Reiseinformationen - Malaria: Gesamtübersicht


Malaria: Gesamtübersicht

Allgemein
Die Erreger der Malaria sind einzellige Parasiten aus der Familie der Plasmodien, die durch Anopheles-Mücken übertragen werden. Malaria findet sich vor allem im Tropengürtel der Nord- und Südhalbkugel. Beschwerden können sechs bis (>)40 Tage nach der Ansteckung auftreten. Meist liegt die Inkubationszeit bei etwa 12 Tagen. Im Vordergrund der Beschwerden stehen grippeähnliche Symptome, Fieber und Blutarmut (Anämie). Unbehandelt kann Malaria zu Koma und Tod führen. Die Diagnose wird mittels einer Blutuntersuchung gestellt, meist durch einen sog. „Dicken Tropfen“ oder einen Blutausstrich. Auch moderne Schnelltests erlauben i.d.R eine zuverlässige Diagnostik. Die Behandlung erfolgt mit speziellen Antimalaria-Wirkstoffen. Vorbeugend spielt vor allem ein sorgfältiger Mückenschutz eine Rolle. In Regionen mit hohem Risiko wird meist eine regelmäßige Medikamenteneinnahme empfohlen (Malariaprophylaxe), in Gegenden mit geringem Risiko aber unzureichendem Gesundheitswesen können Tabletten als Notfallmedikamtente mitgeführt werden. Die Einnahme des Notfallmittels erfolgt bei verdächtigen Symptomen ab 6. Tag des Aufenthaltes in einem Risikogebiet und fehlender Erreichbarkeit eines Arztes.

Malariarisiko (allgemein)
Für viele Regionen liegen oft keine genauen Informationen über die tatsächliche Höhe des Risikos vor. Die Infektionsgefahr hängt zudem von Unterbringung, Verhalten und Art der Umgebung ab. Ein Beschäftigter im diplomatischen Dienst in einem rundum vor Mücken geschützten und klimatisierten Haus hat im Zweifelsfall ein geringeres Malariarisiko als ein Kind, das unter einfachen Bedingungen in einem abgelegenen Dorf lebt und sich meist im Freien oder in ungeschützten Räumen aufhält.

Malariarisiko (Südostasien)
Die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle durch Malaria ist nach Angaben der WHO in der Region Südostasien seit 1989 kontinuierlich rückläufig. Die besonders betroffenen Regionen erstrecken sich entlang der Grenzen, da hier zahlreiche Menschen keinen Zugang zur medizinischen Versorgung haben und unter gesundheitswidrigen Bedingungen leben (Flüchtlinge, Migranten).

Malariarisiko (Südafrika)
Die drei wichtigsten Malariarisikogebiete Südafrikas sind Limpopo, Mpumalanga (incl. Krüger Nationalpark) und KwaZulu Natal. In Mpumalanga erkrankten im Jahr 2006 etwa 60% weniger Personen an Malaria als im Jahr 1999. Sollte sich dieser erfreuliche Trend fortsetzen, so könnte bald eine grundlegende Neubewertung des Malariarisikos für touristische Aufenthalte im Krüger Nationalpark nötig werden. Allerdings müssen für Südafrika u.a. stärkere saisonal bedingte Schwankungen der Malaria-Aktivität berücksichtigt werden, was einen direkten Vergleich, z. B. mit Ländern Südostasiens, erschwert.

Reiseziele ohne Malariarisiko
Viele Menschen träumen von einem Urlaub unter Palmen, scheuen aber das Risiko einer Tropenkrankheit. Reisen in Länder mit Gelbfieber- und/oder Malaria-Risiko sind zudem meist recht vorbereitungsintensiv. Ein Urlaub unter Palmen ist aber auch ohne nennenswertes Malariarisiko möglich.

Malariamedikamente
Die vorbeugende Einnahme von Malariamedikamenten (Prophylaxe) sollte bei sehr hohem Übertragungsrisiko erfolgen. Malariamedikamente müssen von einem Arzt unter Berücksichtigung des Gesundheitszustandes verschrieben werden. Zur Vorbeugung geeignet sind die Wirkstoffe Mefloquin (Lariam®), Atovaquon/Proguanil (Malarone®), ggf. Doxycyclin, ggf. auch Chloroquin (Resochin®).

Malaria-Notfalltherapie (Stand-by-Therapie)
Wenn das Risiko, an einer Malaria zu erkranken niedriger ist als das Risiko, eine schwere Nebenwirkung durch die Vorbeugungsmedikamente zu erleiden (statistisch etwa 1:10.000), wäre eine medikamentöse Vorbeugung nicht sinnvoll. Gerade in einem solchen Fall könnte sich (trotz besonders notwendigem und durchgeführtem Mückenschutz) hinter einer fieberhaften Erkrankung Malaria verbergen. Die Risiken einer Malariainfektion sind dann relativ klein, wenn rasch behandelt wird. Also sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, der eine Malaria ausschließen oder bestätigen kann. Wenn ein geeigneter Arzt nicht erreicht werden kann, muss auf Verdacht mit mitgeführten Medikamenten eine Selbstbehandlung durchgeführt werden (so genannte Malaria-Notfalltherapie oder Stand-by-Behandlung).

Malariaprophylaxe mit Doxycyclin
Gerade das Breitbandantibiotikum Doxycyclin spielt in der Reisemedizin eine zunehmend wichtige Rolle, da es ein, zwar in Deutschland nicht zugelassenes aber dennoch hoch effektives Medikament zur Prophylaxe der Malaria darstellt. Anders als andere Malariawirkstoffe richtet es sich in seiner Aktivität jedoch nicht überwiegend gegen den Malariaerreger, sondern gegen ein breites Spektrum von Mikroorganismen.

Malariaprophylaxe und Blutverdünnung
Die gleichzeitige Einnahme von Marcumar® mit Medikamenten der Malariavorbeugung, insb. Mefloquin (Lariam®) oder Doxycyclin, kann zu einer Leberüberlastung führen. Eine Alternative für die Malariavorbeugung wäre Atovaquon/Proguanil (Malarone®). Wechselwirkungen mit Marcumar lassen sich grundsätzlich nicht ausschließen, ggf. rechtzeitig vor der Reise mit der Einnahme beginnen, um die Gerinnungszeiten zu messen und ggf. Dosierungen anzupassen. Wichtig: Es sollte am Urlaubsort stets ein Arzt erreichbar sein, keine Malariamedikamente unter Marcumar®-Einnahme ohne Arzt im Hintergrund!

Malaria und Public Health (Öffentliches Gesundheitswesen)
Nach Angaben des Welt Malaria Programmes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden zwischen 2006 bis 2008 über 140 Millionen Moskitonetze verteilt. Eine weitere Maßnahme stellt die Schaffung des Zugangs zu hochwirksamen Artemisinin-Kombinationsmedikamenten dar. Durch die häufig vorkommende falsche Anwendung der Medikamente könnte jedoch einer Resistenzentwicklung Vorschub geleistet werden. Letztlich ist Malaria ein soziales Problem, das nur durch Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen (Gesundheitsversorgung, ökonomische Situation und Bildung) gelöst werden kann.

Medikamentenentwicklung
Interessant wäre, geeignete Partner für den Malariawirkstoff Artemisinin zu finden, also Substanzen, die seine Wirkung möglichst optimal ergänzen und im großindustriellen Maßstab leicht und billig erzeugt werden können. Es existieren zwar bereits entsprechende Präparate wie Riamet(R), das Konzept der Artemisinin-Kombinationspräparate ist jedoch noch weiter ausbaufähig.

Plasmodium vivax-Malaria (M. tertiana)
Nahe Verwandte von Plasmodium falciparum werden leicht übersehen, obwohl 2,85 Mrd. Menschen in Regionen leben, in denen sie vorkommen: Plasmodium vivax und seltener Plasmodium ovale, die Erreger der Malaria tertiana und Plasmodium malariae, der Erreger der Malaria quartana. Jährlich erkranken zwischen 80 und 300 Mio. Menschen an Malaria tertiana. Bei über 26% der Malariafälle bei Reisenden liegt eine Infektion mit P. vivax vor.

Plasmodium knowlesi-Malaria
Die vier Erreger der Malaria beim Menschen sind nur ein Teil des gesamten Spektrums von etwa 170 Plasmodienarten. Bei Tieren werden immer wieder neue Malariaerreger beschrieben. Bei hochentwickelten Affenarten (Primaten) kommen 25 Arten von Plasmodien vor. Plasmodium knowlesi beispielsweise kann, aufgrund unserer großen biologischen Ähnlichkeit mit den Primaten, auch auf den Menschen übertragen werden.

Malaria im Mittelmeer-Raum
Spanien und Marokko sind frei von Malaria. Mücken, die Malaria übertragen könnten, sind jedoch im Mittelmeerraum vorhanden und das Klima ist dort günstig für die Entwicklung des Parasiten in diesen Mücken. Wenn eine malariainfizierte Person in diese Regionen reist, kann sie gestochen werden, und so die Quelle für andere Infektionen in der Region werden. Lokal übertragene Infektionen werden als autochton bezeichnte. Solche Einzelfälle von Malariaerkrankungen wurden in Europa bereits beschrieben.

Malariaimpfstoffe
Bestätigen sich bisherigen Studienergebnisse, so könnte ein flächendeckender Einsatz neuentwickelter Malariaimpfstoffe im tropischen Afrika jährlich vielen hunderttausend Kindern das Leben retten. Für Reisende in Malaria-Hochrisikogebieten, die nur einen kurzfristigen aber dafür besonders zuverlässigen Malariaschutz benötigen, sind Malariaimpfstoffe bis auf Weiteres keine Alternative zu Mückenschutzmaßnahmen und medikamentöser Malariaprophylaxe.

Neue Malaria-Mücke
Wissenschaftler des Pasteur Instituts in Paris entdeckten im westafrikanischen Burkina Faso einen neuen Moskitotyp. Im Gegensatz zu einem massiven häuslichen Pestizideinsatz ist die Verwendung von Moskitonetzen sinnvoll, da die neu entdeckten Moskitos zwar ihre Brutstätten an anderer Stelle haben, sie abends und nachts jedoch in die Dörfer hinein fliegen.

Transgene Mücken zur Malariabekämpfung
Zur Zeit erscheint einigen Forschern eine Eindämmung der Malaria durch den Einsatz gentechnisch veränderter Mücken reizvoll. Der komplexe Entwicklungszyklus der Malariaparasiten (Plasmodien) könnte bereits durch geringfügige genetische Manipulationen des Moskitostoffwechsels gehemmt werden. So veränderte (transgene) Mücken wiesen unter Laborbedingungen längere Überlebenszeiten als natürlich vorkommende Mücken auf. Durch Einfügung bestimmter Genkonstrukte kann erreicht werden, dass sich die genetischen Veränderungen schneller innerhalb der Moskitopopulationen ausbreiten. Damit wäre eine Verdrängung der normalen Moskitos durch genetisch veränderte Anopheles-Mücken in freier Natur theoretisch möglich. Bislang ist allerdings nicht untersucht, inwieweit transgene Anopheles-Mücken Reservoire für andere Erreger sein könnten (z.B. für Viren) und damit langfristig ein neues, bisher unbekanntes Problem auslösen könnten. Wechselwirkungen in Ökosystemen und lebenden Organismen sind äußerst komplex und können prinzipiell in Planungsphasen von Projekten und Interventionen nicht überblickt werden.
 

MG, 20.08.2015



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