Fachinformationen - Lebererkrankungen


Lebererkrankungen


In den Industrieländern werden jährlich mehr als 250 neue chronische Lebererkrankungen pro 100.000 Einwohnern diagnostiziert. Hierbei handelt es sich meist um einen bindegewebigen Umbau des Organs (Zirrhose), der sehr unterschiedliche Ursachen haben kann. Häufig finden sich in der Vorgeschichte von Lebererkrankten Alkoholmissbrauch, Virusinfektionen, Autoimmunerkrankungen und Stoffwechselstörungen.

Während sich die sehr viel häufigere Fettleber wieder zurückbilden kann, handelt es sich bei der Leberzirrhose um eine dauerhaftere Gesundheitsstörung. Wird ein größerer Teil der Leberzellen durch Bindegewebe ersetzt, so resultieren Einschränkungen der Leberfunktion bis hin zum Leberversagen. Die einzige Behandlung einer weit fortgeschrittenen Zerstörung des Lebergewebes stellt die Lebertransplantation dar.

Reisefähigkeit
Während bei einer akuten Entzündung der Leber die Reisefähigkeit stark eingeschränkt ist, brauchen Patienten mit chronischem Leberleiden nicht auf Reisen zu verzichten. Bei weit fortgeschrittener Erkrankung sind ausgedehnte Reisen jedoch in der Regel nicht ratsam. Zudem sind die Möglichkeiten für Fernreisen eingeschränkt, sobald Patienten in die Lebertransplantationsliste aufgenommen wurden. Die ständige Erreichbarkeit ist dann erforderlich für den Fall, dass plötzlich ein geeignetes Spenderorgan zur Verfügung steht. Nach Transplantation kommt es oft zu einer deutlichen Verbesserung des Befindens. Da in der ersten Zeit noch relativ hochdosierte Medikamente zur Hemmung des Immunsystems gegeben werden, sollten vor Ablauf des ersten Jahres nach Transplantation auf ausgedehntere Fernreisen verzichtet werden. Nach Ablauf eines Jahres können bei gutem Gesundheitszustand auch weitere Reisen ins Auge gefasst werden. Mit einem weiterhin erhöhten Infektionsrisiko muss gerechnet werden.

Patienten mit ausgeprägter Leberzirrhose sind oft anfälliger für Infektionen, wichtige Eiweißstoffe für Immunsystem und Blutgerinnung werden vermindert produziert. Im Falle einer Autoimmunhepatitis oder nach Lebertransplantation kommen Medikamente (Immunsuppressiva) zum Einsatz, die die Abwehrlage noch zusätzlich schwächen. Generell sollten Patienten mit chronischen Leberleiden Belastungen des Organs durch Alkoholgenuss und unnötige Einnahme von Tabletten vermeiden.

Vermeidung von Infektionen
Übertragungen erfolgen vor allem fäkal-oral über kontaminierte Lebensmittel (z.B. Muscheln)  oder Getränke, aber auch durch Schmierinfektion oder sexuelle Kontakte. In seltenen Fällen erfolgt die Übertragung durch Blutprodukte. Besonders dort, wo zahlreiche Menschen unter schlechten hygienischen Bedingungen auf engem Raum zusammenleben, findet sich ein erhöhtes Risiko.

Wichtig ist Hygiene:

Auch die weiteren wichtigen Infektionsquellen lassen sich vermeiden:

Auch Mückenschutz ist wichtig:

Impfungen
Bestimmte Virusinfektionen können bei Patienten mit chronischer Leberschädigung besonders schwer verlaufen.
Gegen einige dieser Infektionen stehen Ipfstoffe zur Verfügung.

Der Impferfolg bei Leberleiden kann generell geringer ausfallen , insbesondere auch bei der Hepatitis B-Impfung (ggf. sollte deahlab nach Impfung eine Antikörperkontrolle erfolgen). Patienten mit weit fortgeschrittenem Leberleiden oder nach Lebertransplantation sollten keine Impfungen mit Lebendimpfstoff erhalten. Inaktivierte Impfstoffe können ggf. bei entsprechender medizinischer Notwendigkeit verabreicht werden.

Bei Aufenthalt in den Regenwaldgebieten des tropischen Afrikas und Südamerikas wird gesunden Reisenden eine Gelbfieberimpfung empfohlen. Da es sich um eine Impfung mit Lebendimpfstoff handelt, der bei Immungeschwächten mitunter zu einer gelbfieberähnlichen Erkrankung führen kann, wird diese Impfung für Organtransplantierte, ältere Personen und Patienten mit fortgeschrittener chronischer Leberschädigung nicht empfohlen. Personen mit gravierender Lebererkrankung sollten möglichst auf Aufenthalte in Gelbfieberrisikogebieten verzichten.

Fazit
Reisen kann bei chronisch kranken Patienten positive Effekte auf die Gesundheit haben. Um die gesundheitsfördernden Möglichkeiten zu maximieren und gesundheitsschädliche Effekte zu vermindern, sollten die Reisepläne rechtzeitig mit dem behandelnden Arzt und ergänzend mit einem erfahrenen Reisemediziner besprochen werden.

Quellen

HEF, 09.08.2012



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