Reiseinformationen - Malaria Vaccine


Malariaimpfstoff in Feldstudien

850.000 Menschen sterben jährlich an Malaria (Vereinte Nationen, 25. April 2010). Besonders häufig betroffen sind Kinder in Afrika im Alter unter fünf Jahren. Auf diese Gruppe entfallen 80% der Malaria-Todesfälle. Die Zahl der weltweit Erkrankten liegt in einer Größenordnung von mehreren hundert Millionen. Verantwortlich für die meisten Todesfälle ist der einzellige Parasit Plasmodium falciparum, der Erreger der Malaria tropica. Andere Malariaerreger wie P. vivax und ovale (M. tertiana) oder P. malariae (M. quartana) führen seltener zu tödlichen Krankheitsverläufen. Außerdem findet sich bei ihnen keine so ausgeprägte Resistenzproblematik gegenüber Malariamedikamenten wie dies bei P. falciparum der Fall ist. 

Die Bekämpfung der Malaria fußt zur Zeit auf einer weitverbreiteten und oft wenig kontrollierten Anwendung von Malariamedikamenten, Nutzung von Moskitonetzen und dem Einsatz von Insektiziden. Neue Methoden wie IPT ("intermittent preventive therapy"), also der regelmäßige Einsatz von Malariamedikamenten in bestimmten Risikogruppen wie Kleinkindern oder Schwangeren konnte in einzelnen Studien positive Ergebnisse zeitigen. Spektakuläre Erfolge waren bislang jedoch die Ausnahme. Das Unterfangen, die Malaria wieder zurückzudrängen (Roll Back Malaria) ist mühselig. Dafür sprechen einige Gründe:

Ein weiteres Instrument zur Malariabekämpfung wäre daher hochwillkommen. U.a. durch einen wirksamen Impfstoff könnte sich die Malariabekämpfung deutlich effektiver gestalten.

Impfstoff
In den vergangenen Jahren wurde massiv in die Malariaimpfstoff-Forschung investiert. Der vielversprechendste Kandidat derzeit ist der Malariaimpfstoff RTS,S. Die eigentliche Wirkkomponente des Impfstoffs besteht aus Zirkumsporozoiten Protein (CSP). Sporozoiten sind eine Stufe im Entwicklungszyklus des Malariaerregers. Sie gelangen beim Saugakt der Mücke ins Blut des Menschen und befallen schließlich die Leberzellen des Infizierten. Antikörper gegen CSP hindern die Sporozoiten daran, in die Leber einzudringen und unterbrechen damit den Infektionszyklus des Erregers. Allerdings reagiert das Immunsystem bei Infektion mit Sporozoiten so schwach auf CSP, dass weitere Infektionen nicht wirksam verhindert werden können.

Um die Reaktion des Immunsystems zu verstärken ist das Impfstoff-CSP an den wirksamen Bestandteil von Hepatitis B- Impfstoffen (HBs-Antigen) gekoppelt. Um die Immunantwort noch weiter zu verstärken, wurde zusätzlich ein Adjuvans (AS02A) beigefügt.

Studienergebnisse
In einer in Mosambik durchgeführten Studie konnte die Rate schwerer Malariaepisoden bei geimpften Kleinkindern um 49% gegenüber der ungeimpften Kontrollgruppe verringert werden. Eine Studie in Kenia und Tansania zeigte bei Säuglingen im Alter zwischen fünf und 17 Monaten eine Verringerung aller Malariaepisoden um 54%. In weiteren Studien in Gabun, Ghana und Tansania wurde der Malaria-Impfstoff zeitgleich mit den Standardimpfungen gegen Tetanus, Diphtherie (etc.) verabreicht und zeigte innerhalb der Studiengruppen ein günstiges Verträglichkeits- und Sicherheitsprofil. Etwa 20% der gewonnenen Daten flossen nachträglich in eine Analyse der Impfstoffwirksamkeit ein. Die Anzahl aller Malariaepisoden zeigte sich in dieser Untergruppe um 59% verringert. Insgesamt wird von einer klinischen Effektivität des RTS,S Impfstoffes von über 50% für 19 Monate ausgegangen, sofern er bereits im Säuglingsalter verabreicht wird. Am wirksamsten und praktikabelsten erwies sich die Impfstoffgabe in den Intervallen Monat 0, 1, 2.  

Ausblick und Fazit
Weitere großangelegte Multicenter-Studien an elf Standorten mit etwa 16.000 Teilnehmern sind geplant. Relevant sind neben der Einschätzung der Wirksamkeit und Verträglichkeit auch mögliche Langzeiteffekte. Auch Risiken in Verbindung mit der praktischen Durchführung von Impfprojekten müssen berücksichtigt werden. Hierzu gehören Risiken auch durch unsachgemäß durchgeführte Injektionen, falsch gelagerte Impfstoffe und mehrfach verwendete Spritzen und Kanülen (Bad Medicine). Bestätigen sich jedoch die bisherigen Ergebnisse, so könnte ein flächendeckender Einsatz des Malariaimpfstoffs im tropischen Afrika jährlich vielen hunderttausend Kindern das Leben retten.

Für Reisende in Malaria-Hochrisikogebieten, die nur einen kurzfristigen aber dafür besonders zuverlässigen Malariaschutz benötigen, sind Malariaimpfstoffe bis auf  Weiteres keine Alternative zu Mückenschutzmaßnahmen und medikamentöser Malariaprophylaxe.
 
Literatur

  Link

HEF, 18.06.2012



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