Fachinformationen - PVL positive Staphylokokken


PVL-positive Staphylokokken

Manche ansonsten gesunde Erwachsener leiden an unangenehmen Hautinfektionen, die immer wiederkehren (rezidivierend, bullös, nekrotisierend). Zunehmend häufig werden dann "PVL-positive“ Staphylokokken nachgewiesen.

Die Abkürzung PVL steht für „Panton-Valentine-Leukozidin“. Es handelt sich um ein porenbildendes Toxin, das erstmalig 1932 von Panton und Valentine beschrieben wurde. PVL ist in der Lage Makrohagen und Neutrophile abzutöten und kann damit die Persistenz der Erreger im Gewebe deutlich verlängern.

PVL-positive Staphylokokken finden sich vor allem in Nordamerika und Australien. In Europa ist der Erreger wahrscheinlich weniger verbreitet, jedoch wird hier auch seltener auf PVL getestet. In Deutschland liegt der Anteil von PVL-positiven Staphylokokken bei bis zu 10% der staphylokokkenbedingten Weichteilinfektionen (labor-enders.de). An Universitätskliniken wurden bis zu 30% der Staph. aureus Isolate aus (schweren) Weichteilinfektionen positiv getestet. Bei in Entwicklungsländern erworbenen Infektionen, besonders bei Afrikarückkehrern, finden sich PVL-positive Staphylokokken ebenfalls vergleichsweise häufig.

Da PVL ein Pathogenitäts- und kein Resistenzfaktor ist, bleibt es bei der Durchführung eines Antibiogramms unberücksichtigt. Soll auf PVL getestet werden, muss dies speziell angefordert werden.

Die Übertragung von Staphylokokken erfolgt meist über enge Kontakte im Haushalt, bei Kontaktsportarten (z.B. Ringen) oder im Fitness-Studio. 

Verdacht
Verdächtig sind Infektionen mit Nachweis Methicillin-sensibler Staphylokokken, die auf eine Standardbehandlung mit Flucloxacillin oder Macrolide nicht ansprechen. In solchen Fällen bietet sich eine PVL-Diagnostik an. Auch multiresistente Erreger können PVL-positiv sein. Führt eine gezielte Therapie nach Antibiogramm nicht zum Erfolg, könnte es sich um eine Infektion mit PVL-positiven Staphylokokken handeln.

Wichtigste Komplikation
Nekrotisierende Pneumonie. Etwa ein Viertel der Patienten mit durch PVL-positive Staphylokokken bedingter nekrotisierender Pneumonie litten zuvor unter Hautläsionen oder hatten enge Kontakte zu Staphylokokken-Trägern.

Therapie
Bemerkenswerterweise schlägt Flucloxacillin, unabhängig davon, ob eine Resistenz vorliegt oder nicht, oft nicht ausreichend an. Ursache hierfür könnte sein, dass Flucloxacillin eine „Abwehrreaktion“ des Bakteriums mit vermehrter Freisetzung von PVL provoziert. Durch PVL-positive Staphylokokken hervorgerufene Abszesse sind meist nicht gut abgekapselt, daher ist nach Drainage oft eine anschließende Antibiotikabehandlung notwendig. Erfolge bei der Abszessbehandlung wurden mit einer vierwöchigen Gabe von Rifampicin mit Clindamycin (oder Docycyclin oder Trimethoprim) erzielt. Gefolgt von einer Anwendung von Chlorhexidin-Waschlösung und Mupirocin-Nasensalbe über fünf Tage zur endgültigen Sanierung.

Weitere Informationen

 Literatur

 

MG, HEF, 10.03.2014



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