Reiseinformationen - Erhöhtes Körpergewicht


Übergewicht

Einführung
Das Motto eines Reiseveranstalters für Übergrößen lautet: “Warten Sie nicht auf schlanke Zeiten, denn das Leben beginnt jetzt”. Wie bereits seit Längerem in den USA, so werden jetzt auch vermehrt in Europa Reisen für die speziellen Bedürfnisse Übergewichtiger angeboten. Mancher Urlauber hat aufgrund seines Körpergewichts unter Nachteilen und Einschränkungen zu leiden. Die sprichwörtlich schönste Zeit des Jahres kann bei Standardunterbringung leicht zum Spießrutenlauf werden: grazile Hotelstühle mit Lehnen, schmale Betten, winzige Duschkabinen, Hemmungen, sich anderen Gästen gegenüber in Badekleidung am Strand oder Swimming Pool zu zeigen, musternde Blicke von Mitreisenden am Kalten Büfett. Alternative Reisekonzepte können helfen, wieder positive Erfahrungen mit sich selbst und anderen zu machen. Im Idealfall können Reisen auch dazu beitragen, der Tretmühle des Alltags zu entfliehen.


Übergewicht als Gesundheitsproblem
Etwa die Hälfte aller Deutschen ist übergewichtig; darunter auch etwa 3,5 Millionen Kinder und Jugendliche. Die drei Fs “Fastfood, Fernbedienung und Fettpolster” bilden eine unheilige Allianz. Wer sich wenig bewegt und zudem viel, fett und süß isst, stört das Gleichgewicht zwischen Energieaufnahme und -verbrauch. Das Zuviel an Kalorien schlägt sich dann schnell in Form von lästigen Fettdepots an Bauch und Hüfte nieder. Schlechte Ernährungsgewohnheiten und Mangel an Bewegung finden sich generationsübergreifend. Schädigungen der Blutgefäße mit Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall resultieren vor allem bei einer Kombination von hohem Blutdruck, erhöhten Blutzuckerwerten und zu hohen Blutfettwerten.

Ab wann spricht man von Übergewicht?
Als gesundheitsrelevant gelten vor allem die Fettdepots des Körpers, die die Bauchorgane umschließen. Daher kann ein erhöhter Bauchumfang als Hinweis auf ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko angesehen werden. Dies ist bei Frauen der Fall, wenn der Bauchumfang bei über 88 cm und bei Männern, wenn der Bauchumfang über 102 cm liegt. Gemessen wird im Stehen. Man nimmt ein Maßband und misst zwischen der untersten Rippe und dem Beckenknochen. Dabei wird ausgeatmet. Das am häufigsten verwendete Maß für Übergewicht ist der Body Mass Index (BMI). Der BMI berechnet sich, indem das Gewicht (kg) geteilt wird durch die mit sich selbst multiplizierte Körpergröße (m); also:

BMI = Körpergewicht (kg) / (Körpergröße [m] x Körpergröße [m])

Von Normalgewicht spricht man bei einem BMI zwischen 18,5 und 24,9, von Übergewicht bei einem BMI über 25,0. Von Fettleibigkeit im engeren Sinne spricht man, wenn der BMI über 30,0 liegt.

Reisevorbereitungen
Vor einer Fernreise sollte zunächst die allgemeine Reisefähigkeit mit dem Hausarzt besprochen werden. Dies gilt insbesondere bei Vorliegen chronischer Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck. Weiterführende Hinweise können im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung gegeben werden. Bei stärkeren gesundheitlichen Einschränkungen sollten die Möglichkeiten einer medizinischen Versorgung vor Ort möglichst bereits vor der endgültigen Buchung einer Reise geklärt werden.

Bei Reisen in Länder mit hohem Malariarisiko, zum Beispiel in Regionen des tropischen Afrika, wird eine medikamentöse Malariaprophylaxe empfohlen. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass nicht jedes Malariamedikament für jeden Reisenden geeignet ist. Im Falle der Einnahme von Medikamenten zur Blutdrucksenkung ist u.a. Vorsicht in der Anwendung des Malariamedikamentes LariamTM angebracht. Mitunter ist bei der Anwendung von LariamTM auch eine Anpassung der Dosierung an das Körpergewicht sinnvoll. Obwohl wenig exakte Daten hierzu vorliegen, gehen viele Experten davon aus, dass bei einem Körpergewicht ab 90 kg 1,5 Tabletten LariamTM (statt einer Tablette) pro Woche genommen werden sollte. Ab 120 kg Körpergewicht können 2 Tabletten LariamTM pro Woche genommen werden, zum Beispiel jede Woche montags und donnerstags je eine Tablette. Hinsichtlich anderer Malariamedikamente existieren keine Empfehlungen zur Erhöhung der üblichen Erwachsenendosierung. In Einzelfällen kann dies jedoch vom verschreibenden Arzt erwogen werden. Jede Fernreise kann als Gelegenheit genutzt werden, den Impfschutz zu aktualisieren. Nicht selten sind auch spezielle Reiseimpfungen empfohlen. Eine gelegentlich in Studien beobachtete Verminderung des Impfschutzes bei Übergewichtigen dürfte zumindest teilweise auf die Verwendung zu kurzer Kanülen zurückzuführen sein. Wird beispielsweise eine Hepatitis B-Impfung statt in den Muskel in das Fettgewebe injiziert, so muss mit einer verminderten Wirksamkeit gerechnet werden. Daher sollte eine ausreichend lange Kanüle verwendet werden und als Injektionsstelle generell nicht das Gesäß sondern der Deltoidmuskel am Oberarm gewählt werden. Dies kommt oft neben der Wirksamkeit auch der Verträglichkeit zugute.

Bereits vor einer Reise kann man den Körper durch regelmäßige Bewegung (Radfahren, schnelles Gehen, Schwimmen) auf die Urlaubsaktivitäten vorbereiten. Eine bewusste Ernährung und der Verzicht auf das Rauchen können die Lebensqualität zusätzlich erhöhen.

Tipps für die Flugreise
Die Bedingungen während des Fluges sind oft sehr beengt. Es ist nicht zwangsläufig notwendig, Business oder Erste Klasse zu buchen. Während der Buchung oder spätestens beim Check-in kann auf den erhöhten Platzbedarf hingewiesen werden. Oft gibt es Möglichkeiten, den benachbarten Platz frei zu lassen. Oder der zweite Sitz kann zum Preis eines Kindersitzes hinzugebucht werden. Bei Start und Landung muss die Armlehne jedoch aus Gründen der Sicherheit heruntergeklappt werden.


Während eines Langstreckenfluges kann im Falle von Übergewicht ein höheres Thromboserisiko bestehen. Bei Übergewicht erhöht auch hier das Körperfett den Druck auf die Venen im Bauchraum, in den Beinen entsteht ein Blutstau. Kommen dann noch Rauchen und Bewegungsmangel hinzu, steigt das Thromboserisiko um ein Vielfaches!
Grundsätzlich sollte das individuelle Thromboserisiko vor der Reise, zum Beispiel mit Hilfe des Hausarztes, abgeschätzt werden. Grundsätzlich sollte während des Fluges auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Bewegung geachtet werden. Ergänzend können angepasste Kompressionsstrümpfe getragen werden, um die Blutzirkulation in den Beinen zu unterstützen. Eine Einnahme von Aspirin hat keinen nachgewiesenen Effekt für die Vermeidung der tiefen Bein- und Beckenvenenthrombose. Bei deutlich erhöhtem Thromboserisiko kann jeweils vor Hin- und Rückflug eine Heparinspritze zur “Blutverdünnung” verabreicht werden.


Am Urlaubsort
Aufenthalte in den Tropen und Subtropen sind meist verbunden mit hohen Umgebungstemperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit; dies kann als belastend empfunden werden. Oft benötigt der Körper etwas Zeit, sich an die neue Umgebung anzupassen.
Anstrengungen und Aufregung sollten daher vermieden werden. Schritt für Schritt können Sie die Möglichkeiten vor Ort erkunden.


Die Pflege der Haut ist sehr wichtig, aber vielleicht etwas problematisch, da sich zwischen Hautfalten Flüssigkeit und Wärme stauen können, was zu einer mechanischen Reizung und Entzündung führen kann, die einem die weiteren Urlaubstage verleiden. Dazu einige Tipps:

Die vor der Reise betriebene körperliche Betätigung kann nach den ersten Tagen des Aufenthaltes wieder aufgenommen werden. Bewegung ist die beste Art, einen langanhaltenden Erholungseffekt zu erreichen. Oft können Trainer und Animateure helfen, das Bewegungsprogramm zu gestalten. Ausflüge und Mahlzeiten machen in der Gruppe mehr Spaß. Hinsichtlich der Ernährung sollte bei den grundsätzlich empfohlenen Gemüse, Obst und Vollkornprodukten (Müsli etc.) stets auch die Nahrungsmittelhygiene berücksichtigt werden. Ungeschältes Obst und nicht ausreichend gewaschene Salate können zu Darminfektionen führen. Der Konsum von Fleisch kann ggf. zugunsten von Fisch eingeschränkt werden.

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RMZ, 27.07.2012



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