Fachinformationen - Malaria-Risiko Großbritannien 2012


Malaria: Im Dezember besonders gefährlich?

Im Vereinigten Königreich wurden zwischen 1987 und 2006 mehr als 39.000 Malaria-Erkrankungen mit 191 Todesfällen dokumentiert. Für mehr als 96% der Todesfälle war Plasmodium falciparum, der Erreger der Malaria tropica, verantwortlich. Eine Malaria tropica ist im allgemeinen einfach zu behandeln, trotzdem liegt die Sterblichkeitsrate (Letalität) dieser Erkrankung in den meisten Industrieländern bei etwa einem Prozent, zwischen 1987-2006 in Großbritannien exakt bei 0,73%.

Bildquelle: Denis Zimmer


Die Sterblichkeitsrate an Malaria tropica ist umso höher, je mehr Zeit vergeht zwischen:

Risikofaktor Alter
Obwohl es in Afrika überwiegend Säuglinge und Kleinkinder sind, die der Malaria zum Opfer fallen, findet sich bei Reisenden ein völlig anderes Bild. Die Sterblichkeitsrate liegt bei über 65-Jährigen gut zehnmal höher als bei den 18-35 Jährigen. Und bei Kindern bis fünf Jahre war zwischen 1987-2006 war in Großbritannien kein einziger Todesfall zu verzeichnen.

Risikofaktor touristischer Aufenthalt
Afrikaner, die ihre Familie zum Beispiel in ländlichen Gegenden besuchen, können durchaus einem höheren Risiko ausgesetzt sein, an Malaria zu erkranken als Touristen.

Wie sieht es aber mit der Sterblichkeitsrate aus, wenn wir statistisch betrachtet die Gruppe der malariakranken Familienbesucher mit der Gruppe der malariakranken Touristen vergleichen?

Überraschenderweise ist das Risiko (in Großbritannien) an Malaria zu versterben für Touristen mehr als achtmal größer als für Familienbesucher. Einer von mehreren möglichen Gründen hierfür ist, dass der behandelnde Arzt bei einem Afrikaner, der gerade seine Familie besucht hat, schneller an Malaria denkt als bei einem Europäer, der mit Fieber seine Praxis aufsucht. 
 
Risikofaktor Reiseziel
Besonders nach Aufenthalten in Ländern mit bekannt hohem Malariarisiko stehen die Chancen für eine rechtzeitige Diagnose günstig. Anders sieht es mit Regionen aus, in denen gar kein ganzjährig hohes Risiko besteht, die ein Arzt daher u.U. gar nicht "auf dem Radar" hat. So liegt das Sterblichkeitsrisiko einer Malaria tropica nach Westafrika-Aufenthalt bei "nur" 0,6%. Dem steht ein Sterblichkeitsrisiko von 3,3% bei einer in Südafrika erworbenen Malaria gegenüber. Ein Aufenthalt in Ländern mit etablierter Tourismusindustrie führt auch leicht zu einer verzerrten Risikowahrnehmung. Spätestens wenn einem Einheimische vor Ort und Dauergäste im Hotel versichern, dass es mit der Malaria ja gar nicht so schlimm sei und sie in all den Jahren damit noch nie Probleme gehabt hätten. Auf diese Weise "aufgeklärt" hält der Reisende sein Fieber nach Rückkehr eben auch eher für eine "Grippe" als für eine Malaria. So verliert er kostbare Zeit. Die Sterblichkeitsrate von malariakranken Touristen nach Gambia-Aufenthalt liegt bei dramatischen 6%.

Bildquelle: Denis Zimmer


Risikofaktor Klinik
Patienten, die sich in Einrichtungen vorstellen, in denen öfters Malariafälle diagnostiziert und behandelt werden, haben ein geringeres Sterblichkeitsrisiko als Patienten, die Ärzte aufsuchen, die es nur sehr selten mit Malariapatienten zu tun haben.  

Risikofaktor "Dezember"
Eine Malaria tropica, die nach der Rückkehr nach Großbritannien im Monat Dezember ausbrach, war statistisch mit einer deutlich höheren Letalität behaftet als eine Malariaerkrankung im restlichen Jahr (2,5% vs. 0,6%). Was macht den Dezember zu so einem gefährlichen Monat? Wahrscheinlich spielen u.a. folgende Aspekte eine Rolle:

Fazit
Jede unklare grippeähnliche Symptomatik  nach Aufenthalt erfordert eine Malariadiagnostik. Der Malariaausschluss bzw. der Beginn der Therapie sollte innerhalb von 24 Stunden erfolgen.

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RMZ, 03.12.2012



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