Reiseinformationen - Antibiotika-resistente Hospitalkeime


Antibiotika-resistente Hospitalkeime
Multiresistente Erreger sind eine der größten Herausforderungen mit denen unsere Gesundheitssysteme derzeit konfrontiert sind. Antibiotikaresistente Keime gedeihen vor allem in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Genaue Statistiken existieren nicht. In Deutschland schätzen Experten, gehen jährlich 7.500 bis 40.000 Todesfälle auf das Konto von Hospitalkeimen. Das Problem dürfte sich in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen.

Wesentliche Maßnahmen zur Eindämmung von Hospitalinfektionen sind vor allem:

Synthetische Biologie
Über diese essentiellen Maßnahmen hinaus entwickelten Forscher der Technischen Universität in Singapur eine neue Idee, wie man den resistenten Krankenhauskeimen beikommen könnte. Sie schlugen vor genmanipulierte Bakterien zu schaffen, die in der Lage sind, antibiotikaresistente Hospitalkeime abzutöten.

Die Überlegungen von Wook Chang und Kollegen beruhen auf den Prinzipien der Synthetischen Biologie, einer Wissensdisziplin, die als neuestes Konzept der modernen Biologie betrachtet wird. Durch Zusammenarbeit von Molekularbiologen, organischen Chemikern, Biotechnologen und Ingenieuren werden, quasi am Reißbrett, Organismen konzipiert, die maßgeschneidert bestimmte Aufgaben übernehmen können. Ausgangspunkt für den "Bakterienkiller" wären gewöhnliche Darmbakterien. In solche Darmbakterien wurde experimentell ein molekularer Sensor eingefügt, der die chemischen Botenstoffe von Pseudomonas aeruginasa, einem verbreiteten Hospitalkeim, erkennt. Registriert der Sensor die Anwesenheit von Pseudomonas, so wird ein künstlich geschaffener Mechanismus in Gang gesetzt, nämlich die Ausschüttung eines natürlichen Giftstoffes (E7 Lysis Protein), der den Hospitalkeim "zerplatzen" lässt. In der Umgebung des "Killers" werden 99% der Pseudomonas-Bakterien abgetötet.

Das genmanipulierte Bakterium war auch in der Lage, Pseudomonas an der Bildung von Biofilmen zu hindern oder sie trotz bereits bestehendem Biofilm abzutöten. Unter "Biofilm" versteht man eine z.B. von Keimen produzierte schützende Schleimschicht in der sie sich vor für sie schädlichen Umwelteinflüssen verbergen können. Biofilme lassen sich  mitunter auf medizinischen Geräten nachweisen. Hierdurch kann Pseudomonas an der Luft länger überleben. Die Entwicklung eines gegen Hospitalkeime gerichteten Killerbakteriums steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Bisher ist die Anwendung noch nicht einmal im Tierversuch etabliert. Die medizinische Anwendung lebender genmanipulierter Organismen (GMOs) wäre auch nicht ohne Risiko, da unbekannt ist  wie sie in komplexen Ökosystemen wirken würden.

Fazit
Die Anwendung genmanipulierter Organismen könnte möglicherweise ein neuer interessanter Ansatz zur Lösung des Problems multiresistenter Erreger sein. Hoffnungen auf derartige Entwicklungen sollten jedoch kein Grund sein, das Mögliche zur Kontrolle des Problems nicht bereits heute zu tun.

 

Literatur

 

Weiere Artikel

 

MG, HEF, 21.08.2012



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