Reiseinformationen - Multiple Sklerose, Autoimmunkrankheit


Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des Nervengewebes. Dabei wird die Isolationsschicht von Nervenleitbahnen (Myelin) durch fehlgeleitete, körpereigene Zellen (Lymphozyten) zerstört. Die Nervenimpulse können dann nur noch sehr verlangsamt fortgeleitet werden. Bei MS handelt es sich um eine so genannte Autoimmunkrankheit. Sie kann sporadisch auftreten oder nur einmalig (als „akute disseminierte“ Hirnentzündung) oder als chronisch fortschreitende Form, bei der sich Verschlechterungen (Exazerbation) mit Perioden relativer Gesundheit (Remission) abwechseln. Von der Ersterkrankung betroffen sind meist Personen, die weit entfernt vom Äquator leben (z.B. in Nord-Europa oder Kanada u.a.) und zwischen 20-40 Jahre alt sind. Weltweit sind etwa 2,5 Millionen Erkrankungen, überwiegend bei Frauen, registriert.

Die Ursachen, die zur MS führen, sind noch nicht vollständig geklärt. In Entwicklungsländern, in denen die Bevölkerung sehr vielen Viruserkrankungen ausgesetzt ist (u.a. Hepatitis B), kommt MS kaum vor. Daher wird der Zusammenhang mit einer Viruserkrankung diskutiert, die auch im Norden sehr verbreitet ist (Epstein-Barr-Virus). Z.B. könnte bei Personen, die erst im späteren Kindesalter mit diesen Viren konfrontiert werden, ein höheres Risiko für eine unpassende Körperabwehr bestehen ("Hygienehypothese") . Ein Zusammenhang mit Sonnenbestrahlung und verminderten Risiken der MS ist belegt (Talat 2007). Die Anlage der Myelinscheiden der Nerven erfolgt gegen Ende der Schwangerschaft bis in den ersten Lebensmonaten. Denkbar wäre eine Störung der Anlagerung dieser Eiweiße an die Nerven bei einer Beeinträchtigung des Vitamin D Stoffwechsels, der lichtabhängig erfolgt. Auch andere Ursachen sind nicht ausgeschlossen: Genetische Veranlagung, Lebensumstände oder chemische Stoffe, die in entwickelten Ländern Teil der Umwelt geworden sind.

Quelle: library.med.utah.edu 

Erste Krankheitszeichen bilden sich meist vollständig wieder zurück. Im Verlauf der Erkrankung kann es zu weiteren akuten Schüben und zwischen den einzelnen Schüben zu einem Fortbestehen von Missempfindungen, Lähmungen, Gleichgewichts- und Sprechstörungen kommen. Im Zuge der Erkrankung kann es auch zu einer verminderten Kontrolle der Blasen- oder Darmfunktion kommen. Auch Störungen der Stimmungslage sind möglich:

Reisen und MS
Bei MS ist das Gleichgewicht des Immunsystems gestört. Immunzellen sollen Angriffe von außen abwehren, sich aber gegenüber eigenen Körperstrukturen tolerant verhalten, vergleichbar einem verschlafenen Sheriff einer Western-Stadt, der bei lärmenden Trunkenbolden weiterdöst, aber aufwacht, wenn er Bankräuber sichtet. Stress bringt den natürlichen Rhythmus der Immunreaktionen durcheinander (Buljevac 2003) und wirkt sich daher negativ auf den Krankheitsverlauf aus. Erholsame und genussvolle Reisen können dagegen die Regulierung des Immunsystems begünstigen. Riskant sind zu starke körperliche oder psychische Belastungen oder auch Infektionen, die einen neuen Schub der Erkrankung auslösen können.

Es bestehen daher prinzipiell keine Einschränkungen der Reisefähigkeit, wenn die Vorbereitung und Organisation so erfolgen, dass eine körperliche und psychische Kräftigung sehr wahrscheinlich werden.

Während eines akuten Schubes sollte jedoch keine größere Reise unternommen werden.

Quelle: www.mssociety.ca

Reiseplanung
Bestehende Einschränkungen müssen natürlich bei der Reiseplanung berücksichtigt werden. Das Mitführen von Hilfsmitteln wie Stützen, Gehhilfen oder Rollstuhl kann sinnvoll sein, da nach Phasen erhöhter Aktivität auch Phasen leichterer Erschöpfbarkeit auftreten. Patientinnen und Patienten mit Blasenentleerungsstörungen sollten sich vor der Reise bei Frauenärztin oder Urologen ausführlich über das Katheterisieren und Mitnahme erforderlicher Hilfsmittel informieren.

Reisen in tropische Regionen
Bei hohen Umgebungstemperaturen oder auch nach einem heißen Bad kann es zu einer Zunahme der Beschwerden kommen (so genanntes Uhthoff-Phänomen).  Dabei handelt es sich nicht um einen akuten Schub der Erkrankung.

Tropische Temperaturen im Reiseland können auch zu einer Inaktivierung von Medikamenten führen. Die zur Vorbeugung akuter Schübe eingesetzten Medikamente wie Beta-Interferon und Glatiramerazetat sind temperaturempfindlich und sollten nicht über 25°C gelagert werden. Bei Reisen in wärmere Länder ist daher auf eine geschlossene Kühlkette zu achten.

Impfungen
Da jede Infektion eine Reizung des Immunsystems darstellt, sind Reiseimpfungen sinnvoll, wenn ein Erkrankungsrisiko besteht. Andererseits kann nach Auftreten eines Schubes niemand ausschließen, dass ggf. ein Zusammenhang mit einer erhaltenen Impfung bestanden haben könnte, auch wenn dies sehr unwahrscheinlich ist. Auf Lebendimpfungen (Gelbfieber, Masern) sollte verzichtet werden.

Die Nutzen-Risiko-Abwägung bei der Auswahl des Reiselandes und der dann ggf. sinnvollen Impfung muss sehr sorgfältig erfolgen, da jede Art der Reizung des Immunsystems auch ein gewisses Risiko für die Auslösung eines akuten Schubes beinhaltet. Im Zweifel ist es ratsam, dorthin zu Reisen, wo die Infektionsrisiken gering bleiben.

Am Reiseort
Es wird empfohlen, die Schub-Prophylaxe auch am Reiseort fortzuführen. Bereits am Anfang des Aufenthaltes macht es Sinn, sich nach einem geeigneten medizinischen Ansprechpartner zu erkundigen.

Kommt es während des Aufenthaltes zu einem akuten Schub, so ist eine gute Gesundheitsversorgung vor Ort nötig. Oft ist es dann besser, die Reise abzubrechen, weil die Erfahrung der örtlichen Ärzte vor Ort im Umgang mit der Erkrankung begrenzt ist, da MS in tropischen Ländern selten vorkommt.

Reisen bieten vielfältige Gelegenheiten körperlich und geistig neue Kraft zu schöpfen. Hierzu können das Erleben von Natur, der Austausch mit anderen Menschen und das Genießen abwechslungsreicher Speisen beitragen. Zur Abrundung kann ein leichtes Bewegungstraining mit Schwimmen, Wandern und Gymnastik während aber auch nach der Reise in den Tagesablauf integriert werden.

Fazit
Bei entsprechender Planung und Vorbereitung sind auch ausgedehnte Reisen bei MS Patienten möglich und können wesentlich dazu beitragen, das individuelle Wohlbefinden zu steigern.

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HEF, 27.07.2012



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