezifische und gezielte Maßnahmen zur Förderung der Impfbereitschaft erfolgen, besteht die Gefahr, dass sich die Poliomyelitis besonders in dieser Population weiter ausbreitet.

Bildquelle: Werner Schönherr

Neben weiteren Prüfungen bestehender SIA-Kampagnen, werden Maßnahmen angedacht, die sich speziell auf die jeweilige identifizierte Hochrisiko-Gruppe konzentriert. Aus den Interviews habe sich gezeigt, dass insbesondere religiöse Autoritäten von zwei oder drei der wichtigsten religiösen Institutionen (Madrassahs) einen starken Einfluss auf die Meinungen der Paschtunen Männer in Karachi ausüben. Als primäre Entscheidungsträger und aufgrund ihrer starken religiösen Überzeugungskraft wäre es sinnvoll, sie verstärkt als pädagogische Botschafter einzusetzen, um die Akzeptanz von SIAs zu erhöhen und so zu einen Beitrag zur Ausrottung der Poliomyelitis zu leisten.


Quellen:

 

Weitere Artikel:

 

SH, MG, 06.03.2013



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