Reiseinformationen - Gesundheit instabil


Reisen mit instabiler Gesundheit


Nach Angaben der „Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren Organisationen“ reisen gerade ältere Menschen sehr gerne (60% der über 69-jährigen). Viele Menschen in dieser Altergruppe sind in einem guten Gesundheitszustand, und auch Personen, die an der einen oder anderen Erkrankung (zum Beispiel hohem Blutdruck oder Diabetes) leiden, brauchen auf das Reisen nicht zu verzichten.

Allerdings bestehen im höheren Lebensalter oft mehrere Erkrankungen gleichzeitig, die auch bereits medikamentös behandelt werden, und die unter Umständen bei Änderungen der äußeren Gegebenheiten, zum Beispiel auf Reisen, Probleme bereiten können.

Reisevorbereitung
Bereits die Vorbereitung auf eine Reise kann mit Hektik und Stress einhergehen. Durch eine rechtzeitige Planung können viele unnötige Belastungen vermieden werden. Ein erster Schritt kann der Besuch des Hausarztes sein. Hier kann im persönlichen Gespräch geklärt werden, ob es vielleicht aktuell Bedenken in punkto Reisefähigkeit gibt.
Oft sind Einschränkungen der Reisefähigkeit nur vorübergehend und können durch Umstellung der medikamentösen Behandlung oder der Ernährung wieder wegfallen.

Für den Fall, dass bestimmte Anstrengungen nicht empfohlen werden können, existieren meist noch sinnvolle Alternativen. Zum Beispiel Teilnahme an einer Kreuzfahrt statt einer Rundreise im Reisebus. Auch ist der Besuch des Arztes sinnvoll, um den Medikamentenbedarf während der Reise abzuschätzen. Maßnahmen zum Schutz vor Thrombose können besprochen werden, wenn die Reise mit einem Langstreckenflug verbunden ist. Es ist meist besser, sich nicht auf die Versorgung am Urlaubsort zu verlassen, sondern alle benötigten Medikamente in ausreichender Menge im Handgepäck mitzuführen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung, da eine ärztliche Versorgung im Ausland sehr kostspielig werden kann. Die Versicherung sollte bei Krankheit oder Unfall auch die Rückführung aus dem Ausland abdecken. Ein Rücktransport sollte bereits möglich sein, “wenn medizinisch sinnvoll” und nicht nur “wenn medizinisch notwendig”. Bei Ländern im europäischen Raum kommt die gesetzliche Kasse in der Regel für die Behandlungskosten, nicht aber für die Kosten eines Rücktransportes auf. Daher kann auch bei Reisen innerhalb Europas ggf. eine Zusatzversicherung sinnvoll sein. Auch ist es oft sinnvoll, sich rechtzeitig vor der Buchung der Reise Gedanken über mögliche Begleitpersonen zu machen. Reisen Personen mit stärkerer gesundheitlicher Beeinträchtigung, so ist die Mitnahme einer gesunden, vielleicht sogar medizinisch erfahrenen Begleitperson durchaus empfehlenswert. Dies gilt besonders, wenn während der Reise regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks, Blutzuckerspiegels etc. erforderlich sind.

Besonderheiten bei Fernreisen
Geht es in tropische oder subtropische Regionen, so kann der Termin beim Hausarzt noch ergänzt werden durch einen Besuch bei einem Reisemediziner, Impfzentrum oder Tropeninstitut. Ist die Einnahme von Malariamedikamenten erforderlich, so muss das individuell geeignetste Präparat ausgewählt werden. Um das bestgeeignete Präparat auszuwählen, benötigt der Reisemediziner Angaben zu vorliegenden Erkrankungen und eingenommenen Medikamente. Daher sollten die Beipackzettel der aktuell verwendeten Medikamente und - soweit vorhanden - Arztbriefe und Untersuchungsbefunde mitgebracht werden. Dies gilt auch für das Impfbuch und sonstige Impfunterlagen. Speziell bei Älteren und chronisch Kranken sollte auf Impfungen gegen Grippe (Influenza) und Lungenentzündung (Pneumokokken) geachtet werden. Sofern nicht bereits ein Schutz vorliegt (ggf. Antikörpertest) ist auch eine Impfung gegen Hepatitis A zu empfehlen, möglichst mit Hepatitis A/B-Kombinationsimpfstoff. Auch kann die individuelle Zusammenstellung der Reiseapotheke besprochen werden. Da im Falle bestimmter Erkrankungen (z.B. bei schwerer Leberschädigung) Malariamedikamente und Gelbfieberimpfung (empfohlen bei Reisen ins tropische Afrika oder Südamerika) kontraindiziert sind, sollte die reisemedizinische Beratung möglichst noch vor endgültiger Buchung der Reise erfolgen. Jenseits des 60. Lebensjahres ist von einer schlechteren Verträglichkeit der Gelbfieberimpfung im Hinblick auf seltene aber u.U. gefährliche Nebenwirkungen gerechnet werden.

Während der Reise
Für bestimmte Medikamente, zum Beispiel Betäubungsmittel, gelten in vielen Ländern strenge Ein- und Ausfuhrbestimmungen. Ist eine Mitnahme von Spritzen und Kanülen erforderlich, z.B. bei insulinpflichtigem Diabetes, so sollte eine ärztliche Erklärung, ggf. in englischer Sprache oder der Sprache des Reiselandes, mitgeführt werden. Dies gilt u.U. auch für die Mitnahme verschreibungspflichtiger Medikamente, zusätzlich sollten die von der Apotheke abgestempelten Rezepte mitgeführt werden.

Am Urlaubsort

Nach der Ankunft im Hotel kann bereits zu einem frühen Zeitpunkt geklärt werden, an welchen Arzt vor Ort man sich im Falle einer plötzlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands wenden könnte. Grundsätzlich gilt bei jedem auftretenden Fieber, stärkeren Durchfallerkrankungen oder plötzlicher Verschlechterung des Allgemeinbefindens: sofort einen Arzt aufsuchen. Ist es am Urlaubsort zu gesundheitlichen Problemen gekommen, ist eine zusätzliche ärztliche Untersuchung nach der Heimreise ebenfalls zu empfehlen. Besonders in den ersten Tagen am Urlaubsort sollten Anstrengungen, z.B. Bus-Touren oder Ausflüge, vermieden werden.

Reisen bieten vielfältige Gelegenheiten körperlich und geistig neue Kraft zu schöpfen. Hierzu können das Erleben von Natur, der Austausch mit anderen Menschen und das Genießen abwechslungsreicher Speisen beitragen. Unnötige Aufregungen sollten jedoch vermieden werden. Zur Abrundung kann ein leichtes Bewegungstraining mit Schwimmen, Wandern und Gymnastik während aber auch nach der Reise in den Tagesablauf integriert werden.

Fazit

Auch bei beeinträchtigtem Gesundheitszustand sind Reisen bei entsprechender Planung und Vorbereitung möglich und können sogar dazu beitragen, wieder neue Energie und Lebensfreude zu schöpfen.

 

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RMZ, 20.08.2012



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