Fachinformationen - Guineawurm


Drakunkulose: Der Guineawurm steht vor der Ausrottung

Bei der Drakunkulose handelt es sich um einen Befall mit dem Fadenwurm Dracunculus medinensis, auch Medinawurm, Guineawurm oder Drachenwurm (lat. dracunculus: kleiner Drache) genannt. Die Erkrankung kommt vor allem in der Sahara und im subsaharischen Afrika vor. Insbesondere in Regionen mit schlechter Trinkwasserversorgung. 

Bildquelle Irina Klein


Entwicklungszyklus
Die Larven des Wurms finden sich in winzig kleinen Ruderfußkrebsen (Cyclopskrebse, "Wasserflöhe", "Hüpferlinge"). Die befallenen Ruderfußkrebse können mit verunreinigtem Trinkwasser aufgenommen werden. Dadurch, dass die Tiere durch die Verdauungssäfte aufgelöst werden, kommt es zur Freisetzung der Guineawurm-Larven in den Dünndarm. Sind sie in der Bauchhöhle angelangt, penetrieren die Larven peritoneale oder inguinale Lymphknoten. Die weiblichen Larven wandern in das subkutane Fettgewebe, im Bereich des Rumpfes oder häufiger noch Bereich der untereren Extremität. Im Laufe seiner Wanderung durch den Körper reift die Larve zum Wurm heran. Der vollentwickelte weibliche Wurm erreicht eine Länge von etwa 60-80 cm, wird aber nur bis zu 2 Millimeter dick. Innerhalb eines Jahres bildet sich eine Hautläsion. Kommt die Stelle mit Wasser in Kontakt, perforiert der Wurm die Haut und schüttet Erstlarven ins Wasser aus, die dann wieder von Cyclopskrebsen aufgenommen werden und sich zu infektionsfähigen Larven weiterentwickeln. Die Larvenausschüttung sobald der Patient mit Wasser in Kontakt kommt, hält für wenige Wochen an. Dann stirbt der Wurm und das Geschwür heilt aus, sofern keine Komplikationen aufreten.

Klinik
Symptome machen sich meist erst etwa neun Monate nach Infektion bemerkbar. Es entsteht eine bis zu taubeneigroße schmerzhafte Blase. Auch Juckreiz ist möglich. Befinden sich die Würmer in der Nähe von Gelenken, so können reaktive Arthritiden auftreten. Organkomplikationen sind selten. Ein größeres Risiko stellen Sekundärinfektionen mit Bakterien dar. Schwere Wundinfektionen mit Abszessbildung, Phlegmone oder Entwicklung einer Sepsis sind möglich. Nicht zuletzt besteht ein erhebliches Tetanusrisiko.

Therapie
Eine einfache medikamentöse Therapie existiert nicht, vielmehr muss der Wurm oft über einen Zeitraum von Wochen Stück für Stück aus der Haut gezogen und an einem Stöckchen aufgerollt werden. Damit unterscheidet sich die "moderne" Therapie nicht grundlegend von der Behandlung, wie sie vor hunderten oder sogar tausenden Jahren durchgeführt wurde. Allerdings werden heute meist ergänzend Antibiotika gegeben, um Sekundärinfektionen zu vermeiden. Zusätzlich wird eine Wunddesinfektion durchgeführt und der Tetanusimpfschutz aufgefrischt.

Prävention
Die Drakunkulose lässt sich wirksam durch wenige Maßnahmen vermeiden:

Eradikation
Der Höhepunkt von Erkrankungswellen in Endemiegebieten fiel zeitlich häufig in die Erntesaison. Vor allem wegen der vergesellschafteten Gelenkschmerzen waren Patienten oft nicht arbeitsfähig. Die Bekämpfung der Drakunkulose diente nicht nur der Minderung von Leid, sondern hatte stets auch einen handfesten wirtschaftlichen Nutzen. In vielen Ländern kam es zu einem spontanen Verschwinden der Drakunkulose, zum  Beispiel in Guinea und Gambia. Damit ist eine Eradikation der Erkrankung also prinzipiell möglich.

Die folgenden Punkte machen den Versuch einer Eradikation im Falle des Guineawurms sogar relativ aussichtsreich:

Bildquelle: Jäger

Eradikations-Programme
Im Rahmen eines Programmes zur Verbesserung der internationalen Trinkwasserversorgung wurde bereits 1981 begonnen, dem Guineawurm systematisch zu Leibe zu rücken. Die Eradikation hätte bis 1990 erfolgt sein sollen, gelang jedoch nicht. Die Deadline wurde schließlich um fünf Jahre verschoben, ohne Erfolg. Mittlerweile läuft die Eradikations-Kampagne nun bereits seit 30 Jahren. Das Ziel einer vollständigen Ausrottung wurde nicht erreicht. Vor allem Äthiopien, Mali und der Sudan sind weiterhin endemisch für die Drakunkulose, im Tschad ist die Erkrankung wieder neu aufgetreten. Mehr als 1.000 Erkrankungen waren im Jahr 2011 in diesen vier Ländern zu verzeichnen.   

Die wichtigsten Elemente des Eradikations-Programmes sind: 

Gründe für die Stagnation
Während Eradikationsprogramme für die Pocken oder die Rinderpest innerhalb von 10 Jahren bzw. (etwa) 16 Jahren zum Erfolg führten, stagnieren die Programme zur Ausrottung der Kinderlähmung (Polio) und der Drakunkulose. Am Beispiel Ghana, wo die Guineawurm-Eradikation 13 Jahre lang stagnierte, erläuterten Cairncross und Kollegen (2012) die Schlüsselfaktoren für den Misserfolg:

Fazit
Der Erfolg von Eradikationsmaßnahmen ist in hohem Maße abhängig vom zugrundeliegenden politischen Willen und dem Managment der vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen. Vor allem ist eine Bündelung der Anstregungen erforderlich, um das Ziel möglichst innerhalb von 10 Jahren zu erreichen. Jenseits dieses Zeitraums schwindet die Motivation erfahrungsgemäß recht bald und finanzielle Mittel werden zunehmend abgezogen.

Quellen

Links


 Weitere Artikel:

MG, 15.10.2012



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