Fachinformationen - Allergien


Reisen mit Allergien

Allergiepatienten stellen während einer Fernreise oft eine deutliche Besserung der Symptome fest. Dies rührt daher, dass man sich häufig in einem allergenarmen Umfeld (Strand) befindet und bestimmte Allergieauslöser (z.B. Birkenpollen) in vielen Ländern schlicht nicht vorkommen. Daher sind Fernreisen für Allergiker meist unproblematisch, jedoch sollten einige Punkte beachtet werden:

Allergien vom Sofort-Typ
Diese Art der Allergie ist häufig. Bei Kontakt mit den entsprechenden Allergenen kommt es zu Schwellung der Nasenschleimhäute, entzündlichen Veränderungen an den Bindehäuten oder sogar zu Asthmabeschwerden. Typische Allergene vom Sofort-Typ sind Blüten- und Gräserpollen, Nahrungsmittelbestandteile, Insektengifte oder bestimmte chemische Verunreinigungen in der Luft. Personen mit ausgeprägter Neigung zu Allergien (u.a. Atopiker) können ihr Reiseziel so auswählen, dass sie möglichst wenig in Kontakt mit allergieauslösenden Faktoren kommen.
Wenn die heimischen Allergene in Reiseländern fehlen und der Aufenthalt so kurz bleibt, dass sich keine neuen Allergien entwickeln, kann sich ein bestehendes Problem durch die Reise deutlich verbessern.
Bei starker Beteiligung der Haut (Neurodermitis) ist die Mitnahme einer ausreichenden Menge von Hautpflegemitteln sinnvoll. Direkte Sonneneinstrahlung meiden oder zumindest reduzieren. Hautreizungen durch Schweiß und Staub können durch reichlich Wasser (Duschen mit wenig Seife) vermieden werden.

Pollenallergiker

Die sorgfältige Auswahl des Reiseziels ist vor allem für Pollenallergiker relevant. Als relativ arm an Allergenen gelten Küstenregionen und Höhenlagen über 1500 m. Informationen zum saisonalen Pollenflug können im Vorfeld eingeholt werden. Vorsicht auch bei (europäischen) Regionen mit größerem Birkenbestand. In den Tropen findet sich ggf. am Ende der Regenzeit eine verstärkte Pollenbelastung. Diese Pollen sind für das eigene Immunsystem aber noch neu und lösen daher in der Regel keine allergische Reaktion aus.

Allergie gegen Insektengift
Nach dem Stich von Bienen, Wespen oder Hornissen können sehr plötzlich schwere bis lebensbedrohliche Reaktionen wie allergische Schwellungen der Haut (Quaddeln bis Quincke Ödem), Atemnot, Kreislaufschock auftreten. Reisende mit bekannter Insektengiftallergie sollten daher ausreichend Medikamente für den Notfall mitführen. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Allergologen können milde antiallergische Medikamente wie Antihistaminika sowie auch stärker wirksame Substanzen wie Kortisonpräparate und für den akuten Notfall auch Adrenalin-Notfallkits mitgeführt werden. Sofern ausreichend Zeit zur Verfügung steht kann in Absprache mit dem Allergologen eine Desensibilisierungsbehandlung erwogen werden.

Nahrungsmittelallergie
Patienten mit bekannter Allergieneigung (u.a. Atopiker) müssen damit rechnen, im Ausland mit Nahrungsmitteln konfrontiert zu werden, die ein hohes Allergiepotenzial besitzen. Dies gilt sowohl für Speisen mit Soßen, für Gewürzmischungen wie auch für Gerichte mit rohem Fisch oder Meeresfrüchten.

Kontaktallergie

Bei Fernreisen werden Kontaktallergien am ehesten beobachtet, wenn bestimmte Pflanzen in Berührung mit der Haut kommen. In den USA und in Südafrika findet sich der Giftefeu, in Asien der Ginkgo- und der Bhilawabaum. Im südlichen Afrika und in Japan ist der Japan-Lackbaum heimisch. Schwere sonnenbrandähnliche Hauterscheinungen können nach Kontakt mit Feigenblättern oder Blättern des Riesenbärenklaus in Verbindung mit Sonnenlichtexposition auftreten. In Verbindung mit Sonnenlicht können auch zahlreiche Bestandteile in vor Ort verkauften Kosmetika, Sonnenschutzmitteln oder Kleidungsstücken zu einer allergischen Kontaktdermatitis führen.

Fazit
Für Allergiker gibt es wenig Einschränkungen hinsichtlich der Reiseaktivitäten. Dennoch sollte man für den Notfall gewappnet sein; dies beinhaltet ein ausführliches Beratungsgespräch mit dem Allergologen rechtzeitig vor Reiseantritt, Mitnahme von Medikamenten und Vorsicht im Umgang mit unbekannten Stoffen, Nahrungsmitteln und Reizfaktoren (Sonnenlicht).

Literatur/Informationen

 Weitere Artikel

SH, 19.11.2012



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