Reiseinformationen - Nierenerkrankungen


Einführung
Bluthochdruck und Diabetes sind häufige Ursachen für chronische Nierenschädigung. Weltweit spielen auch Infektionen der Nieren und ableitenden Harnwege eine wichtige Rolle. Von einem Ausfall der Nierenfunktion spricht man, wenn die Nierenleistung unter 15% der Norm absinkt und weniger als 15 ml Blut pro Minute durch die Nieren gefiltert werden.

Bei sehr starker, beidseitiger Einschränkung der Nierenfunktion besteht die Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie wie eine Dialysebehandlung oder Nierentransplantation. Weltweit sind 1,5 Mio. Menschen von der Dialyse abhängig oder leben mit einer Spenderniere. Diese Anzahl wird sich in den nächsten 10 Jahren voraussichtlich verdoppeln.

In Deutschland leiden etwa 77.000 Menschen unter einem chronischen Funktionsverlust der Niere. Etwa 25% dieser Patienten sind nierentransplantiert. Eine Spenderniere ermöglicht, abgesehen von der regelmäßigen Tabletteneinnahme, eine weitgehend normale Lebensführung. Im Unterschied hierzu sind rund 57.000 Nierenkranke in Deutschland angewiesen auf eine regelmäßige Dialysebehandlung.

Reisen
Dialysepatienten brauchen nicht auf das Reisen zu verzichten. Beim Urlaub innerhalb Deutschlands kann man sich auf der Homepage des ärztlichen Bundesverbandes unter www.DNeV.de über Nephrologen und Dialysezentren im Urlaubsort informieren. Bei rechtzeitiger Absprache mit dem zuständigen Zentrum und der Krankenkasse ist die Versorgung von “Gastpatienten” in der Regel problemlos möglich. Auch Informationen über Dialysemöglichkeiten im europäischen Ausland sind verfügbar. In Ländern mit denen kein Sozialversicherungsabkommen besteht, hat ein gesetzlich Versicherter nur Anspruch auf Kostenübernahme für die Behandlung chronischer Erkrankungen für höchstens sechs Wochen pro Kalenderjahr.

Anregungen zur Reiseplanung
Möglichkeiten zur Dialysebehandlung bestehen beispielsweise in folgenden Urlaubszielen (nur eine kleine Auswahl der Möglichkeiten):


Am Urlaubsort
Reisende sollten generell auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Besonders bei sehr warmen Umgebungstemperaturen kann der Wasserhaushalt leicht aus dem Gleichgewicht geraten. Die geeignete Trinkmenge kann von der Art der Erkrankung, Umgebungsfaktoren und individuellen Bedürfnissen abhängen und sollte im Gespräch mit dem Nephrologen angesprochen worden sein. Im Allgemeinen sollte der Urin immer eine helle klare Farbe aufweisen. Dunkler Harn kann bereits Hinweis auf eine unzureichende Zufuhr von Wasser sein. Zu Trübungen des Urins kann es bei Infektionen kommen. Auffälliges Schäumen des Harns im Toilettenbecken kann durch verstärkte Eiweißausscheidung im Harn auftreten und ein erstes Zeichen für eine Verschlechterung der Nierenfunktion sein. Auch Schwellungen im Gesicht, Müdigkeit und Gewichtszunahme können Begleiterscheinungen einer nachlassenden Nierenfunktion sein.

Reisen ins Ausland zur Nierentransplantation
In Europa sind die Wartelisten für Patienten, die eine Nierentransplantation vornehmen lassen wollen, oft sehr lang. Angesichts dieses Bedarfs werden Nierentransplantationen in zahlreichen Ländern angeboten, die im Gesundheitsbereich weder über die notwendigen ethischen Standards der Organentnahme noch unbedingt über die gleichen technischen Standards wie in Europa verfügen. Aus Indien und Pakistan wird über einen regelrechten Schwarzmarkt mit Nieren berichtet (BBC-News), wobei Spendern vornehmlich aus ärmsten Bevölkerungsschichten für die Spende einer Niere Summen bis zu 2.000 US$ geboten werden, die diese für das Überleben ihrer Familien dringend benötigen. Weil in den Philippinen die Zahl der Nierentransplantationen bei Ausländern zwischen 2002 und 2006 um 60% zunahm, entschloss sich die Regierung 2008 Transplantationen bei Ausländern verbieten zu lassen (New York Times).


Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten auch im eigenen Interesse sehr zurückhaltend mit Angeboten billiger Nierentransplantationen umgehen, da in diesen Fällen ethische Entnahmestandards gering sind, bestehen meist auch höhere Risiken für Infektionskrankheiten (HIV, Hepatitis C u.a.) sowie das hohe Risiko einer ungenügenden Qualität des operativen Eingriffs.

Fazit
Eine Planung Ihrer Reise zusammen mit Ihrem Nephrologen und erfahrenen Reisemedizinern ermöglicht Ihnen die vielfältigen gesundheitsfördernden Einflüsse einer Urlaubsreise optimal zu nutzen. Wird eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes bemerkt, so ist es sinnvoll, schnellstmöglich während sowie auch nach der Reise einen Spezialisten aufzusuchen.

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MG, 20.08.2012



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