Fachinformationen - Medikamente: Qualität in den Tropen


Arzneimittelqualität in den Tropen

84% der Malariamedikamente, die in Lagos zum Verkauf angeboten werden, seien unbrauchbar oder gefälscht, meldet die Tageszeitung The Guardian Nigeria in Ihrer Ausgabe vom 30.03.2012. Diese Schreckensnachricht mag von der örtlichen Presse aufgebauscht sein. Es spricht aber vieles spricht dafür, dass die Gefahren, die von einer geringen Qualität er Arzneimittelversorgung in Afrika und Asien ausgehen, bedrohlich genug sind.

Zum Hintergrund Malaria:

Gefälschte Malariamedikamente in Afrika und Asien

Eine 28-jährige Spanierin erkrankte während ihres Urlaubs in Äquatorialguinea an Malaria. Die verabreichten Anti-Malaria Medikamente mit den angegebenen Inhaltstoffe Artemesinin (Artesunate®) und eine Kombination von Sulfadoxin und Pyrimethamin zeigten nicht die gewünschte Wirkung und der Zustand der Patientin verschlechterte sich. Laboruntersuchungen ergaben, dass das von dem vietnamesischen Pharmakonzern hergestellte Artemesinin-Präparat keine aktiven pharmazeutischen Inhaltsstoffe enthielt.

Bild der Präparatepackung:

Nach einem Vergleich mit ähnlichen in Afrika gekauften Produkten wurden auf der Packung mehrere Rechtschreibfehler, eine gefälschte Unternehmensregistrierungsnummer und andere Designunterschiede festgestellt. Nach Behandlung mit einem Original-Präparat erholte sich die Patientin nach drei Tagen und konnte im November 2011 entlassen werden.

Gefälschte oder wegen falscher Lagerung beeinträchtigte Medikamente führen in vielen Ländern mit unzureichender Kontrolle des Pharmamarktes zu Todesfällen im Zusammenhang mit Malaria und zu Resistenzen .

Das Problem gefälschter Malariamittel nimmt in den letzten Jahren zu, wie eine Untersuchung zur Qualität von Malariamedikamenten aus elf afrikanischen Ländern zwischen 2002 und 2010 eindrücklich belegt, u.a. mit Fotos gefälschter Medikamente (Malaria Journal 2011). In dieser Studie wurde die Art der verschiedenen Fälschungen untersucht, so dass nicht auf den Marktanteil der Fälschungen geschlossen werden konnte.

Der WHO-Report zur Qualität der Malariamedikamente in Afrika (2011) kommt dagegen zu Schätzungen  hinsichtlich der Qualität von Artemisinin-Kombinationspräperaten zur Behandlung der Malaria. Ausgewählt wurden sechs afrikanische Länder, die zur Verbesserung der Arzneimittelversorgung von der WHO finanziell unterstützt wurde. Eine Stichprobe von 306 Proben wurden umfassend auf ihre Qualität hin analysiert.

Auch korrekt hergestellte Medikamente können schließlich in Krämerläden oder auf Markständen landen, und dort durch falsch Lagerung unbrauchbar oder vielleicht auch giftig werden.

Schließlich kann auch das beste Medikament bei mangelnder Qualität des Arztes falsch dosiert und ohne Grund angewendet werden.

Studien im Auftrag der WHO zeigen deutlich, dass auch stationäre Behandlungen und Operationen in Schwellenländern mit erheblichen Risiken verbunden sein können (Wilson 2012, Weisser 2008).

In einer Übersichtsarbeit (Nayyar 2012, Lancet Infectious Diseases) wurde der Umfang der gefälschten Malariamedikamente in Afrika und Asien aktuell bewertet. Von 1.437 zufällig und repräsentativ ausgewählten Medikamentenproben in sieben Ländern Südostasiens waren bei mindestens 497 (35%) die Inhaltsstoffe unterdosiert oder gar nicht vorhanden. Von 919 untersuchten Verpackungen stellten sich 423 (46%) als gefälscht heraus. In 21 Untersuchungen in 21 Ländern im subsaharischen Afrika waren die Inhaltstoffe bei 796 (35%) von 2.297 fehlerhaft. Verpackungen waren nur in Burkina Faso untersucht worden und stellten sich bei 36% der Stichproben als gefälscht heraus.

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Literatur

HEF, SH, M, 09.11.2012



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