Reiseinformationen - BCG- Impfung gegen Tuberkulose


BCG-Impfung gegen Tuberkulose. Relevanz für Reisende?

Weltweit werden jährlich etwa 100 Mio. Dosen des BCG-Impfstoffs verimpft. Studien zeigen eine Effektivität des Impfstoffs von 70-80%. Trotzdem wird die BCG-Impfung in Deutschland nicht mehr durchgeführt. Wie ist dieser scheinbare Widerspruch zu erklären?

BCG-Impfstoff
Die Franzosen Calmette und Guérin entwickelten in den Jahren zwischen 1908 und 1921 über die Anzucht eines Rindertuberkulose-Erregers mit unzähligen Passagen durch verschiedene Nährmedien einen Lebendimpfstoff gegen die Tuberkulose. Der Impfstoff wurde in Deutschland erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt. Ein Grund für die späte Einführung in Deutschland war das „Lübecker-Impfunglück“. Durch Fehler bei der Herstellung des Impfstoffs war es 1930 zu einer Verunreinigung mit nicht-abgeschwächten Tuberkulose-Bakterien gekommen. Auf Sicherheitskontrollen wurde verzichtet. Mehr als 80% der Neugeborenen in Lübeck wurden mit dem kontaminierten Präparat geimpft. Insgesamt verstarben 77 dieser Kinder, weitere 131 Impflinge erkrankten an einer schweren Tuberkulose.

Anwendung in unserer Zeit
Besonders guter Schutz besteht hinsichtlich einer durch Tuberkulose-Erreger hervorgerufenen Hirnhautentzündung (Meningitis) sowie einer Streuung mit massivem Lungenbefall (Miliartuberkulose). Meta-Analysen (zusammenfassende Beurteilungen einer größeren Zahl von Studien) konnten hier Schutzraten („protective efficacy“) im Bereich von 86% bzw. 75% aufzeigen. Durch bestehende Kreuzimmunität zu den verwandten Erregern der Lepra (Mycobacterium leprae) und des Buruli-Hautgeschwürs (Mycobacterium ulcerans) trägt die BCG-Impfung dazu bei, die Häufigkeit selbst dieser Krankheiten zu vermindern. Der Schutz, den die BCG-Impfung gegen die gewöhnliche Lungentuberkulose des Erwachsenen bietet, kann äußerst stark variieren (0-80%). Die zum Teil beobachtete fehlende Wirksamkeit kann u.a. mit einer Unterdrückung der Immunabwehr durch den verimpften Erreger selbst zusammenhängen (Kernodle 2010). Auch bei Kindern oder Erwachsenen, die vorher bereits mit dem Tuberkulose-Erreger in Kontakt gekommen waren, ist nicht mehr von einem Effekt der BCG-Impfung auszugehen. Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, birgt die Impfung bei Immungeschwächten (zum Beispiel bei fortgeschrittener HIV-Infektion) erhebliche Risiken einer Ausbreitung des Impfbakteriums im Körper.

In Ländern mit starker Verbreitung von HIV-Infektionen ist meist auch die Tuberkulose häufig und das Gesundheitssystem mitunter mangelhaft. In dieser Konstellation ist es möglich, dass Kinder mit unentdeckter HIV-Infektion eine BCG-Impfung erhalten und hierdurch Schaden nehmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich dafür ausgesprochen, die BCG-Impfung in Ländern mit hohem Tuberkuloserisiko dennoch unmittelbar nach der Geburt der Kinder durchzuführen (WHO 2007: Web, Pdf). Die WHO vermutet, dass der Nutzen der BCG-Impfung gegenüber möglichen Schäden überwiegen werde. Ein wichtiger Grundsatz der Medizin lautet: "nicht schaden". Daher ist die Abwägeung der WHO unter ethischen Gesichtspunkten anfechtbar.

Seit 1998 wird die Impfung in Deutschland bei Kindern und Erwachsenen nicht mehr verabreicht. In Ländern, in denen die Tuberkulose nur selten vorkommt, fällt die Abwägung von Nutzen, Risiko und Kosten zu Ungunsten der Impfung aus. Dies gilt auch für eine Anwendung bei Reisenden. Auch bei Langzeitaufenthalten wird die BCG-Impfung nicht empfohlen wird.

Nebenwirkungen, die auch bei Immungesunden vorkommen können, sind ausgeprägte Reizungen im Bereich der Impfstelle, Entzündungen der benachbarten Lymphknoten, Gelenkbeschwerden und sehr selten impfbedingte Gehirnentzündungen. In Großbritannien wurde die systematische BCG-Impfung von Jugendlichen 2006 eingestellt. Derzeit wird weltweit intensiv an besser verträglichen Tuberkuloseimpfstoffen gearbeitet.

BCG-Impfung und diagnostische Maßnahmen
Ein weiterer Grund der zunehmenden Zurückhaltung gegenüber der BCG-Impfung in den Industrieländern war die erschwerte Tuberkulose-Diagnostik im Falle der Geimpften. Ein Tuberkulintest liefert über viele Jahre nach BCG-Impfung falsch positive Ergebnisse. Damit stand bei Geimpften ein wichtiges diagnostisches Mittel, mit dem ein Kontakt mit Tuberkulosebakterien nachgewiesen werden kann, nicht zur Verfügung.

Inzwischen besteht die Möglichkeit, labordiagnostisch zwischen einem falsch positiv ausgefallenen Tuberkulintest und einem tatsächlichen Kontakt mit dem Tuberkuloseerreger zu unterscheiden. Durchgeführt wird ein ELISPOT-Assay, mit dem eine Reaktion von Immunzellen (Lymphozyten) auf Bestandteile des „echten“ Tuberkulosebakteriums nachgewiesen wird, die im Bacillus Calmette Guérin fehlen. Diese neue diagnostische Möglichkeit ermöglicht es, beginnende Tuberkuloseerkrankungen bei BCG-Geimpften zu einem frühen Zeitpunkt zu erkennen.

Fazit für Reisende in Länder mit hoher Tuberkulose-Rate und möglichen Resistenzen (z.B. Südafrika):

Literatur

Weitere Artikel

MG, HEF, 06.02.2013



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